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Duisburg
Jubel, Plakate und jede Menge Tränen

Duisburg: Jubel, Plakate und jede Menge Tränen
Da war sie noch gefasst: Bivsi auf dem Weg zum Ausgang. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Bivsi Rana und ihre Familie sind gestern am frühen Morgen in Düsseldorf gelandet. Sie wurden von Freunden und Familienmitgliedern empfangen. Bivsis Mitschüler und andere Mitstreiter sind erleichtert. Von Tim Harpers

Um viertel vor acht geht die mehr als zweimonatige Leidenszeit von Bivsi und ihrer Familie zu Ende. Die nach Nepal abgeschobene Schülerin wartet am Gepäckband in der Ankunftshalle am Düsseldorfer Flughafen als wäre sie gerade eben von einem langen Urlaub zurückgekehrt. Mit einem einfach grauen Top bekleidet, einen grauen Pulli um die Hüfte gebunden, mit zerschlissenen Jeans und einfachen Sneakern, nimmt sie ihren großen schwarzen Rollkoffer in Empfang - unwissend, was sie hinter der Zollstation erwarten wird.

Bivsi Rana traf bei ihrer Ankunft am Düsseldorfer Flughafen zum ersten Mal seit zwei Monaten wieder auf ihre Freunde. Es war ein tränenreiches Wiedersehen. FOTO: Christoph Reichwein

Auf der anderen Seite der undurchsichtigen Milchglaswände warten Bivsis Freunde - rund 30 Mitschüler, Lehrer, Elternvertreter und andere Weggefährten, die großen Anteil daran hatten, dass der Familie die Rückkehr nach Deutschland ermöglicht wurde. Schon um 6 Uhr, rund 1,5 Stunden, bevor die Familie in Düsseldorf landen sollte, hatten die ersten Gäste in der Ankunftshalle des Flughafens Position bezogen, um den Ranas einen warmen Empfang zu bereiten. Nun, kurz vor dem lange erwarteten Wiedersehen, rollen sie große Plakate aus. Darauf stehen Schriftzüge wie "Welcome back", "Willkommen Zuhause" oder einfach nur "Bivsi".

Dominik Wegerhof ist an seinem grauen Klassenpulli als Mitschüler des in Lüdenscheid geborenen Mädchens zu erkennen. "Ich bin extrem erleichtert, dass die ganze Geschichte heute so zu einem guten Ende kommt", sagt er. "Als uns in der vergangenen Woche die Nachricht erreichte, dass Bivsi wieder zurück nach Deutschland darf, war das eine riesige Entlastung für uns alle." Sie seien aber sehr überrascht gewesen. "Wir hatten nicht damit gerechnet, dass es jetzt so schnell gehen würde." Auch Sarah Habibi, Schülersprecherin des Steinbart-Gymnasiums, wirkt sehr erleichtert. "Es ist wirklich unglaublich für uns alle, dass Bivsi jetzt zurückgekehrt ist", sagt sie. Die Mühen der vergangenen Monate und Wochen hätten allen Beteiligten gezeigt, dass man sich mit Ungerechtigkeit in der Gesellschaft nicht unbedingt abfinden müsse. "Man kann immer etwas tun und das Ergebnis sehen wir heute hier. Das ist eine schöne Erfahrung."

Bivsis erste Umarmung galt ihrem älteren Bruder. FOTO: Reichwein

Das sehen auch Jonas Selic und Erik Dzicher so, die beide mit im Klassenraum saßen, als ihre Mitschülerin vom Schuldirektor für die Abschiebung aus dem Unterricht geholt wurde. "Wir waren im ersten Moment einfach nur fassungslos", beschreibt Sonas Selic seine Gefühlslage am Tag Bivsis unfreiwilliger Abreise. "Wir wussten aber relativ schnell, dass wir das nicht einfach so stehenlassen können." Dass ihre Bemühungen am Ende von Erfolg gekrönt sein würden, hätten sie aber am Anfang nicht wissen können, sagt Erik Dzicher. "Dass es jetzt so gekommen ist, ist unglaublich."

Als sich schließlich die beiden Glastüren vor den Ranas aufschieben, wird die Schülerin von einem Jubelsturm empfangen. Am Ende einer langen Rampe hat sich eine unüberschaubare Menschentraube versammelt. Neben ihren Freunden warten Dutzende Journalisten auf die Schülerin. Das typische Stakkato auslösender Fotokameras ist zu hören und "Bivsi"-Sprechchöre. Das Gesicht der Schülerin wird von den hellen Lampen der vielen Filmteams beleuchtet. Und sie alle zeichnen auf, was im Dezember wohl als das rührendste Wiedersehen in diverse Jahresrückblicke einfließen wird.

Am Fuß der Rampe springt Bivsi ihrem Bruder in die Arme, der wegen seines Studentenstatus - anders als der Rest der Familie - in Deutschland bleiben durfte. Nach einem kurzen Moment des Zögerns brechen alle Dämme und beide beginnen vor Freude zu weinen. Bivsis Mitschülerinnen stürzen sich auf ihre Freundin und die vielen Eltern und Weggefährten vor Ort schließen sich in die Arme. Nach etwa zehn Minuten ist der Spuk dann vorbei. Die Familie Rana verabschiedet sich. Bivsi und ihre Eltern haben 30 Stunden Reisezeit in den Knochen. Sie setzen sich in ein silbernes Auto und fahren ab. Das Ziel der Ranas ist ihre kleine Wohnung in Neudorf - ihr Zuhause.

Quelle: RP
 
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