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Duisburg
In wenigen Tagen zurück nach Duisburg

Duisburg: In wenigen Tagen zurück nach Duisburg
Bivsi Rana (Mitte) mit ihrem Vater Bimh und ihrer Mutter Maya. Die Familie wird schon in wenigen Tagen wieder nach Duisburg zurückkehren. FOTO: Felix Banaszak
Duisburg. Sieben Wochen lang mussten Bivsi und ihre Familie nach der Abschiebung in Nepal warten. Nun steht fest: Sie dürfen zurück nach Duisburg. Das Mädchen kann es kaum erwarten, wie sie im Gespräch mit unserer Redaktion sagt. Von Verena Kensbock

In wenigen Tagen könnte Bivsi mit ihrer Familie in ein Flugzeug steigen, nach Deutschland fliegen und ihr altes Leben fortführen. "Ich freue mich mega darauf zurückzukommen, und ich kann es nicht mehr erwarten, meine Freunde zu sehen", sagt die 15-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. Als sie am Dienstag erfahren hat, dass ihre Familie nach Deutschland zurückkehren darf, sei sie vor Freude durch die Wohnung gehüpft.

Am Morgen des 29. Mai wurde Bivsi von Beamten der Ausländerbehörde von der Schule abgeholt. Gemeinsam mit ihren Eltern wurde die Gymnasiastin noch am selben Abend in ein Flugzeug gesetzt und nach Nepal abgeschoben. Seitdem sind mehr als zwei Monate vergangen, in denen Bivsi mit ihren Eltern bei einer Tante in Nepal gewohnt hat.

Die Duisburgerin freue sich auf ihr Zuhause, auf ihren Bruder und ihre Freunde. Doch sie lässt auch ihre Tante zurück. "Ich habe sie in Nepal zum ersten Mal gesehen und zuletzt bei ihr gelebt. Es wird ein schwerer Abschied." Noch weiß die Familie nicht, ob sie von Deutschland aus nach Nepal reisen darf, um die Verwandten zu besuchen.

"Wenn wir wieder zu Hause sind, müssen wir erstmal wieder in unseren Alltag reinkommen", sagt die Schülerin mit Blick auf die kommende Zeit. Das Leben in Nepal war ein anderes als in Deutschland. "Ich wusste nie richtig, was ich im Alltag anfangen soll. Wir haben viel gewartet. Zum Glück hatten wir ganz viel Hilfe von Freunden in Deutschland."

Aber wie wird das Leben der Familie aussehen, wenn sie nach Duisburg zurückkehrt? Felix Banaszak ist Sprecher der Duisburger Grünen und hat sich für die Familie eingesetzt. Er steht in ständigem Kontakt mit Bivsi und ihren Eltern - und organisiert ihre Rückreise. Wann die Familie wieder deutschen Boden betritt, stehe noch nicht fest, sagt Banaszak. Die Visaanträge lägen derzeit bei der deutschen Botschaft in Katmandu. Bis die Visa ausgestellt sind, könnten aber einige Tage vergehen.

"Es gibt nun keine politischen Hürden mehr für die Visa, aber die bürokratischen Mühlen mahlen langsam. In dieser Woche wird es wohl nichts mehr." Die Familie habe aber für kommenden Montag oder Dienstag einen Termin bei der Botschaft in Aussicht - und sollte dann auch die Visa bekommen. Einen Tag später könnten sie dann schon in Deutschland sein.

Wenn die Familie nach Duisburg zurückkehrt, könnte beinahe alles so sein wie vorher - zumindest für die nächsten drei Jahre. Mit einem "Schüleraustausch-Visum" wird Bivsi wieder ihre alte Schule, das Steinbart-Gymnasium, besuchen. Das bestätigte Stephan Kube, Schulpflegschaftsvorsitzender des Gymnasiums. Noch in den Ferien werde die 15-Jährige voraussichtlich ihre Kurse für die Oberstufe wählen und Ende August in der zehnten Klasse wieder einsteigen. "Das heißt, Bivsi kann weiterhin mit ihren Freunden zur Schule gehen", sagt Banaszak. Zu denen hat die Duisburgerin so gut wie möglich Kontakt gehalten. Bei ihrer Tante in Nepal habe es allerdings kein Internet gegeben, was den Kontakt zuletzt erschwerte.

Vor allem wegen der Schule plagt Bivsi das Gefühl, Zeit in Nepal verloren zu haben. "Ich habe viel Stoff nicht mitbekommen. Das muss ich nun alles in den Ferien nachholen." Ihre Schulfreunde wollen ihr dabei helfen. Klausuren nachschreiben müsse die 15-Jährige aber nicht, sagt Kube. Das Gymnasium hat ihr das Zeugnis für das abgeschlossene Schuljahr trotz der Fehlstunden anhand der bisherigen Leistungen ausgestellt - so wie es auch bei Schülern üblich ist, die für längere Zeit krank werden.

Auch in ihr früheres Zuhause können Bivsi und ihre Eltern wohl wieder einziehen. Die Wohnung in Duisburg sei noch so, wie die Familie sie im Mai verlassen hatte, berichtet Banaszak. Der Sohn der Familie, der über ein Studentenvisum in Deutschland lebt, werde die Wohnung vorbereiten. "Meinen Bruder will ich als erstes in den Arm nehmen, wenn ich nach Hause komme", sagt die 15-Jährige.

Da die dreimonatige Kündigungsfrist für die Wohnung noch nicht verstrichen ist, müssten die Mietzahlungen ausgeglichen werden. Das will Banaszak über das Spendenkonto decken, das für Bivsi eingerichtet wurde. Auch die Flüge sollen von den Spenden finanziert werden. Seinen alten Job könne Bivsis Vater allerdings nicht antreten. Er hatte bis zur Abschiebung als Koch in einem Sushi-Restaurant in Essen gearbeitet. Die Stelle musste das Restaurant in seiner Abwesenheit offenbar neu besetzen. Die Chefin habe ihm aber ein gutes Zeugnis ausgestellt, mit dem er sich neu bewerben will, wenn er nach Deutschland zurückkommt, bestätigt Banaszak.

Die nächste Hürde steht an, wenn Bivsi in drei Jahren ihr Abitur hat. "Dann könnte sie einen Folgeantrag für ihr Visum stellen, um zu studieren oder eine Ausbildung zu machen", erklärt Banaszak. Dann sei allerdings die Situation der Eltern nicht klar. "Wir hoffen, dass es bis dahin eine langfristige Aufenthaltsgenehmigung für die ganze Familie gibt."

Quelle: RP
 
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