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IS-Razzia in Duisburg
Hasan C. war schon lange im Visier der Polizei

IS-Razzia  in Duisburg: Hasan C. war schon lange im Visier der Polizei
Das Reisebüro von Hasan C.. Hier soll der Türke Ausreisewilligen neben der arabischen Sprache auch radikal-islamische Inhalte vermittelt haben. Beamte des Landeskriminalamtes haben gestern Morgen die Räume durchsucht. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Beamte des Landeskriminalamtes haben am Dienstag Hasan C. festgenommen. Der Reisebürobesitzer steht im Verdacht, Teil des Terrornetzwerkes Islamischer Staat zu sein und radikale Inhalte vermittelt zu haben. Von Carolin Skiba, Hildegard Chudobba und Christoph Reichwein (Fotos)

In dem Rheinhausener Reisebüro Öztürk-Reisen auf der Atroper Straße hat es am Dienstag eine Razzia gegeben. Der Inhaber des Reisebüros, Hasan C., wurde durch Beamte des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen wegen des dringenden Verdachts der Unterstützung der terroristischen Vereinigung "Islamischer Staat" (IS) festgenommen. Die Bundesanwaltschaft hat die Männer gestern aufgrund von Haftbefehlen des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs vom 26. Oktober dieses Jahres festnehmen lassen.

Der 50-jährige Türke Hasan C. ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft eines von fünf Mitgliedern eines überregionalen salafistisch-jihadistischen Netzwerks. Wie sie erklärte, war es das Ziel des Netzwerks, Personen an den IS nach Syrien zu vermitteln. Hasan C. übernahm unter anderen die Aufgabe, Gleichgesinnten und Ausreisewilligen neben der arabischen Sprache auch radikal-islamische Inhalte zu lehren. Der Unterricht diente dazu, die ideologischen und sprachlichen Grundlagen für eine zukünftige Tätigkeit beim IS, insbesondere für die Teilnahme an Kampfhandlungen, zu schaffen, heißt es weiter. Die Beschuldigten wurden gestern und heute dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt, der ihnen den Haftbefehl eröffnen und über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheiden wird.

In diesem Haus lebt Hasan C. gemeinsam mit seiner Partnerin Agathe S. und einem möglichen Verwandten. Hier soll C. gestern Morgen festgenommen worden sein. FOTO: Christoph Reichwein

Der festgenommene Reisebürobesitzer ist der Duisburger Polizei seit langem bekannt. Als er kurz nach den Anschlägen in Paris sogenannte "Hassprediger" in seine Moschee - dabei handelt es sich um Räume hinter dem Reisebüro - einladen wollte und ihn die Polizei daher vernommen hatte, hatte er noch vehement behauptet, von der Radikalität dieser Prediger nichts gewusst zu haben. Er gab sich damals ahnungslos. "Wir haben ihn also schon seit längerem im Visier", sagt Dr. Elke Bartels, Duisburgs Polizeipräsidentin. "Auch andere mögliche Islamisten stehen in unserer Stadt unter Beobachtung. Es sind aber nicht all zu viele."

Duisburg sei in keinem Fall eine IS-"Hochburg". Weil hier überwiegend gemäßigte Menschen muslimischen Glaubens lebten, fände auch eine Art von Selbstkontrolle statt. Aus der Tatsache, dass der Rheinhauser am Dienstag festgenommen worden sei, könne man ableiten, dass die Polizei einen recht guten Einblick in die islamistische Szene habe, so Bartels. Die Erkenntnisse würden stets auch an die anderen ermittelnden Behörden wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe weitergeleitet, an die der Duisburger gestern bereits überstellt wurde.

Ein Screenshot des Facebook-Bildes von Agathe S. FOTO: Facebook

Hasan C. hat in den Räumen hinter seinem Reisebüro eine Art "Moschee" betrieben, die inzwischen geschlossen wurde. Schon vor einigen Wochen hatte die Duisburger Polizei die Räume durchsucht und Material sichergestellt, um ihm nachweisen zu können, dass er junge Männer für den IS-Kampf rekrutiert hat. In diesen Räumen sollen sich auch die Attentäter radikalisiert haben, die am Nachmittag des 16. April den Sprengstoff-Anschlag auf den Essener Sikh-Tempel begangen haben sollen.

Etwa einen Kilometer von dem Reisebüro entfernt lebt Hasan C. gemeinsam mit seiner Partnerin Agathe S. und einem Mann mit gleichem Nachnamen wie Hasan C., möglicherweise einem Verwandten, in einem Zweifamilienhaus. Eine Nachbarin sagte, dass auch das Wohnhaus in den frühen Morgenstunden von Beamten durchsucht worden und der 50-Jährige dort festgenommen worden sei. Weiterhin sagte sie, dass sie Agathe S. schon mehrfach begegnet sei, die sich stets vollverschleiert zeigt. Mehrmals habe die 26-jährige Nachbarin Agathe S. in Begleitung von zwei Kindern gesehen.

Der handgeschriebene Zettel war gestern im Schaufenster des Reisebüros zu finden. FOTO: Christoph Reichwein

Schaut man sich das Profil von Agathe S. im sozialen Netzwerk Facebook an, wird schnell klar, dass auch sie sich offensichtlich radikalisiert hat. Es finden sich ausschließlich Bilder, die Zeichnungen vollverschleierter Frauen zeigen, oftmals in Verbindung mit Texten, die alle dem Islam und Allah huldigen. Da heißt es beispielsweise: "Mein Leben ist Allah gewidmet" oder "Wir ziehen unsere Kinder nicht groß, damit sie uns später versorgen, wir ziehen sie groß, damit sie Allah dienen".

Ein weiterer Spruch, den die 33-Jährige auf ihrem Profil gepostet hat, lautet: "Oh junge Frauen! Seid achtsam davor, Männer zu heiraten, die vom Jihad fernbleiben, denn ein muslimischer Mann erlangt Ehre durch den Jihad". Viele der von ihr veröffentlichten Zitate stammen von Anwar al-Awlaki, einem islamistischen Extremisten und Imam mit US-amerikanischer und jemenitischer Staatsbürgerschaft, von dem angenommen wird, dass er als Anwerber für al-Qaida tätig war.

Quelle: RP
 
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