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Duisburg
Handicap kein Ausschlusskriterium

Duisburg: Handicap kein Ausschlusskriterium
Rainer Schmidt, der als Contergan-Betroffener selber zur Zielgruppe der Unternehmer-Tagung gehört, referierte eindrucksvoll und mit viel Humor über das Thema "Integration von Menschen mit Behinderung". FOTO: unternehmerverband
Duisburg. Im Haus der Unternehmer ging es um das große Thema "Potenziale erkennen und Menschen mit Behinderungen beschäftigen". Vor 150 Teilnehmern referierte authentisch der Pfarrer, Kabarettist und Autor Rainer Schmidt.

Bislang einmalig ist die Zusammenarbeit von sieben Partnern für ein Ziel: Menschen mit Behinderungen an Rhein und Ruhr ausbilden und in den allgemeinen Arbeitsmarkt integrieren. "Wir kommen heute mit Arbeitgebern, Personalleitern und Ausbildern verschiedenster Branchen ins Gespräch. Ihnen stellen wir die vielfältigen Unterstützungs- und Beratungsangebote vor, damit vor allem auch junge Menschen mit Handicap in Ausbildung und auf dem ersten Arbeitsmarkt ankommen", erläuterte Wolfgang Schmitz. Der Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes war im Haus der Unternehmer Gastgeber der Veranstaltung "Potenziale erkennen - Arbeitskräfte gewinnen - zusammen arbeiten". Er begrüßte die rund 150 Teilnehmer im Namen der Partner: Kreishandwerkerschaft Duisburg, Agentur für Arbeit Duisburg, Jobcenter Duisburg, Integrationsamt des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), Integrationsfachdienst Duisburg sowie das Amt für Schulische Bildung.

"Nicht jeder Mensch kann alles. Meine Schwester zum Beispiel ist Erzieherin, kann aber überhaupt nicht singen. Während sie damit aber trotzdem nicht berufsunfähig ist, ist eine Behinderung häufig ein Ausschlusskriterium." Eindrucksvoll und authentisch, aber vor allem humorvoll, unterstrich Rainer Schmidt als prominenter Mitstreiter die Botschaft der Veranstalter, dass jeder in der Mitte der Gesellschaft leben kann. Der Pfarrer und Autor, der weder Unterarme noch Hände hat, war Leistungssportler und mehrfacher Europa- und Weltmeister im Tischtennis. Als "unbetroffenster Betroffener" warf er einen kabarettistischen Blick auf das Leben mit Behinderung. "Nicht nur der Lebenslauf dieses Redners, sondern auch sein Auftreten und Umgang mit seinem Handicap zeigen, dass Menschen mit Behinderungen als Beschäftigte Unternehmen nicht hemmen, sondern vielmehr bereichern würden", so Schmitz.

Anders, als der Begriff "Schwerbehinderung" es vielleicht signalisiert, können schwerbehinderte Menschen sehr wohl leistungsfähig sein: Nicht nur blinde Menschen oder Rollstuhlfahrer sind schwerbehindert, sondern in über 80 Prozent der Fälle geht die Schwerbehinderung auf eine gravierende Krankheit zurück. Wie das LVR-Integrationsamt im ganzen Rheinland oder die Integrationsfachdienste vor Ort unterstützen alle Veranstalter interessierte Arbeitgeber. So dient zum Beispiel die Ausgleichsabgabe dazu, Investitions- oder Lohnkosten für Arbeitgeber zu bezuschussen, vor Ort zu beraten und zu begleiten oder die betrieblichen Integrationsteams zu schulen. Die Ausgleichsabgabe zahlen Unternehmen, die keine oder - gemessen an der vorgeschriebenen Quote - zu wenig Menschen mit Behinderungen beschäftigen.

Die günstige Lage am Arbeitsmarkt nutzen vor allem Arbeitsagentur und Jobcenter, um derzeit auch schwerbehinderten Menschen vermehrt den Einstieg in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu eröffnen. Die Veranstaltung nahm vor allem die jungen Menschen mit Behinderungen in den Blick: Auch für sie beginnt die Berufsorientierung bereits in der Schule. Möglichkeiten im Rahmen des neuen Übergangssystems Schule - Beruf NRW (Kein Abschluss ohne Anschluss) stellte das Amt für schulische Bildung Duisburg den Arbeitgebern aus Dienstleistung, Industrie und Handwerk vor.

Wolfgang Schmitz vom Unternehmerverband fügte mit Blick auf den unternehmerischen Alltag hinzu, dass Unternehmen engagierte Nachwuchskräfte suchen und ausbilden wollen. "Ob gehörlos, seh-, lernbehindert oder körperlich eingeschränkt - Menschen mit Handicap haben vielfältige Talente. Häufig sind sie außerordentlich motiviert und zuverlässig. Wir alle wollen mit unseren Partnern diese Potenziale heben." Bei der Diskussionsveranstaltung wurden zudem Best-practice-Beispiele zur Ausbildung und Erstbeschäftigung von jungen Menschen mit Behinderungen vorgestellt. Darüber hinaus standen Experten an Infoständen bereit. Sie berieten individuell über personelle Unterstützung und materielle Förderung oder besprachen mit den Gästen arbeitsrechtliche Besonderheiten.

Quelle: RP
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