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Duisburg
Junge Tüftler haben den Durchblick

Duisburg. Myrijam Stoetzer und Paul Foltin vom Franz-Haniel-Gymnasium haben mit ihrem Projekt "Auge steuert Rollstuhl" den Landeswettbewerb von Jugend forscht gewonnen; nun dürfen sie am großen Bundesfinale teilnehmen. Von Blanca Krüger

Für die 14-jährige Myrijam Stoetzer und den 15-jährigen Paul Foltin vom Franz-Haniel-Gymnasium in Homberg könnte es derzeit eigentlich nicht besser laufen. Die beiden jungen Forscher gingen siegreich aus dem Regional- und dem Landeswettbewerb von Deutschlands bekanntesten Nachwuchswettbewerb "Jugend forscht" heraus. Im Bereich der Arbeitswelt belegten die beiden Schüler mit ihrer Erkennungssoftware "Auge steuert Rollstuhl - Eyetracking mit openCV" den ersten Platz. Zudem erhielten sie im Rahmen des Landeswettbewerbs den Sonderpreis in der Kategorie "Innovationen für Menschen mit Behinderung". Beim anstehenden Finale von "Jugend forscht", das im Mai in Ludwigshafen stattfinden wird, messen sich die Besten des Landes in den sieben Fachgebieten. "Wir sind sehr stolz darauf, dass Schüler unserer Schule solch eine herausragende Leistung bei Jugend forscht erzielen konnten", sagt Norbert Thummes, Schulleiter des Franz-Haniel-Gymnasiums.

Myrijam Stoetzer und Paul Foltin wurden quasi durch die Robotik AG ihrer Schule zusammen geführt. Neun Monate haben die beiden in den Eyetracker investiert. "Am Anfang haben wir uns nur zwei- bis dreimal im Monat getroffen aber mit der Zeit haben wir fast jedes Wochenende an dem Eyetracker gearbeitet", berichtet Myrijam Stoetzer.

Die Erkennungssoftware, wodurch ein Rollstuhl allein durch das Auge gesteuert wird, ist beispielsweise für querschnittsgelähmte Menschen gedacht. Der Patient sitzt im Rollstuhl und hat eine Brille auf, an der der Eyetracker befestigt ist und das Auge filmt. Der Bildausschnitt wird in vier Bereiche eingeteilt - oben, unten, links und rechts. Das Programm filtert aus dem Bildausschnitt den Mittelpunkt der Pupille heraus. Schaut der Patient nun nach oben und bestätigt die Blickrichtung mit dem "Taster" in seiner Hand, fährt der Rollstuhl nach vorne. Schaut der Patient nach unten, fährt der Rollstuhl rückwärts. "Die Bestätigung der Blickrichtung durch den "Taster" ist wichtig. Denn wenn der Patient zum Beispiel an der Ampel steht und umherschaut, darf der Rollstuhl nicht einfach losfahren", erläutert Paul Foltin. Doch auch Rückschläge begleiteten den Entwicklungsweg. Bei Belastung fuhr der Rollstuhl langsamer vor und zurück als zur linken und rechten Seite. Die beiden Schüler ließen sich aus einem 3D-Drucker kleine Räder ausdrucken, die zusätzlich oberhalb der Rollstuhlräder angebracht wurden. Damit war das Problem aus der Welt geschaffen.

Von dem bisher erworbenen Preisgeld wollen Myrijam Stoetzer und Paul Foltin ihre Erkennungssoftware weiterentwickeln. Die jungen Tüftler arbeiten bereits fleißig an Verbesserungen für ihr Projekt. In Zukunft soll die Erkennungssoftware auch über eine Kollisionserkennung verfügen.

Im Rahmen einer Open-Content-Lizenz wollen sie ihr Programm zukünftig kostenlos im Internet zum Nachbau anbieten. "Baut man unser Projekt nach, sind mit Kosten von 220 Euro zu rechnen", sagt Myrijam Stoetzer.

Quelle: RP
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