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Duisburg
Junge Pianistin in der Gebläsehalle

Duisburg. Die Show stand beim Konzert von Alice Sara Ott nicht im Vordergrund. Von Ingo Hoddick

Alice Sara Ott, 27 Jahre jung und längst international sehr erfolgreich, holte jetzt ihren ursprünglich für das vergangene Jahr vorgesehenen sechsten Auftritt nicht nur beim Klavier-Festival Ruhr, sondern auch in Duisburg nach. In der ausverkauften Gebläsehalle im Landschaftspark Nord spielte sie ein kluges Programm, übrigens zum allerletzten Mal.

Es begann mit einer intensiv ausgewogenen Aufführung der Sonate Nr. 17 d-Moll op. 31 Nr. 2 "Der Sturm" von Ludwig van Beethoven. Darauf folgte die exzentrische, fast nie im Konzert zu erlebende Fantasie und Fuge a-Moll BWV 944 von Johann Sebastian Bach. Weil danach niemand applaudierte, ging Alice Sara Ott gleich weiter mit Bachs Chaconne aus der Partita Nr. 2 für Violine solo BWV 1004, von dem vor 150 Jahren geborenen Ferruccio Busoni bearbeitet für Klavier solo - geschickt gemacht, allerdings auch mächtig aufgedonnert. Die deutsch-japanische Pianistin trifft sich mit dem deutsch-italienischen Meister in der Auffassung, dass Virtuosität und Klarheit durchaus zusammen gehen können. Freilich überschlagen sich ihre Tempi manchmal.

Die zweite Konzerthälfte wurde geprägt von Otts Leib- und Magenkomponist Franz Liszt. Zunächst gab es die Nr. 2 und die besonders beliebte Nr. 3 der drei "Notturnos -Liebesträume". Und dann die "Six Grandes Études de Paganini", in der Mitte des 19. Jahrhunderts wohl das Schwierigste, was bis dahin für Klavier komponiert worden war. In der Gebläsehalle des Landschaftsparks tauschte die besonders beliebte Nr. 3 "La Campanella" den Platz mit der Nr. 6 über die berühmte Caprice a-Moll.

Das Publikum jubelte, und von vielen Seiten hörte man: "Die ist ja viel besser als Lang Lang, denn bei ihr steht die Show nicht im Vordergrund."

Als beruhigende Zugabe kam die Nocturne cis-Moll von Frédéric Chopin.

Quelle: RP
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