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Duisburg
Idee: Mercators Haus nachbauen

Duisburg. Vor wenigen Monaten wurden bei Ausgrabungen gegenüber dem Rathaus die Fundamente des Wohnhauses des berühmten Kartographen gefunden. Kai Gottlob findet mit seiner Idee des Wiederaufbaus viel Anklang. Von Peter Klucken

Die Idee klingt kühn, scheint aber nicht unrealistisch zu sein. Kai Gottlob, Geschäftsführer des Filmforums und Regisseur vorzüglicher Dokumentarfilme zur Duisburger Stadtgeschichte, hatte sie, als er von den Ausgrabungen am so genannten Mercatorquartier auf dem Gelände des ehemaligen kaufmännischen Berufskollegs gegenüber dem Duisburger Rathaus erfuhr: Es wäre großartig, wenn man die Funde nicht nur einfach registriert, archäologisch und museal auswertet, sondern wenn man das Duisburger Wohnhaus von Gerhard Mercator (1512 bis 1594) rekonstruiert und mit Leben erfüllt!

In den vergangenen Wochen stellte Gottlob seine Idee verschiedenen Institutionen und Duisburger Persönlichkeiten vor. Und von allen Seiten erfuhr Gottlob viel Zustimmung: Bürgerstiftung, Lions, ProDuisburg, die Mercator-Gesellschaft und auch Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link finden die Idee vom Wiederaufbau des Hauses, in dem Gerhard Mercator seine wichtigsten Karten entwarf und die Vermessung der Welt auf eine neue Qualitätsstufe stellte, faszinierend.

Mittlerweile hat sich Gottlob intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und viel recherchiert. Da gibt es zum einen den Corputius-Stadtplan von 1564, auf dem das Mercator-Haus klar zu erkennen ist. Gottlob hat den dreidimensionalen Plan mit Hilfe eines Computers in eine Zeichnung übertragen, die Mercators Haus und die Nachbarhäuser zeigt. Johannes Corputius, der von 1562 bis 1566 in Duisburg wohnte, war übrigens Gast bei Gerhard Mercator, der von 1552 bis zu seinem Tod in Duisburg lebte. Doch es gibt noch mehr Dokumente.

Bis etwa 1925 diente Mercators Wohnhaus als städtisches Verwaltungsgebäude. Es wurde vor rund 100 Jahren fotografiert. Bekanntlich war die wirtschaftliche Not in den 20er Jahren groß, das Mercatorhaus wurde nicht gepflegt und verfiel. Immerhin wurden in den 20er Jahren noch die Maße von Fachleuten aufgezeichnet. Diese Aufmaßzeichnungen könnten heute bei der Rekonstruktion des Hauses genutzt werden.

Nicht zuletzt wurden bei den jüngsten Ausgrabungen die nahezu unversehrten Fundamente des Mercatorhauses freigelegt. "Wir können heute auf dem Fußboden stehen, auf dem einst auch Gerhard Mercator gestanden hat", so Kai Gottlob. So etwas dürfe man nicht einfach zuschütten. So sehen es auch diejenigen, die von Kai Gottlobs Idee begeistert sind.

Das gewachsene Geschichtsbewusstsein der vergangenen Jahre und das Mercator-Jahr zum 500. Geburtstag des großen Kartographen schaffen offenbar ein gutes Klima für das Projekt. Konkret stellt sich Gottlob vor, dass im Erdgeschoss des rekonstruierten Mercator-Hauses eine didaktische Ausstellung untergebracht wird, in der Mercators Lebensleistung, auf attraktive Weise anschaulich gemacht wird – möglicherweise in Ergänzung zur Mercator-Schatzkammer im nahegelegenen Kultur- und Stadthistorischen Museum.

Am richtigen Ort könnten die Besucher erfahren, dass der Vater der modernen Navigationssysteme in Duisburg gelebt hat. Im Obergeschoss des Mercator-Hauses könnten zum Beispiel die Stadtarchäologen ihr Büro einrichten. Im rekonstruierten Häuser-Ensemble könnte dort, wo zu Mercators Zeiten der Bürgermeister wohnte, ein Restaurant eingerichtet werden. Der Hof böte Platz für einen Biergarten. Insgesamt sollte das rekonstruierte Mercator-Haus Herzstück des geplanten neuen Mercatorquartiers bilden, für das eine Mischnutzung vorgesehen ist (Wohnungen und Büros). "Wir sind noch im Ideenstadium", sagt Gottlob. Jetzt müsse die Prüfphase folgen.

Irgendwann werde man wissen, ob Investoren, Stiftungen oder Entscheidungsträger in Bund, Land und Stadt bereit sind, aus der Idee Wirklichkeit werden zu lassen.

Quelle: RP
 
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