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Duisburg
Hilfe durch Halsbandscheibe aus Plastik

Duisburg: Hilfe durch Halsbandscheibe aus Plastik
Die 3-D-Animation der Wirbelsäule zeigt den filigranen Aufbau des Skeletts. FOTO: Helios
Duisburg. Nach einem Sturz verliert Winfried Junghänel urplötzlich die Kontrolle über seine Beine. Die Ursache: Ein lange symptomloser Hals-Bandscheibenvorfall, der das Rückenmark einengte. Von Kathrin Unterberg

In beachtlichem Tempo spaziert Winfried Junghänel mit seiner Gehhilfe über den Flur der Helios St. Johannes Klinik. Beachtlich deshalb, weil er kurze Zeit zuvor gar nicht mehr laufen konnte. In seinem Alltag bewegt sich Winfried Junghänel häufig zu Fuß, geht gerne spazieren und nutzt die öffentlichen Verkehrsmittel. Doch in der Zeit vor seinem Unfall verändert sich etwas: "Ich bin in den letzten Wochen öfter gestolpert, habe mir aber eigentlich keine Gedanken darüber gemacht", erzählt er. Dass es erste Warnhinweise seines Körpers waren, wusste der Duisburger nicht. Bis zu dem Tag, als er auf offener Straße stürzt und urplötzlich die Kontrolle über den unteren Teil seines Körpers verliert. "Mit Mühe und Not habe ich selbst noch die 112 gewählt. Danach muss ich auch kurz bewusstlos gewesen sein." Der gerufene Rettungswagen brachte den 72-Jährigen in die Notaufnahme der Helios St. Johannes Klinik. Die dort angefertigten MRT-Aufnahmen zeigten deutlich: Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule drückte auf das Rückenmark des Mannes.

"Wenn sich eine Bandscheibe an dieser Stelle verschiebt, muss das zunächst nicht unbedingt mit so großen Schmerzen verbunden sein, dass der Betroffene direkt zum Arzt geht. Sobald jedoch das Rückenmark in Mitleidenschaft gezogen wird, zeigen sich ernstzunehmende Symptome: Der Bewegungsablauf ist gestört, man wird beim Gehen unsicher und spürt Missempfindungen in den Extremitäten", erläutert Dr. Daniel Begrich, Oberarzt der Fachabteilung für Wirbelsäulenchirurgie an der Hamborner Klinik. Drückt der Bandscheibenvorfall nicht genau auf die Mitte der im Mark gebündelten Nerven, beschränken sich die Auswirkungen meist nur auf eine Körperhälfte. Je nach Größe des Vorfalls ist aber auch eine mehr oder weniger ausgeprägte Querschnittssymptomatik möglich - Arme und Beine gehorchen nicht mehr, die Betroffenen sind teilweise gelähmt. Im schlimmsten Fall ist auch die Atemmuskulatur betroffen. "Wahrscheinlich war Herr Junghänels Sturz der finale Auslöser. Durch die Stoßbelastung hat sich der Bandscheibenvorfall verschlimmert", sagt Facharzt Dr. Begrich.

Da die Auswirkungen so gravierend sind und die Gefahr eines dauerhaften Nervenschadens besteht, entscheiden sich die Ärzte gemeinsam mit dem ehemaligen Berufssoldaten umgehend zu einer Operation. In dem mikrochirurgischen Eingriff wird die betroffene Halsbandscheibe entfernt und durch einen Platzhalter aus Kunststoff ersetzt. "Diese minimal-invasive Methode ist besonders schonend für das Rückenmark, die Patienten erholen sich schneller und behalten keine großen Narben", sagt Dr. Khanh Toan Hau, Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie. Zwar versucht der Mediziner stets, den Griff zum Skalpell zu vermeiden, wenn sich aber bereits neurologische Ausfallerscheinungen, also Lähmungen zeigen, dann ist eine Operation in vielen Fällen notwendig.

Bereits kurz nach dem Erwachen aus der Narkose bemerkt Winfried Junghänel, dass es ihm deutlich besser geht. "Dafür ist es vielleicht noch etwas früh, aber ich könnte einen Luftsprung machen", sagt er freudig und wackelt mit Armen und Beinen. Er hat die Kontrolle über seine Mobilität wieder.

Quelle: RP
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