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Duisburg
Handwerk finanziert Deutschkursus

Duisburg: Handwerk finanziert Deutschkursus
Daumen hoch: Die Flüchtlinge sind mit Spaß dabei, die deutsche Sprache zu lernen. Seit gut einem Monat gibt es den Deutschunterricht nun schon. FOTO: Handwerkskammer
Duisburg. In Neumühl haben sich die Innung für Sanitär, Heizung und Klimatechnik, das Bildungszentrum Handwerk und Pater Tobias zusammengesetzt, um Flüchtlingen Deutschkurse anzubieten - mit erstem Erfolg.

Sie kommen aus Nigeria, Somalia, Ghana, Guinea, Albanien, Syrien. Sie sind zwischen 18 und 31 Jahre alt, seit drei bis sieben Monaten in Deutschland, haben Ausbildungen als Anlagenmechaniker, Elektriker, Programmierer, Event-Manager, Koch und Kfz-Mechatroniker (nur einer von zwölf hat noch keine Ausbildung). Und trotz aller Unterschiede haben sie zwei Gemeinsamkeiten: Sie mussten (teilweise mit ihren Familien) vor Terror, Gewalt und Zerstörung aus ihrer Heimat fliehen, und sie wollen die deutsche Sprache lernen. Ohne die Landessprache geht bekanntlich nichts, aber das ist gar nicht mal so einfach.

Die Schwierigkeiten liegen weniger in der für viele Lernende ungewohnten Grammatik und einem komplett neuen Wortschatz, sondern vielmehr in gesetzlichen und bürokratischen Vorschriften. Kurz gesagt: Nicht jeder, der in Deutschland lebt, darf Deutsch gefördert lernen. Das wollten Hermann Scheelen, Obermeister der Innung Sanitär, Heizung, Klima und seine Vorstandskollegen so nicht akzeptieren und reagierten auf die Situation handwerksgerecht: Sie handelten.

Schließlich sind sie sicher: "Unter den Flüchtlingen sind viele qualifizierte Menschen, die für das Handwerk ein Gewinn sein können." Scheelen setzte sich mit dem Geschäftsführer des Bildungszentrum Handwerk, Frank Bruxmeier, und mit Pater Tobias zusammen, der sich um Flüchtlinge in Neumühl kümmert, zusammen. Schon nach kurzer Zeit war die Sache klar: Die Sanitär, Heizung und Klima Innung Duisburg finanziert den Sprachlehrer; das Bildungszentrum stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung und Pater Tobias vermittelt den Kontakt zu den Flüchtlingen.

Seit gut einem Monat findet der Deutschunterricht an vier Tagen in der Woche für zwei Stunden statt. Scheelen bereut den finanziellen Einsatz der Innung nicht: "Nach vier Wochen spricht natürlich noch niemand fließend Deutsch", sagt er. "Aber die erste Kommunikation ist ohne Dolmetscher möglich." Er zeigt sich beeindruckt von der Motivation und dem Engagement der Deutschlernenden. "Wir sind auf dem richtigen Weg."

Sprachlehrer Michael Aywaz stimmt dem zu und fügt an: "Ich unterrichte nicht wegen des Geldes, sondern in erster Linie als christlicher Missionar aus Nächstenliebe. Und ich werde durch die hohe Lernbereitschaft und den Respekt, der mir entgegengebracht wird, belohnt." Bruxmeier sieht das genauso: "Während des Unterrichtes ist eine bestimmte Art von Zusammengehörigkeit zu spüren, die von Aktivität und Wille getragen wird. Diese Menschen haben die Chance verdient, sich in unsere Gesellschaft einbringen zu dürfen. Wir dürfen sie nicht ohne Aufgaben und Ziele in den Flüchtlingsheimen vor sich hin leben lassen. Das tut keinem Menschen gut, egal welche Sprache er spricht."

Quelle: RP
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