| 16.03 Uhr

Duisburg
Im Räderwerk der Nazis

Duisburg. Der Zug der Erinnerung, der an die Deportation Hunderttausender Kinder im "Dritten Reich" gemahnt, macht bis Donnerstagabend Station im Duisburger Hauptbahnhof. Das Gleis 2 war gestern überfüllt. Von Peter Klucken

Pünktlich, wie es sich gehört, traf gestern der Zug der Erinnerung am Duisburger Hauptbahnhof ein. Nach einem kurzen Rangiermanöver wurden die historische Dampflok und die Ausstellungswaggons auf Gleis 2 abgestellt. Ab 10.30 Uhr besichtigten Schulklassen die fahrbare Ausstellung, die an die Deportation Hunderttausender Kinder durch die Nazis gemahnt.

Hans-Helmut Schlicht, der übrigens vor 30 Jahren in Rheinhausen sein Abitur machte, führte die ersten Schulklassen in die Dokumentationsschau ein. Seit dem 8. November, als der Zug der Erinnerung seine Fahrt durch Europa begann, tut er das. Die Erfahrung, die er gestern in Duisburg machte, war die gleiche wie an den meisten anderen Stationen: Nach wenigen Minuten kamen die Jugendlichen zur Ruhe, unterließen weitgehend pubertätsbedingte Zappeleien und hörten aufmerksam, bisweilen auch erschüttert zu. Hans-Helmut Schlicht skizzierte die entsetzlichen Deportationen, nannte die Zahl der von den Nazis getöteten Kinder und Jugendlichen (schätzungsweise eine Million) und machte dabei den Schülern unmissverständlich klar, dass ihre Altersgenossen von damals, eingepfercht in Viehwaggons, bis an die Rampen der Vernichtungslager transportiert wurden.

Tränen in den Augen

Steffi und Svenja, Schülerinnen einer zehnten Gymnasialklasse, zeigten sich nach dieser Einführung und nach dem Besuch der Ausstellung tief bewegt: Dass die Nazi Millionen Juden umgebracht haben, hätten sie zwar schon vorher gewusst. Die Ausstellung sorge aber durch die Fotos und die Schilderung einiger Schicksale von Kindern dafür, dass dieses "Geschichtskapitel" nicht mehr so anonym wirke. Einige Jugendliche hatten Tränen in den Augen.

Die offizielle Eröffnung der Ausstellung fand am Nachmittag statt. Das Gleis 2 war mit Hunderten Menschen überfüllt. Alt-Oberbürgermeister Josef Krings war unter ihnen. Der DGB-Regionsvorsitzende Rainer Bischoff und Bürgermeisterin Doris Janicki sprachen die Grußworte, wobei Bischoff die Formulierung fand, dass diese Zug-Ausstellung das "Räderwerk der Nazis" zeige. Der Duisburger Historiker Dr. Ludger Heid packte mit seiner Rede alle Zuhörer, die jungen und alten, darunter auch einige Zeitzeugen. Er zeichnete das Leben eines Täters nach, nämlich das von Albert Ganzenmüller, eines "Technokraten des Todes", der als hoher Bahnfunktionär in der Nazizeit an der "arbeitsteiligen" Vernichtung der Menschen mitwirkte. Heid erinnerte aber auch an die Deportationsopfer, die im Jugendalter vom Duisburger Hauptbahnhof aus in die Todeslager transportiert wurden. 130 Namen kann man im Zug der Erinnerung nachlesen.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Duisburg: Im Räderwerk der Nazis


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.