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Duisburg
Kammerkonzert für Terror-Tote

Duisburg. Das jüngste, dritte Kammerkonzert im Theater am Marientor (TaM) begann mit einer Schweigeminute. Denn das französische Quatuor Diotima, das im kommenden Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiern wird, widmete seinen Duisburger Auftritt ausdrücklich den mehr als 120 Terror-Toten von Paris. Das Programm blieb gleich, auch wenn es vor dem aktuellen Hintergrund etwas anders wirkte. Von Ingo Hoddick

Es begann mit jenem Streichquartett Nr. 4 C-Dur D (= Deutsch-Verzeichnis der Werke dieses Komponisten) 32, das Franz Schubert 1812 komponierte, also im zarten Alter von 15 Jahren. Der junge Wiener spielte damals häufig Streichquartett mit seinem Vater und seinen Brüdern, so entstanden einige seiner ersten und schon sehr guten Werke für diese Besetzung. Es ist daher auch lobenswert, dass das Quatuor Diotima sich intensiv mit Schuberts frühem Schaffen befasst hat. Jetzt die Duisburger Aufführung durch YunPeng Zhao und Constance Ronzatti (Violine), Franck Chevalier (Viola) und Pierre Morlet (Violoncello) klang auch durchaus vertraut mit der Partitur, durchsichtig und lebhaft. Ein paar kräftigere Akzente hätten der frühromantischen Komposition aber durchaus gut getan.

Mit Streichen auf dem Holz und Atemgeräuschen beginnt das Streichquartett Nr. 4 (2003) von dem 1973 geborenen Jörg Widmann. Die Bögen zischen durch die Luft, erst später gibt es auch "normale" Töne. Innerhalb der zwischen 1997 und 2005 entstandenen fünf Streichquartette dieses Komponisten fällt dem 2005 in der Essener Philharmonie durch das Vogler-Quartett uraufgeführten vierten die Aufgabe zu, das Gehen und Schreiten zu untersuchen. Das Quatuor Diotima legte hier seine ganze, enorme Überzeugungskraft in seine Darbietung und wurde auch dafür geradezu bejubelt.

Jörg Widmann ist ja auch Klarinettist und vereinigte sich nach der Pause mit den vier Streichern zu einer sehr soliden Aufführung des 40-minütigen Quintetts h-Moll op. 115, 1891 eines der letzten Werke von Johannes Brahms.

Im nächsten, vierten Kammerkonzert am Sonntag, 31. Januar 2016, um 19 Uhr, im TaM, singt der Tenor Christoph Prégardien - Duisburgs "Artist in residence" (Gastkünstler) der laufenden Saison 2015/16 - Schuberts Liederzyklus nach Gedichten von Wilhelm Müller "Die schöne Müllerin" D 795, am Klavier begleitet von Christoph Schnackertz. Karten gibt es unter Telefon 0203 28362100.

Quelle: RP
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