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Mann unterrichtete an Berufsschule
In Duisburg war Hassprediger beliebt

Mann unterrichtete an Berufsschule: In Duisburg war Hassprediger beliebt
In diversen Videos, zu sehen unter anderem über das Internet-Portal YouTube, verbreitet der islamistische Prediger Marcel K. seine Botschaften. Er ist Anhänger des Salafismus. FOTO: Screenshot Youtube
Duisburg. Ein halbes Jahr unterrichtete Marcel K. am Bertolt-Brecht-Berufskolleg das Fach Elektrotechnik. Sein islamistischer Hintergrund war an der Schule unbekannt. Tatsächlich gehört der 35-Jährige zu den führenden Salafisten im Land. Er war Mitbegründer des Islamischen Zentrums Münster. Von Jörg Isringhaus und Christian Schwerdtfeger

Walter Wagner, stellvertretender Leiter des Duisburger Bertolt-Brechts-Berufskollegs,   hat mitten in den Sommerferien durch einen Brief erfahren, dass sein Kollege Marcel K. nicht mehr an seiner Schule unterrichten darf.

Die zuständige Düsseldorfer Bezirksregierung hat dem Lehrer für Elektrotechnik fristlos gekündigt. "Ich verstehe den Grund für seine Entlassung bis heute nicht genau", sagt Wagner. "Ich kann nichts Negatives über K. sagen. Er war im Kollegium und bei den Schülern sehr beliebt. Ich weiß nichts von seiner Vorgeschichte." Er bedauere den ganzen Vorgang.

Für die Behörden ist Marcel K. aber alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Aufmerksam wurden die Ermittler auf den zum Islam konvertierten Deutschen, als sie den Nachlass von Ziad Jarrah auswerteten und K.s Telefonnummer fanden. Jarrah brachte als Pilot am 11. September 2001 die United-Maschine (U 93) nach einer Revolte der Passagiere über Pennsylvania zum Absturz.

Marcel K., dessen Spitzname "Hussein" lautet, soll Kontakte zu Jarrah unterhalten haben. Vor und nach seiner Ausbildung durch al-Qaida Ende 1999 soll sich Jarrah mit K. besprochen haben, ebenso an dem Tag, bevor der spätere Todespilot in die USA abreiste. Angesprochen auf diese Unterredungen habe K. laut "Spiegel" damals bei den Behörden zu Protokoll gegeben, dies seien flüchtige, unter Muslimen durchaus übliche Kontakte gewesen.

Allerdings gehörte K. schon damals in der Islamisten-Szene zu den bekannteren Persönlichkeiten. Der "Spiegel" zitiert ihn mit dem Satz, dass die "Taliban zu 95 Prozent gute Sachen machten". Er war stellvertretender Leiter des Islamischen Zentrums Münster, hat dieses sogar mitbegründet. Dies bestätigt die Polizei in Münster.

Gegen den damaligen Chef des Zentrums, den Ägypter Osama A., und K. ermittelte die Bundesanwaltschaft 2003 wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Angeblich soll die Gruppe einen Anschlag auf eine US-Einrichtung in Frankfurt "erwogen" haben. Beamte des Bundeskriminalamts durchsuchten damals die Räume des Islamischen Zentrums. Der Ägypter soll bereits in seiner Heimat der Terrorgruppe "Gamaa Islamiah" angehört haben.

Im Jahr 2004 wurde das Islamische Zentrum Münster geschlossen. "Seitdem ist Marcel K. bei uns nicht mehr in Erscheinung getreten", sagt ein Sprecher der Münsteraner Polizei. Aktiv ist K. aber trotzdem – im Internet. In diversen Videofilmen auf der Plattform YouTube verbreitet der 35-Jährige seine Botschaften.

Im Internet ist auch der islamistische Hassprediger Pierre Vogel aktiv. Wie K. ist er ein Konvertit und zählt zu den führenden Salafisten in Deutschland. Beide Männer sollen in engem Kontakt zueinander stehen. K. war einer der führenden Köpfe des Vereins "Einladung zum Paradies" (EZP) in Mönchengladbach.

Der Verein hat sich zwar am 31. Juli 2011 aufgelöst – laut dem Verfassungsschutzbericht NRW ist das Personen-Netzwerk der radikalen Szene aber weiter aktiv. Durch die Prediger im Internet und auf Seminaren werde "die ganze Bandbreite salafistischer Ideologie vermittelt".

Die Zahl der Salafisten im Land ist laut Verfassungsschutz sprunghaft angestiegen. Der letzte Verfassungsschutzbericht war von 500 Salafisten in NRW ausgegangen. "Diese Zahl wird sich bis zum Jahresende wohl auf tausend verdoppelt haben", erklärte der Leiter des NRW-Verfassungsschutzes, Burkhard Freier, gestern im Innenausschuss des Düsseldorfer Landtags. Die meisten davon sind laut Verfassungsschutzbericht dem "politischen Salafismus" zuzuordnen, ohne direkte Bezüge zum Terrorismus.

Nur etwa fünf Prozent würden den "Jihad"-Gedanken in Form von Anschlägen gutheißen. Zuletzt verboten wurde der Verein "Millatu Ibrahim", weil er Muslime in Deutschland zum Kampf gegen die verfassungsmäßige Ordnung aufgerufen habe. "Millatu Ibrahim" war vor allem in Solingen aktiv – dort war es am 1. Mai und in Bonn am 5. Mai zu schweren Ausschreitungen gekommen.

Geht es nach den Schülern des Bertolt-Brecht-Berufskollegs in Duisburg, soll Marcel K. als Lehrer wieder zurückkehren. K. sei beliebt gewesen, habe sich um die Schüler gekümmert, war gestern die einhellige Meinung. Den Versuch, seine Klassen mit radikalen Thesen zu indoktrinieren, habe K. nie unternommen. Auffällig sei höchstens sein etwas längerer Bart gewesen. Nach Informationen unserer Zeitung will K. gegen seine Kündigung klagen.

(RP/ila/das/csi)
 
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