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Duisburg
In einem VW-Bus voller "Nicht-Helden"

Duisburg. Frank Goosen las aus seinem Roman "Förster, mein Förster" im Atrium der Volksbank. Von Olaf Reifegerste

Zur fünften Veranstaltung der Saison 2016/2017 luden der Verein für Literatur und die Stadtbibliothek Duisburg am Dienstag an einen für Literaturliebhaber bisher unbekannten Ort: Das Atrium der Volksbank Rhein-Ruhr am Innenhafen war Schauplatz der Lesung des bekannten und beliebten Ruhrgebietsautors und -kabarettisten Frank Goosen. Und so kamen viele Besucher dorthin, und zwar so viele, dass die Veranstaltung im Stadtfenster der Bibliothek ohnehin nicht hätte stattfinden können. So freute sich der Vorsitzende des Vereins für Literatur und gleichzeitige Vorstandssprecher der Volksbank, Thomas Diederichs, dass dieser Ort zum ersten Mal eine derartige Nutzung erfahre. Nur gut allerdings, so Diederichs weiter, dass die Außentemperaturen derzeit noch verträglich seien, verfüge das Atrium nämlich nicht über eine Heizung.

Durchdacht ausgewählt sowie wunderbar flüssig und nuancenreich vortragend, las Frank Goosen Kapitel aus seinem intelligent und humorvoll geschriebenen Roman "Förster, mein Förster", der Anfang dieses Jahres im "Kiepenheuer & Witsch"-Verlag erschien - insgesamt nicht zu wenig.

Stellvertretend für seine sechs Hauptfiguren, die sich in einem VW-Bus auf dem Weg zur Ostsee aufmachen, las er jene sechs Kapitel, die die Charaktere seiner Figuren genau beschreiben: Da ist insbesondere die Titelfigur Förster, ein knapp 50-jähriger Schriftsteller mit Schreibblockade; dazu seine Freundin Monika, die sich fotografisch auf den Äußeren Hebriden aufhält, jener schön gelegenen Inselkette an der Westküste Schottlands. Ferner gehören der siebzigjährige Nachbar Dreffke, ein ehemaliger Polizist, und seine aus der Schulzeit stammenden Freunde Fränge, ein jetziger Szene-Gastronom, sowie der Lehrer Brocki dazu. Last but not least ist dann noch der wohlstandsverwahrloste sechszehnjährige Teenager Finn und vor allem Försters greise und demente Nachbarin Frau Strobel, eine ehemalige Saxophonistin. Diese hatte in den 1950er Jahren höchst erfolgreich in einer Damenkapelle zum Tanz aufgespielt. Ein Brief ist es schließlich - ein gebräuchliches Stilmittel in Literatur und Theater, um einen inhaltlichen Vorgang dramaturgisch weiterzubringen -, der sie alle zusammenführt. So macht sich die bunte Truppe höchst sympathischer "Nicht-Helden" in Fränges altem VW-Bulli gemeinsam auf den Weg an die Ostsee auf, um Frau Strobel auf ihrem Weg in die Vergangenheit zu begleiten, die noch einmal mit den Damen von einst auf der Bühne stehen möchte. Mit dem ersten Kapitel in Teil drei seines Romans ("Da musst du mir aber den Unterschied erklären"), der zugleich die erste Etappe der sechs auf dem Weg zur Ostsee markiert, endete die äußerst unterhaltsame, kurzweilige Lesung.

Frank Goosen, in diesem Mai selbst 50 geworden, ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Bochum, habe aber bis auf das Alter ansonsten nichts mit Förster gemein. Auch einen Bulli besitze er nicht. Einige seiner mittlerweile vielzähligen und erfolgreichen Romane wurden dramatisiert und als Stück auf dem Theater gespielt oder für das Kino verfilmt.

Heute übrigens ist bundesweiter Kinostart von seinem 2010 geschriebenen Roman "Radio Heimat", so auch in Duisburgs UCI Kinowelt ab 14.15 Uhr.

Quelle: RP
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