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Duisburg
(K)ein Buch der Trauer

Duisburg: (K)ein Buch der Trauer
Jürgen Domian gab sich bei seiner Buchvorstellung bester Dinge. Zwischenzeitlich suchte er das Gespräch mit dem Publikum. FOTO: Lothar Strücken
Duisburg. Der frühere 1Live- und WDR-Talkshowmoderator Jürgen Domian stellte im TaM seinen neuen Roman "Dämonen - Die Geschichte eines angekündigten Todes" vor. Er beschäftigt sich darin mit den Abgründen der menschlichen Psyche. Von Volker Poley

Das war schon eine eher außergewöhnliche Premiere im Theater am Marientor. Dort wo sonst Musicalstars ihr Publikum verzaubern, stellte Jürgen Domian am Mittwochabend sein neues Buch "Dämonen - Die Geschichte eines angekündigten Todes" vor. Der Roman handelt "von Stille und Tod" und behandelt nicht nur Themen, die den Autor schon immer tief bewegen, sondern auch irgendwie zum Monat November zu passen scheinen.

Domian, der sich einen Namen als einfühlsamer Gesprächspartner der nächtlichen "1Live"-Telefon-Talkshow (von 1995 bis 2016) gemacht hat, stellte seinen vierten Roman aber nicht nur in dem sonst üblichen Format einer Lesung vor. Die Geschichte seiner Romanfigur Hansen, die beschlossen hat, genau an seinem 60. Geburtstag am 21. Dezember im einsamen Nordschweden aus dem Leben zu scheiden, wird dem Publikum in Form einer "Inszenierung" nahe gebracht.

Dazu hat der frühere Radio-Moderator John von Düffel mit ins Boot geholt. Derzeit arbeitet von Düffel als Dramaturg am Deutschen Theater in Berlin. Die Auftritte Jürgen Domians im Rahmen seiner bis zum Mai 2018 andauernden Lese-Tour hat er mit Audioeinspielungen, Lichteffekten und anderen Elementen bereichert. Der Autor liest nicht nur, er bezieht auch sein Publikum mit ein.

Das geschieht zum einen indem der Schriftsteller, angelehnt an seinen Radiotalk, schon mal die Bühne verlässt und das Gespräch mit dem Publikum sucht, oder auch durch das Öffnen einer "Dämonen-Kiste". Dort hatten die Besucher vor Beginn der Buch-Show anonym ihre "privaten" Dämonen, die ihr Leben mehr oder weniger stark beeinträchtigen, skizziert.

Bevor das Publikum im TaM einbezogen wurde, stellte der Autor "Hansens Geschichte" vor. Inspiriert zu der Erzählung, die das Thema "Stille und Tod" in den Mittelpunkt stellt, wurde Domian durch die vielen Gespräche, die er im Rahmen seiner Hörfunk-Sendung führte.

Dass seine Romanfigur sich das eher unwirtliche Nordschweden zum Sterben ausgesucht hat, ist auch kein Zufall. Der Kölner kennt durch eigene Reisen, die ihn häufig in den Sarek-Nationalpark in den schwedischen Teil Lapplands führten, die unberührte winterliche Gebirgslandschaft dort genau.

Da will Hansen, wie der Autor beschreibt, seinem Leben aus freien Stücken ein Ende setzen: "Hansen ist nicht depressiv, nicht krank. Er hat einfach das Gefühl, sein Leben gelebt zu haben." Über seinen Freitod hat er genaue Vorstellungen, er wird sich nackt in den Schnee legen, eine Flasche Whisky wird sein letzter Begleiter sein.

Hansen hat sich vorher schlau gemacht, der Tod durch Erfrieren soll gar nicht so schlimm sein, der gefäßerweiternde Alkohol soll den Sterbeprozess beschleunigen. So war es eigentlich gedacht, als Domians Romanfigur sich bereits im Sommer auf den Weg zum Polarkreis macht.

Aber so einfach wird das alles nicht. Dort verbringt der Berliner, der mit dem Leben abgeschlossen hat, seine letzten Monate in einer einsamen Ferienhütte, von wo aus er in der noch verbleibenden Zeit durch die einsame Landschaft wandert. Er findet dort aber nicht nur die erwartete Ruhe und Stille vor, der Rückzug wird zu einem einsamen Kampf. "Dämonen", innere Stimmen, fallen ihn immer wieder an und werden für Hansen geradezu zu einer Bedrohung.

Jürgen Domian lässt offen, ob es letztendlich zu dem geplanten Suizid kommt, sein Roman soll ja schließlich verkauft werden. Dass das Thema Freitod ihm sehr wichtig ist, wurde im Rahmen der Buchvorstellung mehr als deutlich. Dabei stellt er klar: "Ich plädiere nicht für die Selbsttötung, das ist für mich persönlich keine Option. Ich kämpfe nur für das Recht, dass das jeder für sich entscheiden kann."

Jürgen Domian selbst findet das Leben schon schwierig, warnt davor, daran überhöhte Anforderungen zu stellen: "Es ist wichtig, mit Rückrat und Demut durchs Leben zu gehen und es reicht, seinen Mitmenschen nicht zu schaden."

Quelle: RP
 
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