| 00.00 Uhr

Duisburg
Im Lehmbruck-Museum bezweifelt man Fälschung

Duisburg. In der aktuellen Ausgabe der "Zeit" wird die Echtheit von zwei Werken aus der Museumssammlung angezweifelt.

In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" wird der Verdacht geäußert, dass ein hochkarätiges Werk aus der Sammlung des Lehmbruck-Museums eine Fälschung sein könnte (die RP brachte gestern eine Vorabmeldung). Auf Bitten der Redaktion nahm gestern Abend das Museum zu diesem Verdacht Stellung. Darin wird dem Artikel widersprochen. Im Lehmbruck-Museum geht man nach wie vor davon aus, dass die beiden Werke echt sind. Im einzelnen wird zu dem in der Zeit geäußerten Verdacht folgendes ausgeführt:

In seinem "Zeit"-Artikel schreibt der Autor Tobias Timm, dass es auch für zwei im Besitz des Lehmbruck Museums befindliche Werke, "Konterrelief" (um 1916) von Vladimir Davidovic Baranov-Rossiné (1888-1942) und "Relief" (1920-21) von Vladimir Lebedev (1891-1967), "Hinweise gibt, dass es sich um Fälschungen handelt." Zu diesen Hinweisen zähle laut Timm, dass in den beiden genannten Werken Titanweiß in Rutilform und ein Bindemittel nachgewiesen werden konnten, die erst in den 1940er Jahren zur Verfügung standen.

Eine im Jahr 2016 vom Lehmbruck Museum beauftragte Materialanalyse hat diesen Befund ergeben. Für alle übrigen Bestandteile der Werke hat die Materialanalyse jedoch keine verdächtigen Bestandteile aufgelistet. Angesichts der Lebensdaten der beiden betreffenden Künstler, die in die 1940er Jahre hinein bzw. darüber hinaus reichen, lässt sich somit ein konkreter Fälschungsvorwurf nicht erhärten. Auch eine Restaurierung der weißen Bestandteile seit den 1940er Jahren ist für die beiden Werke nicht auszuschließen. Für beide Werke ist demnach eine Fälschung nicht zweifelsfrei nachzuweisen. Es fehlen aktuell stichhaltige Beweise dafür, dass es sich bei den beiden Duisburger Reliefs tatsächlich um Fälschungen handelt. "Vermutungen und Hinweise auf angebliche Fälschungen alleine reichen nicht aus, um Kunstwerke aus Sammlungspräsentationen zu entfernen", so Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla. Das "Konterrelief" von Baranov-Rossiné ist zurzeit wegen Restaurierungsbedarf nicht ausgestellt. Da sich der Fälschungsverdacht nicht durch konkrete Indizien untermauern lässt, ist Lebedevs "Relief" ausgestellt. Auf der Beschilderung ist, anders als in dem ZEIT-Artikel vermerkt, seit den vorliegenden Ergebnissen der naturwissenschaftlichen Materialanalyse die folgende Datierung zu lesen: "1920 - 1921 / überarbeitet nach 1940". Die Recherchen zur Provenienz der beiden Gemälde aus der Sammlung Benedict, zu dem Herr Timm in seinem Artikel selbst schreibt: "Benedict hat wirklich gelebt, das ist für jeden potenziellen Abnehmer der Fälschungen schnell nachprüfbar", werden im Museum weitergeführt. Dass das existente Dokument, welches den Sammlungsbestand von Benedict auflistet, "die Werke nur sehr vage mit dem Nachnamen der Künstler und ungenauen deutschen Titel versehen, meist ohne Angabe der Maße oder des Mediums" verzeichnet, ist ebenfalls kein zwingendes Indiz für eine Fälschung - weder der Liste selbst, noch der betreffenden Werke, heißt es in der Erklärung des Lehmbruck-Museums.

(pk)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Duisburg: Im Lehmbruck-Museum bezweifelt man Fälschung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.