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RP-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten
Heinrich VIII. und die Mary Rose

RP-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten: Heinrich VIII. und die Mary Rose
Auf dieser Porzellan-Glocke, eine Nachbildung der Originalschiffsglocke, ist die Mary Rose gezeichnet. Die Glocke ist ein Geschenk der Stadt Portsmouth an die Stadt Duisburg als Zeichen ihrer Städtepartnerschaft. FOTO: christoph reichwein
Duisburg. Duisburgs Partnerstadt ist seit 1950 Portsmouth, die Stadt und das Marinezentrum am Südende Englands. Das wissen die meisten Duisburger, aber die faszinierende Geschichte des Kriegsschiffs Mary Rose ist hier eher unbekannt. Von Harald Küst

Portsmouth im Jahr 1545: Es war die Zeit der Regentschaft von Heinrich VIII., dem Begründer der britischen Flotte. Portsmouth war das Marinezentrum. Heinrich VIII. lag mit Frankreich im Krieg. Das berühmte Flaggschiff Mary Rose galt damals als das fortschrittlichste Kriegsschiff seiner Zeit. Wenige Seemeilen vor Portsmouth sank es vor den Augen Heinrich VIII. bei einem Seegefecht gegen die Franzosen vor 470 Jahren.

Die genauen Ursachen des Untergangs der Mary Rose sind ungeklärt. Fakt ist, dass Wasser durch die offenen Geschützluken des unteren Kanonendecks eindrang. Vermutlich war die Befehlskette Kapitän, Bootsmann, Mannschaft gestört. Heute nimmt man an, dass die Mannschaft schlichtweg nicht in der Lage war, den Befehlen des Kapitäns beim Wendemanöver schnell genug zu folgen und die Kanonenpforten rechtzeitig zu schließen. Das eindringende Wasser führte innerhalb von Minuten zum Untergang der Mary Rose. Mehr als 500 Seeleute kamen damals ums Leben. Das Schiffswrack wurde erst im 20. Jahrhundert entdeckt.

Die Bergung des Flaggschiffs Heinrich VIII. hatte 1982 für Wissenschaftler eine Zeitkapsel geöffnet, die tiefe Einblicke in das Leben der Tudorzeit eröffnete. In den Überresten des Wracks fanden sich zum Teil gut erhaltene Fundstücke. Dazu gehörten die wegen ihrer Durchschlagskraft gefürchtetenzwei Meter großen Langbögen aus Eibenholz, steinerne und eiserne Kanonenkugeln, Bronzegeschütze, Geschirr, Möbel, Proviant und chirurgische Instrumente.

Heinrich VIII. hatte nämlich mit dem Medical Act von 1511 einen durchstrukturierten medizinischen Dienst für Marine und Heer ins Leben gerufen, die Flotte verfügte über einen Chefarzt, vier Oberärzte und 32 Ärzte. Alle Funde wurden mit neuesten Forschungsmethoden untersucht.

James Barret von der University of Cambridge nahm zum Beispiel sogar Proben des Kabeljauproviants, mit dem die Seeleute versorgt wurden. Mit Hilfe von DNA und Isotopen-Studien bestimmte Barret die Herkunftsgebiete der im Wrack gefundenen Kabeljauknochen. Die Untersuchungsergebnisse der Forscher waren durchaus überraschend: "Schon im 16. Jahrhundert hatten britische Fischer bis Island und Neufundland Fischfang betrieben", stellte James Barrett fest. Bislang hatten Historiker das Vordringen bis nach Nordamerika deutlich später datiert. Die imposanten Wrackteile mit den Fundstücken werden in Portsmouth im Mary-Rose-Museum präsentiert. Die lebendige Darstellung des Lebens an Bord steht dabei im Vordergrund. Chris Dobb, Experte für die mediale Aufbereitung, betont: "Die Besucher erwarten Kanonen und Admirale, aber sie erhalten auch Einblicke in das Leben der Schiffszimmerleute, der Chirurgen und der Köche." Das neue Besucherzentrum vermittelt britische Marinegeschichte mit Eventcharakter. Unsere Partnerstadt Portsmouth kann stolz darauf sein.

Quelle: RP
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