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Duisburg
Kammerkonzert mit der "Tanzkapelle"

Duisburg. In das neunte Kammerkonzert brachte Duisburgs Radek Baborák sein Kammerorchester mit. Von Ingo Hoddick

Der tschechische Hornist Radek Baborák gab jetzt ein drittes und letztes Konzert als Duisburgs "Artist in Residence" (Gastkünstler) der laufenden Saison 2015/16 (die RP berichtete), diesmal sozusagen als Prinzipal einer eleganten Tanzkapelle. In das jüngste, neunte Kammerkonzert im Theater am Marientor (TaM) brachte er die "Baborák Orquestrina" mit. Durch dieses 18-köpfige Ensemble zeigte Baborák nun ganz andere Facetten seiner vielseitigen Künstlerpersönlichkeit. In Duisburg musizierten neun Streicher neben vier Hornisten, hinzu gesellten sich Bassklarinette, Fagott, Harfe, Schlagzeug und Klavier. Hier hat Baborák "seinem" Instrument einen besonderen Rang eingeräumt und einen sonoren, ganz aus der weichen Mittellage heraus strömenden Sound kreiert.

Der Abend begann mit einem typischen Beispiel für tschechischen Humor. Der zweite Hornist musste noch einmal von der Bühne, weil er seine Noten vergessen hatte, und Baborák erklärte: "Er spielt sonst ohne Noten, hat sich aber jetzt anders entschieden." Das erste Stück war dann eine handfeste Suite mit Musik von Nino Rota zu Federico Fellinis Filmen "La Strada", "Il Bidone" (auf Deutsch bekannt als "Die Schwindler"), "Amarcord" und "Otto e Mezzo" ("8 1/2"). Als sanfter Kontrast folgte die Pavane op. 50 von Gabriel Fauré. Das einzige Originalwerk des Programms war die "Ballade" (2014) von dem 1977 geborenen tschechischen Komponisten Jan Kucera, gleichfalls auf der Ebene gehobener Unterhaltungsmusik, hier leicht jazzig angehaucht. Bei drei der "Chassidischen Melodien" von dem israelischen Komponisten Lew Kogan (1927-2007) - laut Moderator Klaus Wallendorf "ein Wunsch der Polkagruppe der Steuerfahndung Meiderich" - schlug vor allem die große Stunde des Bassklarinettisten Petr Valásek.

Das längste und tiefgründigste Werk war "L'Histoire du Tango". Astor Piazzolla erzählt darin die Geschichte dieses Tanzes in vier Stationen: die Anfänge in den Bordellen der argentinischen Vorstädte, Tango in Cafés und Nachtclubs, schließlich seine Verbindung mit der Musik eines Igor Strawinsky oder Béla Bartók. Zum Abschluss gab es den offenbar unvermeidlichen "Boléro" von Maurice Ravel.

Das Ganze war ein kluges und kurzweiliges Konzert mit knackigen und feinsinnigen Arrangements, wahrhaft virtuos aufgeführt. Für den Jubel des Publikum bedankte sich die "Baborák Orquestrina" mit Piazzollas "Libertango" und dem witzigen "Gnomen-Rag" des tschechischen Komponisten Ondrej Broucek, einschließlich einem Zitat aus der Film-Musik zu "Superman".

Das nächste Kammerkonzert am Sonntag, 26. Juni, um 19 Uhr, im TaM, ist das letzte der Saison und das "Piano Extra". Folkwang-Cembalo-Professor Christian Rieger und sein besonders begabter Schüler Yushan Jiang spielen dann Werke von Johann Sebastian Bach sowie seinen Söhnen Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel.

Karten und weitere Infos gibt es am einfachsten unter der Telefonnummer 0203 283 62 100.

Quelle: RP
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