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Duisburg
Jugendliche Geldgeschichten

Duisburg: Jugendliche Geldgeschichten
Schüler, Lehrer und die Offiziellen von Stadt, Stiftung und Museum präsentierten jetzt die neue Broschüre samt neuer App. FOTO: reichwein
Duisburg. 14 Schüler der Globus-Gesamtschule haben sich intensiv mit der Münzen- und Antikensammlung der Köhler-Osbahr-Stiftung im Stadtmuseum beschäftigt. Eine Rallye-App und eine kleine muntere Broschüre sind das Ergebnis. Von Peter Klucken

Dass uralte Münzen und andere Zahlungsmittel oder auch kleine antike Objekte interessant sein können, hat bis vor einigen Monaten wohl niemand der 14 Schüler der Globus-Gesamtschule gedacht. Doch nachdem die Jugendlichen Anfang des Jahres für eine Woche Gast im Kultur- und Stadthistorischen Museum waren und dort die Sammlung Köhler-Osbahr kennengelernt haben, denken sie anders. Was dort in den Vitrinen, Sammlungskästen und Regalen aufbewahrt wird, kann Schüler durchaus faszinieren.

Dr. Andrea Gropp und Projektmitarbeiter Frank Switala haben diesmal, angeregt durch Museumsmitarbeiterin Kornelia Kerth-Jahn, neue Wege der Vermittlung versucht. Während man ansonsten in historischen Museen die dort ausgestellten Exponate für Besucher aussucht und erklärt, wurden diesmal die Schüler nach einer kurzen allgemeinen Einführung aufgefordert, selber nach ihren persönlichen Lieblingsstücken in der Sammlung zu suchen. Erst danach begann die Vermittlungsarbeit. Jeder Schüler bekam die Informationen, die er wünschte, um sein Lieblingsobjekt genau kennenzulernen. So lernten die Jugendlichen die verschiedenen Zahlungsmittel, die in der gewaltigen Sammlung der Stiftung vorhanden sind, kennen. Die Schülerinnen und Schüler informierten sich über die geschichtlichen Hintergründe des jeweiligen Exponats.

Die Projektwoche wurde gekrönt von einer kleinen Broschüre, die Museumsbesucher ab sofort für einen Euro an der Museumskasse kaufen können. Außerdem erarbeiteten die Jugendlichen Frage-Anwort-Dialoge zu ihren Lieblingsobjekten, die jetzt mit Hilfe einer kostenlosen App "Biparcours" abrufbar sind. Wer diese App nutzt, nimmt an einer Art Rallye durch die Sammlung teil, wobei die 14 von den Schülern ausgewählten Stücke im Mittelpunkt stehen. Dr. Andrea Gropp: "Der individuelle Zugang zu den Objekten wird so über die Sichtweisen der Jugendlichen erleichtert." Dass die Schüler zum Teil andere Objekte als die Kenner der Sammlung zu ihren Favoriten erklärten, haben die Fachleute akzeptiert.

In der Broschüre ist nachzulesen, was die Schüler an der Sammlung, die einst Dr. Herbert W. Köhler und seine Ehefrau Ingeborg Köhler-Osbahr in Jahrzehnten zusammengetragen haben, interessiert. der 16-jährige Erkan schreibt beispielsweise: "Ich wusste gar nicht, dass Geld auch noch anders aussehen kann, als wir es kennen. Kaurischnecken habe ich vorher noch nie gesehen - dass man damit auch bezahlen konnte, finde ich einfach spannend." Das Lieblingsobjekt von Tanapon sind Teeziegel. Die Schülerin der Jahrgangsstufe zehn meint dazu: "Dass Tee Geld sein kann, hat mich überrascht. Aber es ist natürlich auch viel praktischer als Metallmünzen: Schließlich kann man mit Tee nicht nur bezahlen, sondern ihn auch trinken." Ähnlich denkt Winner, eine Duisburger Schülerin mit afrikanischer Einwanderungsgeschichte, über ein anderes Zahlungsmittel: "Ich habe mich mit Salz beschäftigt, weil ich es spannend finde, dass ein Nahrungsmittel Geld sein kann. Vielleicht hat es auch mit meinen afrikanischen Wurzeln zu tun, dass ich mich für afrikanische Währung entschieden habe." Rebecca wählte eine ägyptische Öllampe mit Froschdarstellung aus dem zweiten bis fünften Jahrhundert nach Christus. Die Schülerin schreibt dazu in der Broschüre: "Das alte Ägypten hat mich immer schon interessiert, deswegen habe ich mir die Froschlampe ausgesucht. Die Ägypter verbanden Frösche mit Wiedergeburt, weil sie jedes Jahr aus dem Nilschlamm krochen." Während auf der linken Seite der Broschüre die unmittelbare Motivation zur Lieblingsobjektwahl skizziert ist, finden sich auf der rechten Seite Sachinformationen und comic-artige Zeichnungen der Schüler. Und nicht zuletzt der QR-Code ("Die App weiß mehr!").

Die Köhler-Osbahr-Stiftung, die von Brigitte Findeisen als persönlicher Nachfolgerin von Dr. Herbert W. Köhler bei der Vorstellung des Projekts repräsentiert wurde, gab für die Realisierung der App und der Broschüre einen Zuschuss von 5000 Euro. Anlass war das 25-jährige Bestehen der Stiftung.

www.stadtmuseum-duisburg.de

Quelle: RP
 
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