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Duisburg
In Duisburg fehlen 300 Lehrer

Duisburg: In Duisburg fehlen 300 Lehrer
Lehrer stehen täglich vor großen Herausforderungen. So verlangt beispielsweise die Integration von Flüchtlingskindern in Regelklassen ihre ganze Aufmerksamkeit. Doch an vielen Schulen fehlen Pädagogen. FOTO: Julia Zuew
Duisburg. Wird an einer Düsseldorfer Schule eine Lehrerstelle frei, finden sich schnell Bewerber auf eine solche Stelle. In Duisburg ist das anders, hier fehlen die Bewerber, besonders für Grundschulen. Die GEW fordert Lenkungsmaßnahmen. Von Peter Klucken

Norbert Müller, Vorsitzender des Duisburger Stadtverbandes der Lehrergewerkschaft GEW, schlägt Alarm: Der Lehrernachwuchs mache um Duisburg einen großen Bogen. Während es beispielsweise in Düsseldorf kaum Probleme gibt, für eine freie Lehrerstelle Bewerber zu finden, so blieben solche Bewerber in Duisburg aus. Besonders groß sei der Lehrernotstand bei den Duisburger Grundschulen.

Dabei sei der Bedarf an neuen Lehrern sehr groß: Der Wunsch nach gemeinsamem Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Schülern (Stichwort: Inklusion) und die gestiegene Zahl der Flüchtlinge und die damit verbundene schulische Sprachförderung forderten eigentlich viele zusätzliche Lehrerstellen. Insgesamt fehlten an Duisburger Schulen im kommenden Schuljahr rund 300 Lehrerbewerber, wie Norbert Müller und Rüdiger Wüllner, Lehrer an einer Förderschule und Personalratssprecher bei den Grund- und Förderschulen, gestern bei einem Pressegespräch sagten. 200 von den 300 fehlenden Bewerbern betreffen den Grundschulbereich. Die Lage werde dadurch verschärft, dass in den 75 Duisburger Grundschulen fünf Rektorenstellen und 15 Konrektorenstellen nicht besetzt seien.

Was tun? In anderen Städten versuche man, so Müller, die Lehrer für sich zu gewinnen. In Duisburg führe man statt dessen Parkgebühren für Lehrer ein (360 Euro im Jahr). Außerdem würden junge Lehrer natürlich lieber an Schulen unterrichten, die gut ausgestattet sind. In Duisburg sind viele Schulgebäude in einem schlechten Zustand. Nicht zuletzt sei die Bewerberzahl in Duisburg auch deshalb gering, weil auf dem Duisburger Uni-Campus keine Lehramtsstudiengänge mehr angeboten werden. Und die Lehramtsstudiengänge auf dem Essener Uni-Campus seien ziemlich beschränkt. Wie ein Tabubruch wirkt die Forderung des Duisburger GEW-Stadtverbandes, die freie Schulwahl in Frage zu stellen. Bislang konnten sich Lehrer direkt an der Schule bewerben. Die Idee sei gewesen, so Müller, dass der freie Markt Angebot und Nachfrage reguliert. In Duisburg mache man dagegen die Erfahrung, dass der freie Markt zu einem eklatanten Lehrermangel führt. Der GEW-Stadtverband fordert deshalb, dass die Bezirksregierung oder das Land wie in früheren Zeiten wieder Steuerungsmaßnahmen einführt. Junge Lehrer müssten sich gegebenenfalls damit abfinden, dass sie nicht an ihrer Wunschschule und am Wunschort unterrichten können. Das höre sich schlimmer an, als es ist, meint Müller. Er selber habe in Köln studiert und wäre auch gerne in der Domstadt Lehrer geworden. Stattdessen bekam er seine Stelle an einer Duisburger Schule, was im Rückblick gesehen gar nicht schlecht gewesen sei. Müller ist im Februar pensioniert worden, leitet den GEW-Stadtverband aber noch vorerst weiter.

Quelle: RP
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