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Duisburg
Heitere Leichtigkeit und tiefste Trauer

Duisburg: Heitere Leichtigkeit und tiefste Trauer
Eindrucksvoll: Die Ballettaufführung b.26 verspricht morgen wieder ein ganz besonderer Abend zu werden. FOTO: Gert Weigelt
Duisburg. Am morgigen Samstag, 19.30 Uhr, bringt die Deutsche Oper am Rhein in ihrem Duisburger Haus ihren jüngsten Ballettabend "b.26" heraus. "One" von Terence Kohler ist dabei eine Uraufführung. Von Ingo Hoddick

Es beginnt mit filigraner Leichtigkeit, Eleganz und Esprit. Zehn der insgesamt 50 Choreographien, die August Bournonville im 19. Jahrhundert für das Königlich Dänische Ballet in Kopenhagen schuf, sind dort bis heute im Repertoire, zum Teil mündlich überliefert und fast unverändert. Eines der großen Meisterwerke Bournonvilles ist das dreiaktige Handlungsballett "Napoli", ein heiteres Stück von 1842 voller lebhafter Genrebilder mit vergnügten Straßenhändlern, Puppenspielern, Wassergeistern, Flirts und Vergnügungen rund um den verliebten Fischer Gennaro und seine Braut Teresina. Bereits zu Bournonvilles Lebzeiten löste man aus diesem wie aus anderen Balletten Teile heraus, um sie als funkelnde Preziosen im Rahmen unabhängiger Divertissements zu zeigen. So präsentiert nun auch das Ballett am Rhein zum Auftakt von "b.26" ein "Bournonville Divertissement", das mit dem berühmten Pas de six und der Tarantella aus dem dritten Akt von "Napoli" zwei brillante Tanzsequenzen mit einem weiteren Beispiel für Bournonvilles choreographische Meisterschaft kombiniert: dem Pas de deux aus seinem Ballett "Blumenfest in Genzano" von 1858, heute eine seiner bekanntesten Kreationen. Die Musik dazu schrieben damals eigens Edvard Mads Helstedt und Holger Simon Pauli. Die über 150 Jahre alten Tänze werden für Duisburg einstudiert von dem dänischen Choreographen Johnny Eliasen, der in der betreffenden Tradition aufgewachsen ist.

Nicht ganz so alt ist der Mittelteil des Abends mit dem Titel "Dark Elegies". Antony Tudor war 1937 wahrscheinlich der erste Choreograph überhaupt, der sich von der Musik von Gustav Mahler anregen ließ, nämlich von dessen "Kindertotenliedern". Es ist ein Ritual des unfassbaren Schmerzes und der tiefsten Trauer, das "Dark Elegies" vor unseren Augen ausbreitet: Eine Dorfgemeinschaft hat sich zusammengefunden, um den Tod ihrer Kinder zu beklagen. Ruhig und entschlossen wirken die Tänzer, suchen keinen Trost beim anderen - und doch ist es die Gemeinschaft, die ihnen Kraft schenkt. Nur machmal kommt es zu Ausbrüchen des Schmerzes. Das bewegende Meisterwerk wird für Duisburg einstudiert von Amanda McKerrow und John Gardner, die selbst noch unter Antony Tudor in dem von ihm begründeten "American Ballet Theater" tanzten.

Bei den Proben zur morgigen Aufführung im Duisburger Theater: Feline van Dijken und Choreograph Johnny Eliasen.

Als Synthese von "b.26" fungiert dann der dritte Teil, die Uraufführung "One" des aus Australien stammenden jungen Choreographen Terence Kohler auf die Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68 von Johannes Brahms. Als auslösende Metapher wählte Kohler die verschiedenen Stadien eines Sturms: von einer Vorahnung über das Toben im Inneren oder das Gefangensein in seinem Auge bis zu der schieren Kraft eines vorüberziehenden Sturms und der plötzlichen Ruhe danach.

Der Bariton Dmitri Vargin und die Duisburger Philharmoniker sind in "b.26" live zu erleben. Die musikalische Leitung hat Rheinopern-Generalmusikdirektor Axel Kober, in den späteren Aufführungen alternierend mit Kapellmeister Wen-Pin Chien. Es gibt noch Karten, unter Telefon 0203 940 77 77 oder 0203/ 28362100 und an der Abendkasse im Theater.

Vor allen "b.26"-Aufführungen bietet die Rheinoper jeweils ab 19 Uhr eine kostelose Einführung im Opernfoyer an.

Quelle: RP
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