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Rp-Serie Kunst Im Öffentlichen Raum
Isolierte Harmonie in Meiderich

Duisburg. Duisburgs bekanntester Künstler, Wilhelm Lehmbruck, knüpft mit der Plastik "Mutter mit Kind" an italienische Vorbilder an. Eine Bronzefassung der Figur findet man in Meiderich. Von Lara Duyster

Die Blicke sind zärtlich, der Kopf schützend vorgeschoben und das Kind liebevoll in den Schoß gelegt. Wilhelm Lehmbrucks Bronzefigur "Mutter mit Kind" aus dem Jahre 1907 sticht auf dem Meidericher Bahnhofsvorplatz hervor. Die vollplastische Figur ist lediglich auf die Beziehung der Akteure reduziert. Nichts scheint von der Intimität und Harmonie abzulenken. Nicht einmal der allgegenwärtige Stadtlärm. Der Betrachter agiert nicht als Teil der Figur, sondern kann die enge Beziehung nachempfinden.

Als Lehmbruck diese Plastik erstellte, hatte er viele Kentnisse über die alten italienischen Meister erlangt und nahm sich ein Beispiel an der Kunst der Renaissance. Die Darstellung der Mutter-Kind-Beziehung ist typisiert. Die nicht individuelle Ausarbeitung verschafft dem Werk eine Anonymität, die sich verallgemeinern lässt. Das zwölf Kilogramm schwere Kunstwerk beeindruckt mit seiner glänzenden und makelos wirkenden Oberfläche, der klaren Abgrenzung zwischen Stofflichkeit und Körperlichkeit und der harmonischem Intimität der Figuren. 1989 wurde der Bronzeguss, der von der Kunstgießerei Schmänke gegossen wurde, auf dem jetzigen Standort in Meiderich enthüllt. Eine andere Fassung des Werks befindet sich im Lehmbruck-Museum.

Wilhelm Lehmbruck wurde 1881 in Duisburg-Meiderich geboren und absolvierte die Kunstgewerbeschule in Düsseldorf. Zwischen 1901 und 1906 studierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie und beteiligte sich ein Jahr später an der Ausstellung der Société Nationale des Beaux-Arts in Paris. In dieser Zeit entstand auch die Mutter-und-Kind-Figur. Die Darstellung der Mutter-Kind-Beziehung waren einer seiner liebsten Themen. 1910 siedelte er nach Paris über, wo er Picasso und Modigliani kennenlernte. Durch den Krieg sah er sich gezwungen, nach Zürich zu fliehen, kehrte jedoch nach zwei Jahren zurück. Wilhelm Lehmbruck starb 1919 in seinem Atelier, wo er sich das Leben nahm.

Quelle: RP
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