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Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten
Hoher Besuch in Duisburg

Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten: Hoher Besuch in Duisburg
Albrecht Dürer malte Kaiser Maximilian I. (1459 bis 1519). Dabei kaschierte er auch nicht dessen ungewöhnlich große Nase. FOTO: Biller antik
Duisburg. Auf der Reise nach Brabant im Jahr 1508 machte Kaiser Maximilian I. mit seinem Gefolge eine dreitägige Station in Duisburg. Bäcker, Metzger und Küchenmeister arbeiteten Tage vor dem Eintreffen des populären Herrschers mit Hochdruck. Von Harald Küst

Es ist das Jahr 1508. Kaiser Maximilian I. wollte über Duisburg nach Brabant reisen. Die Ankündigung löste hektische Betriebsamkeit im mittelalterlichen Duisburg aus. Tage vorher ergriff die Duisburger Handwerker eine rege Geschäftigkeit: Bäcker, Metzger und Küchenmeister arbeiteten mit Hochdruck; schließlich musste das Gefolge des Kaisers angemessen untergebracht und verköstigt werden.

Für den dreitägigen Aufenthalt wurden gewaltige Mengen Fleisch, Brot, Wein und Bier benötigt - alles Dinge, die zu jener Zeit auch in Duisburg nicht gerade im Überfluss vorhanden waren. Nicht umsonst machte der Ratschlag die Runde, zwei Dinge unter allen Umständen zu vermeiden: Kriege zu führen und einem Kaiser als Gast aufzunehmen. Beides könne eine Stadt ruinieren.

Jetzt hieß es allerdings, den Blick nach vorne zu richten: Bürger, Adel und Geistlichkeit legten sich schwer ins Zeug, um den machtvollen Herrscher mit größtmöglichen Ehren zu empfangen. Maximilian war damals sozusagen der Showstar der internationalen Politik, heutzutage vergleichbar mit dem neu gewählten Obama. Mit ihm begann der Aufstieg der Habsburger zur Weltmacht. Ein begnadeter Selbstdarsteller als "letzter Ritter" , ein begeisterter Jäger und Literat.

Bewaffnete Reiter, stolze Damen und stattliche Ratsherren paradierten unter flatternden Bannern durch die Stadt. Das Klappern der Pferdehufe mischte sich mit den Klängen von Pfeifen und Trommeln. Ziel: Der Burgplatz vor dem Rathaus, wo der Kaiser sie inmitten seines Hofstaates erwartete. Voller Bewunderung, so die Erzählungen, seien viele der zahlreichen Schaulustigen gewesen, als sie den legendären Habsburger, den Bewahrer des Rittertums, kurz aus der Nähe sahen. Ein kampferprobter Draufgänger und Turnierkämpfer mit erstaunlich großer Nase ritt da an den Honoratioren vorbei, begleitet von bewaffneten Reitern und einer stattlichen Hofschar.

Nach dem Empfang am frühen Vormittag mit Vertretern von Politik und Geistlichkeit ging es wenige Meter weiter in Richtung Flachsmarkt/Niederstraße. Dort befand sich ein größerer Gebäudekomplex mit acht Häusern: Der Hof der Abtei Hamborn. Der umfangreiche Besitz bot genügend Raum, um Kaiser und Hofstaat zu beherbergen. Johann Stael von Holstein (1487-1517), der damalige Abt, bewohnte das Haus in der Regel nicht. Es diente vielmehr als Herberge und Treffpunkt für geistliche Würdenträger und städtische Honoratioren.

Der Kaiser blieb drei Tage und ritt dann nach Walsum, von wo er mit dem Schiff nach Xanten und weiter nach Brabant fuhr. In diesen Ländern ließ er sich auf neue huldigen. "Die Stadt Duisburg schenkte dem Kaiser ein halbes Fuder Wein im Wert von 18 Goldgulden, zehn fette Hammel und zehn Malter Hafer.

Der Kaiser wiederum schenkte seinem Gastgeber, dem Abt vom Hamborn, ein ganzes Fuder Wein, so der Bericht des Chronisten Wassenberch. Ein Fuder Wein waren etwa 550 Liter, da es noch keine einheitlichen Maßeinheiten gab, können es auch 820 Liter gewesen sein. Sei es wie es sei, im Mittelalter galt Wein gesünder als Wasser.

Das sehen einige Zeitgenossen bis heute so. Vielleicht sollte der nächste Mittelaltermarkt in Duisburg diese schöne Tradition wieder aufleben lassen. Ein Quart Wein "Kaiser Maximilian" würde beim nächsten Weinfest sicherlich den Umsatz steigern...

Info: 1 Fuder (Wein) = 6 Ohm = 80 Quart = 80 x 1,14 bzw. 1,71 Liter; dies entspricht etwa 550 Liter und max. 820 Liter. 50 Pfund Hafer = 1 Scheffel; d.h. zehn Scheffel Hafer entsprechen 500 Pfund oder 250 Kilogramm.

Quelle: RP
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