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Duisburg
Hintergründige Spieloper

Duisburg: Hintergründige Spieloper
FOTO: Hans Jorg Michel /Deutsche Oper am Rhein
Duisburg. Am kommenden Freitag, 11. November, um 19.30 Uhr, übernimmt die Deutsche Oper am Rhein ihre erfolgreiche Produktion der Shakespeare-Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" von Otto Nicolai in ihr Duisburger Haus. Von Ingo Hoddick

Der vor 400 Jahren gestorbene William Shakespeare hat Sir John Falstaff in mehreren Stücken auftreten lassen. Nachdem er in den beiden Dramen um Heinrich IV. als Saufkumpan des Prinzen Hal, dem späteren Heinrich V., eine Rolle spielte, setzte der Dichter ihm in "The Merry Wives of Windsor" ein Denkmal. Die einzige bürgerliche Komödie Shakespeares soll auf Wunsch Königin Elisabeths I. geschrieben worden sein, die bereits in den Königsdramen an dem ebenso verarmten wie verfressenen Ritter Gefallen fand. In der beliebten Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" (1849) von dem in Duisburgs ostpreußischer Patenstadt Königsberg geborenen Otto Nicolai (1810-1849) schreibt Falstaff Frau Fluth und Frau Reich den gleichen Liebesbrief.

Das kommt den beiden in ihren Ehen mäßig glücklichen Damen gerade recht: Sie wissen sich zu helfen und erteilen nicht nur Falstaff, sondern auch Frau Fluths eifersüchtigem Ehemann eine Lektion. In der Jagd auf den Außenseiter finden nicht nur die beiden Paare wieder zusammen, sondern auch die gesamte Kleinstadt. Der Störenfried verkörpert all das, was die Kleinbürger zu verdrängen versuchen: Genusssucht bis zur Völlerei, Lebenslust und maßlose Sexualität. Musikalisch bündelt Nicolai in seinem Meisterwerk die Traditionen Italiens (wo er studiert hatte) und Deutschlands, von der Oper "Falstaff" (1799) von Antonio Salieri bis zu "Ein Sommernachtstraum" von Felix Mendelssohn, vom munteren Parlando eines Gioacchino Rossini bis zur entgrenzenden Wald-Mystik in Carl Maria von Webers Oper "Der Freischütz", und machte daraus etwas ganz Eigenes und handwerklich Perfektes, nicht zuletzt im besten Sinne Unterhaltendes.

Dietrich W. Hilsdorf, in Düsseldorf/Duisburg besonders bekannt für seine Inszenierung der Oper "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss (die RP berichtete) und gerade für Giuseppe Verdis "Falstaff" an der Oper Köln gefeiert, löste hier das Problem, wie man heute eine deutsche Spieloper inszenieren kann, indem er hinter die biedermeierliche Fassade schaute, aber auch der Spielfreude freien Lauf ließ.

In den wandelbaren Bühnenräumen von Dieter Richter und mit historisch anmutenden Kostümen von Renate Schmitzer entwirft Hilsdorf ein stimmungsvolles Sittengemälde der Entstehungszeit.

Nach der im Juni erfolgreichen Düsseldorfer Premiere zeigt sich das Ensemblestück jetzt in Duisburg in neuer Besetzung: Thorsten Grümbel gibt sein Debüt als Sir John Falstaff, Heidi Elisabeth Meier und Katarzyna Kuncio spielen "die lustigen Weiber" Frau Fluth und Frau Reich, ihre Ehemänner sind Stefan Heidemann und Sami Luttinen. Anna Princeva und Jussi Myllys verkörpern das junge Liebespaar Anna und Fenton, das den großen Aufruhr im kleinen Städtchen Windsor zur unbemerkten Eheschließung nutzt. Dirigiertechnisch sind die "Weiber" Chefsache: Am Pult der Duisburger Philharmoniker steht Rheinopern-GMD Axel Kober.

Es gibt noch Karten, am einfachsten telefonisch unter der Rufnummer 0203 283 62 100.

Quelle: RP
 
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