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Serie Kunst Im Öffentlichen Raum
"Ich wollte das Chaos darstellen"

Serie Kunst Im Öffentlichen Raum: "Ich wollte das Chaos darstellen"
Die 21 fallenden, stürzenden und übereinander liegenden Stahlstäbe sollen die Opfer des Unglücks symbolisieren. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Gerhard Losemann symbolisiert mit seinem Denkmal die Grausamkeit und Ausweglosigkeit der Loveparade-Katastrophe. Von Lara Duyster

Der 24. Juli 2010 war einer der düstersten Tage in der Nachkriegsgeschichte der Stadt Duisburg. Bei der Loveparade auf dem Güterbahnhofsgelände kam es zu einer Massenpanik mit 21 Toten und Hunderten Verletzten. Duisburgs damaliger Oberbürgermeister Adolf Sauerland verlor über diese Katastrophe sein Amt, und monatelang spaltete die Diskussion die Stadt, wer für dieses schlimme Unglück die Verantwortung übernehmen muss. Das ist bis heute nicht klar. Geht es nach dem Duisburger Landgericht, wird es bekanntlich auch kein Gerichtsverfahren gegen Beschuldigte der Stadt und des Veranstalters geben. Eindeutiger war von Anfang an die Forderung vieler Bürger nach einem Mahnmal, das dauerhaft an diesen Schreckenstag erinnert.

Für den Ort im Tunnel der Karl-Lehr-Straße, dort, wo die Katastrophe ihren Lauf nahm, hat der Duisburger Künstler Gerhard Losemann eine nachdenklich stimmende Skulptur geschaffen. Die zehn Tonnen schwere Stahlinstallation wurde 2011, einen Monat vor dem ersten Jahrestag des Unglücks, aufgestellt. Die tödliche Enge, die 21 Menschen das Leben kostete, stellt Losemann anhand von 21 Stahlstäben dar. Sie symbolisieren auf abstrakte Art das Aufsteigen, Klettern, Stürzen und Übereinanderliegen der Opfer. "Die chaotische Situation an der Treppe ging mir nicht mehr aus dem Kopf", sagt Losemann. Der Betrachter soll mit dieser Verbildlichung die Möglichkeit haben, sich in die Grausamkeit und Ausweglosigkeit der Situation hineinzuversetzen. Die 21 fallenden, stürzenden und übereinander liegenden Stahlstäbe zeigen zudem, "dass die Welt, in der wir leben, zerbrechlich ist. Stabilität ist eine Illusion, auch das Harte zerbricht", so Alt-Oberbürgermeister Josef Krings in seiner Rede am ersten Gedenktag der Tragödie. Auf der Rückseite des Mahnmals stehen das Datum der Loveparade und die 21 Namen der Opfer auf einer Plexiglasscheibe. Der Duisburger Künstler empfand eine figürliche Darstellung "zu nah am Geschehen" und versuchte durch die Abstraktion, die Angehörigen in ihrer Trauer nicht durch Unangemessenes zu verletzen.

Die Bürgerinitiative "Spendentrauermarsch" brachte 26.000 Euro für das Denkmal zusammen, Thyssen-Krupp stellte den Stahl und die Arbeitsleistung seiner Auszubildenden zur Verfügung stellte. Und auch andere halfen mit Spenden, dass dieses Mahnmal seinen Platz an der Rampe im Tunnel bekam. Sechs Jahre nach dem Unglück ist die Schuldfrage immer noch nicht geklärt. Das Landgericht Duisburg übte die Eröffnung eines Verfahrens gegen elf Beschuldigte ab wegen eines unverwertbaren Gutachtens ab. Vor wenigen Tagen schaltete sich die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf ein. Kein Ende in Sicht...

Quelle: RP
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