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Wolfgang Braun
In Duisburg werden Impulse gesetzt

Duisburg. Die Bundesversammlung der Vereinigung "Gegen Vergessen - Für Demokratie" findet erstmals in Duisburg statt. Das sei wohl auch ein Kompliment für die Arbeit, die die Duisburger Vereinsmitglieder leisten, sagt deren Sprecher Wolfgang Braun.

Am 21. November tagt in Duisburg die diesjährige Bundes-Mitgliederversammlung der Vereinigung "Gegen Vergessen - Für Demokratie" im Duisburger Rathaus. Abends wird dann der gleichnamige Preis "Gegen Vergessen - Für Demokratie" in der Salvatorkirche verliehen. Redakteur Peter Klucken sprach mit Wolfgang Braun, Sprecher der Duisburger Gruppe von "Gegen Vergessen - Für Demokratie".

Die Bundesversammlung einer so honorigen Vereinigung - bisherige Vorsitzende waren u.a. Hans-Jochen Vogel, Hans Koschnick oder Joachim Gauck, tagt demnächst in Duisburg? Weshalb hier, was sind die Hintergründe?

BRAUN: Mit dieser Entscheidung wird ein zentraler Wachstumspfad unserer Vereinigung weiterverfolgt. Die Bedeutung der ehrenamtlichen Arbeit in den Städten und Regionen soll bei der Wahl der Tagungsorte unterstrichen werden. Begonnen wurde dies im letzten Jahr mit einer ersten Versammlung in einer "normalen" Stadt in Leipzig, der Heimatstadt unseres damaligen Vorsitzenden, Wolfgang Tiefensee. 25 Jahre nach den Montagsdemonstrationen wurde an geschichtlich wirksam gewordenes Engagement erinnert.

Das Ehrenamt als Bezugspunkt ist verständlich. Nur wieso dann in Duisburg? Handelt es sich um eine Art von Anerkennung?

BRAUN: In aller Deutlichkeit: Es spielten auch eine Reihe weiterer Erwägungen eine erhebliche Rolle. Aber um ein Kompliment für die in den letzten 15 Jahren geleistete Arbeit handelt es sich wohl auch - zumindest wurde uns dies so mitgeteilt.

Wo sehen Sie das Besondere Ihrer Arbeit hier in Duisburg?

BRAUN: Wir haben schon sehr früh über die fünf Gedenktage, die wir in den Mittelpunkt unserer örtlichen Arbeit gestellt haben, den Namen unserer Vereinigung "Gegen Vergessen - Für Demokratie" mit einem Profil versehen, Vergangenheitsbezug und Zukunftsorientierung verbinden können. Freiheit als Verantwortung, wie der heutige Bundespräsident Joachim Gauck am 27. Januar 2004 in der Salvatorkirche die gemeinsame Haltung umriss.

Bitte nennen Sie einige Beispiele.

BRAUN: Überörtliche Aufmerksamkeit haben wir weniger mit unserer Veranstaltungsreihe zum 27. Januar gewonnen, wohl hingegen mit unseren breit gehaltenen europapolitischen Bemühungen wie der Reihe zum 9. Mai - aber auch mit der Gestaltung des 17. Juni als Gedenktag für die Arbeiter- und Freiheitsbewegungen in Osteuropa, besser Mittelosteuropa. Damit konnten wir Impulse für die interne Debatte setzen - und mit unseren Bemühungen zur Demokratievermittlung.

Meinen Sie das "Fest der Freiheit zum Verfassungstag"?

BRAUN: Auch. Das Fest zum Tag des Grundgesetzes haben wir seit 2007 organisiert, um Wege zu verdeutlichen, die in Deutschland sehr lückenhafte Staatsbürgerkultur, das heißt, immer auch eine mangelhafte Integrationskultur, zu verbessern. Gemeint sind aber auch die Initiativen zur Demokratiegeschichte, die immer noch bestehende Idee eines "Gottfried-Könzgen-Archivs zur Geschichte der Duisburger Demokratie". Auf diesem Hintergrund hatten wir die auch die Würdigungen von "Bedeutenden Duisburger Demokraten", zuerst vorgetragen auf dem Fest der Freiheit 2012 und 2013, dann noch einmal 2014. Und damit - vor allem nach deren Veröffentlichung in Ihrer Zeitung - wurden die Absichten sehr anschaulich und auch sehr wirksam.

Das hören wir gerne. Inwiefern wurde die Artikelserie in der RP innerhalb Ihrer Vereinigung wirksam?

BRAUN: Die kleinen Nachrufe waren wohl - so die uns vorliegenden Berichte - einer der wichtigeren Impulse zum Aufbau der Website http://www.demokratie-vor-ort.de, erstellt von unserer Vereinigung und dem Bündnis für Demokratie und Toleranz.

Wie geht es denn bis zur Versammlung im November weiter?

BRAUN: Wir werden, wenn das eine oder andere Hindernis noch ausgeräumt werden kann, noch zwei Veranstaltungen anbieten. Beide mussten - und damit sind wir bei den Grenzen der ehrenamtlichen Arbeit - aus zwingenden Gründen aus der ersten Jahreshälfte verschoben werden. Am 5. November wird Maria Nooke, Bürgerrechtlerin in der untergegangenen DDR, über ihre damaligen Erfahrungen berichten. Zuvor soll am 5. September 2015 im Dietrich-Bonhoeffer-Haus mal ein "Fest der Freiheit" für alle Helfer und Unterstützer stattfinden. Eine Danke-Schön-Party, die wir längst schon einmal durchführen wollten.

Und der Ausblick nach der Bundesversammlung?

Braun: Ende Januar, in der Woche des 27. Januar, werden Werke der Straßburger Künstlerin Francine Mayran in der Salvatorkirche zu besichtigen sein. Ihr Thema: "Die Shoa und ihr Schatten". Im Anschluss werden wir 2016 unsere "Aktion Duisburg plural" - damit auch die Vier Freiheiten des Franklin D. Roosevelt von 1941 - in den Mittelpunkt stellen. Im Rahmen des bekannten Veranstaltungsprogrammes.

Quelle: RP
 
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