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Verwilderte Tiere
Katzenschwemme wird in Duisburg zum Problem

Katzenschwemme wird in Duisburg zum Problem
Oft werden Katzen nicht kastriert, dabei vermehren sie sich schnell. FOTO: dpa, fg vfd fg tba
Duisburg. Duisburg ist von einer echten Katzenschwemme geplagt. Viele Tiere leben verwildert auf den Straßen und das Tierheim platzt aus allen Nähten. Eine Kastration der Katzen hat viele Vorteile, vor allem für die Gesundheit der Tiere selbst. Von Jan Luhrenberg

100 bis 120 Katzen leben in den zwei Häusern des Tierheims in Duisburg. Obwohl viele Katzen erfolgreich vermittelt werden, nimmt diese Zahl nicht ab. Denn die Vierbeiner bekommen regelmäßig neue Gesellschaft.

Dabei leben die Katzen unter solchen Umständen auch im Tierheim nicht unter idealen Bedingungen. "Zwar leben die Tiere in Gruppen, die sich vertragen, aber für Katzen ist ein Alltag ohne viel Abwechslung schwierig", erklärt Norma Puchstein, die im Tierschutzzentrum Duisburg tätig ist. Diese Situation dürfe kein Dauerzustand werden, warnt die zweite Vorsitzende, die Zahl der Tiere in den Katzenhäusern dürfe nicht noch weiter steigen.

Der Grund für die Überfüllung des Tierheims ist scheinbar ein ganz simpler: Oft werden die Tiere nicht kastriert. In den Augen von Puchstein ein Fehler: "Katzen vermehren sich rasant schnell und wenn wir nicht bald gegensteuern, wird die Katzenschwemme noch zu einem größeren Problem." Katzen sind maximal 65 Tage trächtig, so kann ein einzelnes Katzenpaar innerhalb von vier Jahren bis zu 20.000 Katzen auf die Welt bringen. Die Kastration könnte hier eine geeignete Lösung sein.

Bilder: Maikatzen im Tierheim Moers FOTO: Christoph Reichwein

Denn die hohe Zahl der Neugeborenen sorgt nicht nur für eine Überfüllung der Tierheime, sondern in erster Linie auch für ein schlechtes Leben der Vierbeiner. "Katzenbesitzer, die ihre unkastrierten Katzen frei laufenlassen, fördern eine ungehinderte Vermehrung. Dies führt zu einer Zunahme von verwilderten Katzen", schreibt das Ordnungsamt. Verwilderte Katzen leben oft unter elendigen Bedingungen und sind von Unterernährung, Krankheit und frühem Tod bedroht.

Eine Kastration bietet außerdem auch für die Gesundheit des eigenen Tieres erhebliche Vorteile. So hat eine kastrierte Katze, da sie weniger anfällig für Krankheiten und Stress ist, insgesamt eine doppelt so hohe Lebenserwartung. Die Vorteile preist auch das Tierheim in Duisburg weiterhin an, aber bislang mit überschaubarem Erfolg: "Wir haben ein Spendenkonto für eine Kastrationsaktion im Tierheim eingerichtet und Flyer bieten alle Information für Katzenliebhaber rund um dieses Thema", sagt Norma Puchstein.

Peta für flächendeckendes Kastrationsgebot

Die zweite Vorsitzende des Tierschutzbundes sieht vor allem auch die Halter der Tiere in der Pflicht, etwas gegen die Katzenschwemme zu unternehmen. "Grundsätzlich können wir zwar niemanden zur Kastration zwingen, aber für mich gehört das zur Verantwortung eines Tierliebhabers dazu", so Puchstein.

Weil vor allem auch das Tier selbst von dem kleinen medizinischen Eingriff profitiere, spreche wenig gegen eine Kastration. Die meisten Halter seien zu wenig über das Thema informiert, das müsse geändert werden.

Die weltweite Tierschutzorganisation Peta formuliert schon forschere Töne. Sie stellt Forderungen an die Stadt Duisburg und sieht dringenden Handlungsbedarf in allen Städten und Gemeinden: "Nur mit einem flächendeckenden Kastrationsgebot lässt sich das mit der Überpopulation verbundene Leid heimatloser Katzen langfristig eindämmen", so Dörte Röhl, Tierärztin und Fachreferentin für Tierische Mitbewohner bei Peta. Auch die Stadt Duisburg dürfe sich ihrer Verantwortung nicht entziehen und sollte diesen wichtigen Schritt für den Katzenschutz in Deutschland schnellstmöglich gehen.

Spezielle Katzenfallen

"Zweimal im Jahr ist die Zeit, in der viele Katzen trächtig sind", erklärt Puchstein. Sie ist aus diesem Grund nicht nur für eine Kastration, sondern auch für eine Registrierung der Katzen, insbesondere der Freigänger.

Die Freigänger unter den Samtpfoten werden mittlerweile schon zum Teil in speziellen Katzenfallen kurzzeitig gefangen genommen, um sie untersuchen und eventuell kastrieren und chippen zu können. "Das tun wir, weil besonders die Nachkommen der Freigänger in freier Wildbahn kaum überleben können", sagt Puchstein. Im Nachhinein werden sie aber wieder freigelassen.

Noch nimmt das Tierheim Katzen auf, aber viele Kapazitäten gibt es nicht mehr. "Irgendwann ist die Pflegezeit der vielen Tiere bis zu einer geglückten Vermittlung ein zu großer Aufwand für unsere Helfer", erklärt die Vorsitzende des Tierschutzzentrums. Dieser Vorgang ziehe sich meist über viele Wochen.

Quelle: RP
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