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Duisburg
Himmlische Stimmungsmalerei

Duisburg. Beim "Schwanengesang" beeindruckte Christoph Prégardien einmal mehr. Von Michael Tegethoff

Anlässlich seines 60. Geburtstags gestaltete der Tenor Christoph Prégardien eine Konzertreihe im Theater am Marientor. Neben den drei großen Liederzyklen von Franz Schubert gab es eine "Schubertiade" mit befreundeten Musikerkollegen. Am Sonntag wurde die Konzertreihe mit dem "Schwanengesang" beschlossen. Der "Schwanengesang" aus Schuberts Todesjahr 1828 vereint Lieder nach Texten von Ludwig Rellstab und Heinrich Heine. Weil ein kontinuierlicher Ablauf fehlt, stehen die Lieder ein wenig im Schatten der "Schönen Müllerin" und der "Winterreise". Jedoch ist bekannt, dass einige der Heine-Lieder zum Erschütterndsten gehören, was Franz Schubert jemals komponierte. Christoph Prégardien und seinem Klavierbegleiter Michael Gees gelang eine bewegende Interpretation, die stets bis auf den Kern der Lieder vordrang. Zunächst fiel auf, dass Sänger und Pianist bei ihrem Vortrag von der vertrauten Reihenfolge der Lieder abwichen und außerdem die lediglich 13 Musiknummern um weitere Lieder von Franz Schubert und Robert Schumann ergänzten. Nun war der Beginn mit den Rellstab-Liedern "Abschied" und "Ständchen" noch nicht ganz auf jener Höhe, der beim weiteren Verlauf so durchgängig zu bewundern war. Bei dem Tenor Christoph Prégardien beeindruckte die überragende Diktion, die stets mustergültige Textverständlichkeit macht ihn sogar zu einem konkurrenzlosen Interpreten. Aber auch die Fähigkeiten, dramatische Impulse zu setzen oder die Stimme schwerelos schweben zu lassen, standen ihm gleichermaßen zur Verfügung. Michael Gees ist ein Klavierbegleiter, der sich jederzeit nach dem Gesangssolisten richtet, dabei aber eigene Impulse zu setzen weiß.

Stimmungsvielfalt sprach aus den Liedern nach Texten von Ludwig Rellstab, Friedrich Schlegel und Friedrich Rückert. Sehr gut mit Schuberts "Schwanengesang" korrespondierten Robert Schumanns "Sechs Gedichte von Nikolaus Lenau und Requiem" op. 90 - mit kurzen Miniaturen am Beginn und einem wundervoll empfindsam vorgetragenen Trostgesang. Schuberts Heine-Lieder waren so angeordnet, dass liedhafter Schöngesang der schmucklosen Deklamation wich, die Dramatik der Inhalte jedoch eindrucksvoll zur Geltung kam.

Zwei Zugaben beschlossen das Konzert. "Die Taubenpost" (Text: Johann Gabriel Seidl) wird seit jeher mit dem "Schwanengesang" in Verbindung gebracht. Hier zeichnete sich der Vortrag durch Leichtigkeit und Eleganz aus. Die letzten Töne aber gehörten dem Lied "Nacht und Träume" (Text: Matthäus von Collin), und wie die Interpreten die andächtige Stimmung einfingen, das war an atmosphärischer Stimmungsmalerei nicht zu überbieten - himmlisch!

Quelle: RP
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