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Duisburg
Hundetraining für Postzusteller

Duisburg: Hundetraining für Postzusteller
Michael und Monika Pfaff haben ihre Hunde mitgebracht, um den Zustellern in verschiedenen Situationen zu zeigen, wie sie sich verhalten sollen. FOTO: Andreas Probst
Duisburg. Dass Hunde auf Briefträger losgehen, ist kein Mythos. Regelmäßig haben die Zusteller mit aggressivem Hunde-Verhalten zu kämpfen, oft werden sie gebissen. Wie sie richtig mit Hunden umgehen, haben sie jetzt in einem Workshop gelernt. Von Carolin Skiba

Mit voller Wucht beißt Murphy in das Kissen, knurrt, sabbert und reißt den Kopf hin und her. Wer nicht weiß, dass es sich hier um eine Übung handelt, könnte es mit der Angst zu tun bekommen. So wie tausende Postzusteller in Deutschland, die Tag für Tag auf Hunde wie Murphy treffen. Nur, dass es sich dabei nicht um eine Übung, sondern oftmals um bitteren Ernst handelt. Denn nicht selten beißen die Vierbeiner zu. Aus diesem Grund sind zwölf Zusteller aus der Umgebung im Duisburger Briefzentrum in Asterlagen zusammengekommen, um sich von den beiden Hundetrainern Monika und Michael Pfaff und ihren mitgebrachten Tieren den richtigen Umgang im Job-Alltag beibringen zu lassen.

"Wenn der Hund ankommt, dann am besten zur Seite drehen, das nimmt die Projektionsfläche und zeigt, dass man kein Interesse hat", erklärt Michael Pfaff. Wem es gelingt, der solle seine Jacke, seine Cap oder einen anderen Gegenstand vor den Körper halten, in den der Angreifer im Ernstfall beißen kann.

Doch warum beißen Hunde eigentlich so gerne Briefträger? "Das ist eine Territorialaggression. 99 Prozent der Tiere haben einen Konflikt in dem Moment, der mit Aggression bewältigt wird. Der Zusteller betritt einen Bereich, den es zu schützen gilt", erklärt der Experte. Da Postboten immer nur für einen kurzen Moment vor Ort sind und gleich darauf wieder verschwinden, werten die Tiere es als Erfolgserlebnis, wenn sie dem Zusteller gegenüber aggressiv sind. So könnten sie ihr Territorium verteidigen. "Wir haben Zusteller, die kaufen tonnenweise Leckerlis, um die Hunde zu beruhigen, das kann aber nicht die Lösung sein", sagt Pfaff. Generell könne ein Postbote nichts an dem Verhalten des Tieres ändern. "Das allein kann nur der Besitzer, indem er seinen Hund richtig erzieht", sagt Pfaff. Der Zusteller kann nur lernen, sich in der Gefahrensituation sinnvoll zu verhalten und mit seiner Körpersprache nicht noch dazu beizutragen, dass das Tier sich bestätigt fühlt.

Britta Töllner, Pressesprecherin der Post, erklärt: "Wenn es gar nicht geht, gibt es Qualitätsmanager, die sich darum kümmern und mit den Haltern reden. Im schlimmsten Fall können Kunden auch von der Zustellung ausgeschlossen werden." Mit dem Seminar sollen der Postmitarbeitern Ängste genommen werden. Pfaff: "Eigentlich sind es jährlich nur um die 2000 Bisse in der ganzen Bundesrepublik. Nicht unbedingt viele, aber so etwas spricht sich rum." So entstehe ein regelrechter Mythos. "Das Seminar ist dazu da, dass die Kollegen frei auf die Hunde zugehen können und diese Angst nicht ausstrahlen. Denn das spüren Tiere", sagt Pfaff.

Damit die Zusteller nicht ganz ungewiss in eine Tour starten, die sie beispielsweise von einem Kollegen übernommen haben, gibt es sogenannte Hundewarnkarten. Denn zahlreiche Vierbeiner gibt es auf jeder Strecke. "Ich habe auf meiner Tour fast 1000 Haushalte, über die Hälfte davon hat Hunde", sagt Michael Heidtmann, der selbst schon drei Mal gebissen wurde. Auf den Warnkarten steht, worauf der Kollege achten muss. Heidtmann: "Zum Beispiel, dass man nicht über den Zaun fassen sollte oder dass man die Post gleich beim Nachbarn abgeben kann."

Nachdem die Zusteller mit den gut erzogenen Hunden der Profis Situationen ausprobieren und auch Ängste abbauen konnten, haben sie im Anschluss die Möglichkeit, ihre Erfahrungen mit den Trainern zu besprechen. So können sie noch einmal zusammenfassen, wie sie brenzlige Situationen entschärfen können. Pfaff: "Eine entspannte Körperhaltung, Abwenden des Blickes und Schräghalten des Kopfes und ein klares ,Nein' gehört dazu."

Die Postmitarbeiter sind froh, dass sie an diesem Seminar teilnehmen durften. "Jeder Zusteller sollte die Schulung zu Beginn seiner Karriere besuchen. Vorbeugend, um zu wissen, was man tun muss", sagt Petra Mews, die bereits seit 1992 für die Post arbeitet. Auch ihre Kollegen sind dankbar für das Seminar. Am meisten wäre ihnen allerdings geholfen, wenn die Besitzer ihre Hunde gut erziehen würden. Das allerdings sei in 80 Prozent der Fälle nicht so, sind sich die Zusteller einig und sagen: "Wenn einer gebissen hat, heißt es immer, normalerweise macht der so etwas nicht." Oder noch besser: "Der will doch nur spielen."

Quelle: RP
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