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Duisburg
High-Tech bringt Farbe in den OP

Duisburg: High-Tech bringt Farbe in den OP
So funktioniert die farbenprächtige Fluoreszenztechnik: Auf dem Bild aus dem OP ist das "Einfließen" der Flüssigkeit in die Gefäße zu erkennen. FOTO: Helios
Duisburg. Eine neue Fluoreszenztechnik am Helios Klinikum Duisburg lässt Gewebe leuchten und sorgt so für noch bessere Ergebnisse bei minimal-invasiven Eingriffen im Bauchraum. Die Ärzte nutzen das "Glühwürmchen-Prinzip".

Wenn der Monitor im OP-Saal während eines Eingriffs plötzlich blau oder grün aufleuchtet, dann nutzen die umstehenden Chirurgen wahrscheinlich die neuartige "ICG-Laparoskopie", auch Fluoreszenzangiographie genannt. So heißt die Technik, die auf einem ähnlichen Prinzip basiert, wie es in der Natur etwa bei Glühwürmchen vorkommt.

Dank einer biochemischen Reaktion entsteht ein Lichteffekt, der dem Operateur hilft, Strukturen zu erkennen, die er mit bloßem Auge manchmal nur schwer ausmachen kann. Dazu wird dem Patienten während der des Eingriffs eine ungefährliche Farbstofflösung in die Blutbahn gespritzt. Diese Lösung breitet sich dann über die Gefäße in die Gallenwege und schließlich in die Harnröhren aus. Bestrahlen die Ärzte diese Strukturen dann mit einem speziellen Licht - ähnlich dem UV-Licht - erscheinen sie in knalligen Farben. So lässt sich viel sicherer nachvollziehen, ob etwa in Bereichen, die dem Auge gut durchblutet erscheinen, wirklich noch Blut fließt. Auch können die Chirurgen die Verläufe von Gallen- und Harnleitern schon erkennen, ohne sie aus dem umliegenden Gewebe freioperieren zu müssen. Weitere Anwendungen findet die ICG-Laparoskopie in der Leberchirurgie bei Metastasen oder Lebertumoren, die sich so noch besser von der Umgebung abgrenzen lassen.

Ab sofort profitieren auch die Patienten der Allgemein-, Viszeral- und Minimal-Invasiven Chirurgie am Helios Klinikum Duisburg von dieser modernen Technik, die bisher nur in wenigen Krankenhäusern Deutschlands zum Einsatz kommt. In Duisburg wenden die Ärzte das Verfahren vor allem an, um bei Operationen am Darm die Gefäßversorgung der betroffenen Bereiche sicher zu stellen. "Das bedeutet ein zusätzliches Plus an Patientensicherheit. Die gefürchtete Nahtundichtigkeit, sprich eine gestörte Wundheilung, lässt sich so noch einmal um die Hälfte reduzieren", erklärt Dr. Norbert Hennes, Chefarzt der Abteilung. Er und sein Team führen bereits alle Darmeingriffe mit Hilfe minimal-invasiver Verfahren durch, sie arbeiten also schon mit winzigen Schnitten und hochauflösenden Kameras. Durch die ICG-Laparoskopie aber können sie die ohnehin schon sehr schonenden Eingriffe jetzt noch risikoärmer durchführen. Ein Beispiel: Bei der Entfernung eines Darmtumors etwa müssen immer auch die umliegenden Lymphknoten mit herausgenommen werden, um das "Weiterwandern" einzelner Krebszellen und damit auch deren Metastasierung zu beurteilen. Dafür muss allerdings das Hauptgefäß des "tumortragenden" Darmabschnitts nahe der Körperhauptschlagader durchtrennt werden. Für den anschließenden Heilungsprozess der operierten Darmareale ist eine ausreichende Durchblutung unerlässlich. Hier springen dann die Nebenäste anderer Darmgefäße ein. Dank der ICG-Laparoskopie kann der Chirurg schon am Anfang des Eingriffs viel besser und auf wenige Millimeter genau erkennen, welcher Darmabschnitt von welchem Gefäß ausreichend stark versorgt wird und bis wohin er problemlos seine Schnitte setzen kann. Das sorgt, neben der geringeren Blutungsgefahr und besserer Wundheilung auch für eine verringerte OP-Zeit. Die Farbstofflösung scheiden die Patienten ohne Folgen nur wenige Stunden später über den Urin wieder aus.

In der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Minimal-Invasiven Chirurgie am Helios Klinikum Duisburg werden pro Jahr rund 400 Eingriffe am Dick- und Mastdarm vorgenommen. Alle Entfernungen von Darmabschnitten bei gut- und bösartigen Erkrankungen können mit Minimal-Invasiver Technik angeboten werden, wobei auch die Fluoreszenz zum Einsatz kommt.

Quelle: RP
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