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Duisburger Geschichte und Geschichten
"Kavalierstour" endete tragisch

Duisburger Geschichte und Geschichten: "Kavalierstour" endete tragisch
Er wurde nur 20 Jahre alt: Jungherzog Karl Friedrich. FOTO: herzog-magazin
Duisburg. Heute verbindet man mit Reisen meist schöne Urlaubsgefühle. Früher war das anders: Reisen war gefährlich, mitunter lebensgefährlich. Jungherzog Karl Friedrich von Jülich-Kleve-Berg starb 1575 in Rom. Von Harald Küst

Reisen ist heute ein Massenphänomen, und die Tourismusbranche floriert. Die Reisezeit innerhalb Europas bewegt sich heute mit dem Flugzeug im Stundenbereich. Das war vor etwa 450 Jahren noch ganz anders. Reisen war gefährlich, jederzeit musste man mit Straßenräubern rechnen. Die medizinische Versorgung steckte in den Kinderschuhen. Die Straßen waren oft in einem miserablen Zustand und verursachten bei den Kutschen immer wieder Achsbrüche und andere Unfälle. Die Reisen dauerten sehr lange, in einer Woche schaffte man selbst bei guter Witterung allenfalls 300 bis 400 Kilometer. Ohne Karten und sachkundigen Führer war man verloren.

Nur begüterten Adeligen blieb es vorbehalten, mit Komfortanspruch zu reisen. Vor 450 Jahren gehörte Duisburg zum Herzogtum Jülich-Berg. Der Herzog, Wilhelm der Reiche, wollte Machtanspruch und Nachfolge sichern und die Persönlichkeitsentwicklung seines 16-jährigen Sohnes Karl Friedrich durch eine "Kavalierstour" in die richtigen Bahnen lenken. Derartige Fernreisen waren damals in adeligen Kreisen üblich - auch Auslandsaufenthalte gehörten dazu. Sie dienten der Erweiterung des Horizontes, der humanistischen Bildung, dem Erwerb diplomatischer Umgangsformen und der Netzwerkbildung mit anderen Fürstenhäusern.

Stephanus Winandus Pighius, ein Humanist mit Zugang zu den höchsten Kreisen, war für die Erziehung des Prinzen verantwortlich. Entlang des Rheins und der Donau zum Kaiserhof sollte es nach Wien gehen. Für die geplante Bildungsreise wurde dem Prinzen Karl Friedrich eine Kartensammlung mit auf dem Weg gegeben. Kein Geringerer als Gerhard Mercator stellte damals das Kartenmaterial zusammen. "Gebt mir zwei Wochen Zeit, so drucke ich alle verlangten Karten und fasse sie in einem stattlichen Ledereinband, eines Prinzen auf seiner Bildungsreise würdig, ein", so wird Gerhard Mercator beflissen seinem adligen Auftraggeber geantwortet haben. Karl Friedrich brach 1571 mit Hofmarschall Werner von Gymnich und dem Prinzenerzieher Pighius nach Wien auf. Ganz nebenbei erweiterte er mit dem Kartenmaterial Mercators sein Wissen über Geographie und Herrschaftsbereiche. Endlich erreichten sie Wien. Fast drei Jahre hielt er sich am Hof Kaiser Maximilians II. (1527-1576) auf. Der Kaiser bot seinem Neffen alle Möglichkeiten, das höfische Leben in Wien kennenzulernen.

Das Klima am Hof war gegenüber den Protestanten von Toleranz geprägt. Der jülich-klevische Erbprinz wuchs mehr und mehr in seine künftige Rolle hinein. Sicheres Auftreten erlernte er auf den zahlreichen Festen am Wiener Hof.

Im Jahr 1574 erreichte Karl Friedrich eine Einladung des Papstes. Papst Gregor XIII. wollte ihn an seiner Seite wissen, wenn er am Heiligen Abend feierlich das Heilige Jahr eröffnen würde. Geehrt nahm Karl Friedrich die Einladung an. Der hochbegabte Jüngling lernte Italienisch, setzte sich mit der Architektur der Renaissance auseinander und betrieb unter Anleitung seines Lehrers humanistische Studien. 1574 gehörte er dann zu den Ehrengästen Papst Gregor XIII. Der Papst wollte den künftigen Herzog als Verbündeten gewinnen, nicht zuletzt um die drohende Kirchenspaltung zu verhindern.

Es war die Zeit der Reformation und der Herzog von Jülich-Berg war zwar katholisch, aber er duldete die neu aufkommenden lutherischen Messfeiern. Nach den prachtvollen Feierlichkeiten in Rom zog "Reiseleiter Pighius" mit seinem Zögling weiter nach Neapel.

Hier muss es dann passiert sein: Der Jungherzog infizierte sich mit den Blattern bzw. Pocken. Die Pockenviren befielen die Nasen- und Rachenschleimhäute und überschwemmten den gesamten Körper. Fieber und Schüttelfrost folgten. Hastig kehrte der kleine Hofstaat mit dem arg geschwächten Karl Friedrich nach Rom zurück. Dessen Gesundheitszustand verschlechterte sich weiter. Sein Körper war mit Blasen übersät. Die besten Ärzte des Papstes konnten nichts ausrichten - am 9. Februar 1575 verstarb Karl Friedrich in Rom fernab seiner klevischen Heimat. Er wurde nur knapp 20 Jahre alt. Als seinen Vater die Nachricht ereilte, verfiel dieser in tiefe Schwermut.

Unter großer Anteilnahme wurde der Jungherzog in Rom beigesetzt, wo man das einige Jahre später errichtete Grabdenkmal noch heute besichtigen kann. Für das Haus Jülich-Kleve-Berg war der Tod des Prinzen eine Katastrophe. Mit seinem frühen Tod hinterließ Karl-Friedrich ungewollt tiefe Spuren in der Geschichte Duisburgs. Da mit seinem geisteskranken Bruder Johann Wilhelm kein gleichwertiger Thronanwärter an seine Stelle trat, war das finstere Ende des Hauses Jülich-Kleve-Berg mit seinem Tod absehbar.

Wäre Karl Friedrich am Leben geblieben, hätte es keinen Jülich-Klevischen-Erbfolgestreit gegeben. Duisburg wäre nicht an Preußen gefallen und die Landkarte Europas sähe heute sicherlich ganz anders aus.

Quelle: RP
 
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