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Duisburg
Im Notfall gibt es nur schwer Pflege-Hilfe

Duisburg. Wer Angehörige pflegt und dann selbst so krank wird, dass er in die Klinik muss, steht vor einem Problem. Denn die ganz schnelle Hilfe scheint es nicht zu geben. Von Carolin Skiba

Man stelle sich folgende Situation vor: Eine berufstätige, allein lebende Frau kümmert sich um ihre hilfebedürftige Mutter. Plötzlich muss die Frau unerwartet und sofort selbst ins Krankenhaus und dort ein paar Tage bleiben. Wer kümmert sich in so einem Fall um die Mutter, wenn es keine Verwandten oder Freunde gibt? Wie schnell ist es möglich, einen Pflegeplatz zu organisieren, wo die Mutter im Notfall untergebracht werden kann?

Kurzzeitpflege ist das Stichwort, das in so einem Fall Abhilfe schaffen könnte. Denn wenn Angehörige krank werden oder Urlaub machen wollen, können Pflegebedürftige im Zuge der Kurzzeitpflege vorübergehend in einem geeigneten Heim untergebracht werden. Über einen zuvor festgelegten Zeitraum übernimmt die Einrichtung dann die Versorgung und Betreuung. Die Pflegekasse würde entstehende Kosten sogar bezuschussen. Nach Aussage der Kasse stehen Patienten mit Pflegestufe 1612 Euro für maximal 58 Tage zu. Das Problem ist nur: Es muss erst mal ein freier Platz zur Unterbringung gefunden werden.

Auf der Internetseite der Stadt Duisburg gelangt man unter dem Punkt "Rathaus, Politik, Bürger Service" zu dem Unterpunkt "Kurzzeitpflege". Der Bürger bekommt dort eine ausführliche Erklärung, wie die Bezahlung im Fall der Fälle geregelt ist, welchen Teil die Kasse übernimmt und in welchem Maße sich die Stadt beteiligt. Außerdem gibt es einen Link, über den man zu einer Auflistung von Pflegeheimen in Duisburg gelangt. Zu jeder dieser Einrichtungen ist angegeben, wie viele Kurzzeitpflegeplätze vorhanden sind.

Um zu testen, wie schnell eine Unterbringung im Notfall wirklich klappt, haben wir angerufen und den angenommenen Notfall geschildert. Um irgendwo anzufangen, haben wir zunächst ein Heim gewählt, das sich in der Nähe der Redaktion befindet. Dort hieß es nach Schilderung des Problems, dass derzeit alle Plätze belegt seien. Man solle in zwei Wochen noch mal sein Glück probieren. Laut Liste hat dieses Heim nur zwei Kurzzeitpflegeplätze zu bieten.

Vielleicht hätte man bei einer Einrichtung mit mehr Plätzen auch mehr Glück. Also suchten wir ein Heim aus mit 24 Kurzzeitpflegeplätzen. Doch auch dort entschuldigte man sich. In ein paar Wochen sei vielleicht wieder ein Platz frei. Auch die nächste Anfrage bei einer Einrichtung mit 15 Plätzen brachte das gleiche Ergebnis. Erst in einigen Wochen habe man eventuell wieder etwas frei.

Fährt man in den Urlaub, ist die benötigte Ersatzpflege planbar. In Notsituationen aber, sind einige Wochen, ja sogar bereits einige Tage, zu viel.

Der Gesprächspartner eines Heims riet uns, in der Zeit des Wartens schon mal die organisatorischen Dinge zu erledigen. Denn ein Pflegeplatz müsse erst genehmigt werden. Ein zweiseitiger Fragebogen wird dazu ausgefüllt, der anschließend vom Hausarzt unterschrieben werden muss. Alle Unterlagen werden im Anschluss bei der Pflegekasse eingereicht.

Bei einem Telefonat mit der Pflegekasse hat sich dann folgendes ergeben: Bei Bedarf muss zunächst ein Antrag bei der Kasse gestellt werden, was in der Regel auch telefonisch machbar ist und somit Zeit spart. Besteht bereits eine Pflegestufe, dauert es aber rund zwei Wochen, bis die Kurzzeitpflege bewilligt ist. Gibt es noch keine Pflegestufe, kommt ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) und prüft, ob eine Pflegestufe vorliegt. Das kann bis zu fünf Wochen dauern.

Abgesehen von den Unterbringungsproblemen würde die Bewilligung eines solchen Platzes für unseren Notfall viel zu lange dauern. Was bei uns nur ein Beispiel ist, kann in zahlreichen Haushalten jeden Tag zum Ernstfall werden. Die Frage, was man in so einem Fall denn nun machen kann, bleibt aber bis zuletzt unbeantwortet.

Quelle: RP
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