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Duisburg
Japanische Kunst aus westlicher Hand

Duisburg. Sven Drühl stellt seine ungewöhnlichen Bearbeitungen fernöstlicher Motive im Museum DKM aus. Von Peter Klucken

Sven Drühls Wahlheimat ist Berlin. Geboren wurde er 1968 in Nassau an der Lahn, studiert hat in unserer Region, nämlich an der Universität in Essen. Seine Bildmotive findet er aber ganz woanders: In Japan, genauer in der japanischen Farbholzschnittkunst, die dort 1910 entwickelt wurde und die bis in die 1940er Jahre hinein überaus populär war. "Shin Hanga" ist der Name dieser Technik, die wiederum eine Erneuerung einer älteren japanischen Holzschnittkunst ist.

Ab Samstag, 12. September, ist im Museum DKM die Ausstellung "Sven Drühl: Shin Hanga - Japanische Landschaften" zu sehen (Ausstellung bis 10. Januar). Die Ausstellung passt vorzüglich in die Sammlung des privaten Museums von Dirk Krämer und Klaus Maas (=DKM). Denn Sven Drühls Werke entsprechen dem ästhetischen Konzept des Hauses, dessen Sammlung unter dem Motto "Linien stiller Schönheit" steht. Seit 2007 beschäftigt sich Drühl mit der japanischen "Shin Hanga"-Technik. Nicht nur als Maler, sondern auch als Sammler. 40 "Shin-Hanga"-Werke hat er im Laufe der Jahre erworben. Diese Werke sind relativ kleinformatig (etwa DIN-A 4), während Drühls eigene Arbeiten groß sind, beispielsweise 130 mal 180 Zentimeter.

"Ich mache Kunst aus Kunst", sagte beim Presserundgang Sven Drühl, der prima zur modernen Berliner Kunst-Szene zu passen scheint. Allerdings kupfert er die alten japanischen Farbholzschnitte nicht einfach ab, vielmehr wählt er bestimmte Aussschnitte aus diesen Werken, die er in vielfacher Vergrößerung und häufig auch mit einem Mix unterschiedlicher Motive gestaltet. "Best of Shin Hanga", sagte der Künstler scherzend. Zur Strukturierung der Gemälde benutzt Drühl Silikon, dann trägt er Lack und Öl auf, wobei er sich gerne von den Farben der Romantik inspirieren lässt. Seine Bilder wirken nicht wie typische japanische Landschaftbilder, sondern wie Vorstellungen von diesen Gemälden. Das ist schön vielschichtig!

Sven Drühl ist nicht nur ein (auch geschäftlich) erfolgreicher Künstler, sondern auch ein vielseitig gebildeter Kunstwissenschaftler. In Essen studierte er Kunst und Mathematik fürs Lehramt und schrieb eine Doktorarbeit mit dem Thema "Der uniformierte Künstler". "Das Mathestudium habe ich wegen meiner Eltern absolviert", sagte er gestern schmunzelnd. Drühl hatte Lehraufträge an den Unis in Essen, Frankfurt, Dresden, Leipzig und Hangzhou (China). Seit drei Jahren arbeitet er nur noch als freier Künstler; für Lehraufträge habe er keine Zeit mehr.

Das Museum DKM (Güntherstraße 13-15) ist samstags und sonntags, 12 bis 18 Uhr, an jedem ersten Freitag im Monat sowie nach Vereinbarung geöffnet. Tel. 0203/ 93555470. Info: www.museum-dkm.de

Quelle: RP
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