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Duisburg
In zwei Jahren erst zehn Häuser geräumt

Duisburg: In zwei Jahren erst zehn Häuser geräumt
Zur Task Force gehört auch die Polizei, die in der Regel bei Räumungen immer dabei ist. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Eine Task Force überprüft seit 2014 sogenante "Problemimmobilien". Oft wird den Eigentümern die Möglichkeit eingeräumt, Mängel zu beseitigen, damit die Mieter dort wohnen bleiben können. Von Hildegard Chudobba

Die Task Force, die im Auftrag der Stadt "Problemimmobilien" inspiziert und zur Not räumen lässt, hat 2014 ihre Arbeit aufgenommen. Seitdem wurden zehn Häuser und vier einzelne Wohnungen als unbewohnbar deklariert. Die niedrige Zahl erklärt sich damit, dass den Eigentümern meist die Möglichkeit eingeräumt wird, festgestellte Mängel zu beseitigen, wovon mehrheitlich Gebrauch gemacht wird, so die Stadt. Sind allerdings Leib und Leben der Bewohner akut bedroht, gibt es diese Schonfrist nicht. Das war beispielsweise bei den zuletzt geräumten Wohnungen an der Hagedorn- bzw. Henriettenstraße in Marxloh der Fall. Sie waren schon vor einem Jahr inspiziert worden. Doch damals waren die Beanstandungen nicht so gravierend. Aktuell stehen fast 90 Häuser auf der Überprüfungsliste.

Beifall für die jüngste Räumung gibt es von der SPD und der CDU. "Die Stadt kann nicht tatenlos bleiben, wenn Gefahr im Verzug ist. Daher unterstützen wir diesen Weg und gehen davon aus, dass auch künftig solche Gebäude geräumt werden", so die Sozialdemokraten. CDU-Ratsfraktionschef Rainer Enzweiler sieht die Räumung als logische Konsequenz aus nicht hinnehmbaren baulichen und insbesondere brandschutztechnischen Mängeln. "Um Recht und Gesetz dann auch tatsächlich Geltung zu verschaffen, kann die Verwaltung kaum auf ein entschiedenes Durchgreifen verzichten." Nachdem vor zwei Jahren das Problemhaus an der Straße "In den Peschen" leergezogen worden war, zogen viele der damaligen Mieter - überwiegend aus Bulgarien und Rumänien - nach Marxloh. Hier seien inzwischen ganze Straßenzüge unbewohnbar, so Enzweiler, der im Stadtteil seine Anwaltskanzlei hat. "Es ist höchste Zeit, dass die Task-Force ihre Arbeit unbeirrt und gradlinig fortsetzt."

Ablehnend stehen hingegen Grüne und Linke den Räumungen gegenüber, werfen der Stadt vor, dass sie mit überzogener Härte die Bewohner aus den Häusern vertrieben habe. "Wer unangekündigt nachts Familien mit Kindern auf die Straße setzt und damit der Obdachlosigkeit ausliefert, handelt mit Sicherheit nicht in deren Interesse", so Felix Banaszak, Vorstandssprecher der Bündnis-Partei in Duisburg. Doch offenbar hat es einen derartigen nächtlichen Einsatz der Task Force gar nicht gegeben. Es gibt stattdessen Hinweise, dass private Räumkommandos im Stadtteil unterwegs sind und nachts "zuschlagen". Auftraggeber sollen Eigentümer sein, die so einer Räumung durch die Stadt -die für sie sehr teuer werden kann - vorgreifen wollen.

In der Task Force arbeiten viele Fachbereiche zusammen. Das Rechtsamt ist ebenso eingebunden wie das Bürger- und Ordnungsamt. Auch die Feuerwehr, das Zivilschutzamt, das Amt für Soziales und Wohnen, das Jugendamt, das Gesundheitsamt, das Amt für Stadtentwicklung und Projektmanagement, das Amt für Baurecht und Bauberatung, das Büro OB, die Polizei, die Stadtwerke, die Wirtschaftsbetriebe und ebenfalls die Zollbehörde sind eingebunden. Kontrolliert wird zum Beispiel, ob der hygienische Zustand eines Hauses akzeptabel ist, Briefkästen und Klingelschilder vorhanden sind, ob es Brandschutztüren gibt und die Verkabelungen im Haus sicher sind. Bei den geräumten Immobilien in Marxloh beispielsweise hatten die Bewohner Strom von Verteilerkästen auf der Straße "geklaut" und sich mit lebensgefährlichen Provisorien selbst ans Netz angeschlossen.

Quelle: RP
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