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Thema 300 Jahre Duisburger Hafen
Keimzelle liegt im alten Ruhrorter Stadtkern

Thema 300 Jahre Duisburger Hafen: Keimzelle liegt im alten Ruhrorter Stadtkern
Mehr als nur ein "Festzelt": Hier auf der Mercatorinsel findet die offizielle Jubiläumsfeier für den Hafen statt. FOTO: Crei
Duisburg. Am morgigen Freitag feiert der Duisburger Hafen im Kreis von vielen Prominenten aus Wirtschaft und Politik 300. Geburtstag. Auf der Mercatorinsel wurde dafür ein eigenes Gebäude errichtet. Von Hildegard Chudobba

Kein großes Unternehmen in Duisburg, möglicherweise sogar in ganz NRW, kann auf eine so lange Geschichte zurückblicken wie die Duisburger Hafengesellschaft. Seit Jahresbeginn hat sie schon bei mehreren Anlässen an ihren 300. Geburtstag erinnert. Sie gab ein Kinderbuch heraus und eine Chronik, sie stellte einen Radweg vor, der die Hafenstandorte verbindet; im Juni tauchte sie Ruhrort in ein farbenprächtiges Feuerwerk, nachdem sie wenige Tage zuvor ein weithin sichtbares Zeichen gesetzt hatte. Mit Blick auf Homberg - die Ruhrorter sehen nur den Hinterkopf - schaut "Poseidon" über den Strom, geschaffen von dem weithin bekannten Bildhauer und Künstler Markus Lüpertz.

Am Freitag aber wird es auf der Mercatorinsel offiziell. Minister und Ex-Minister werden zu der Hafengala erwartet, viele Politiker und Größen der Stadt sowie namhafte Vertreter der Wirtschaft, darunter vor allem diejenigen, für die duisport ein bedeutender Handelspartner ist. Die geladenen Gäste werden mit Musik der Sinfoniker unterhalten und treffen sich nach den Festreden zum Gala-Dinner in einem repräsentativen Festzelt, das wohl eher Festsaal genannt werden sollte.

Wir nehmen Sie, die Leser, mit auf eine kleine Zeitreise durch 300 Jahre Hafengeschichte. Aber Achtung! Wir haben einige Fehler im Text eingebaut, von denen wir annehmen, dass sie leicht zu finden sind. Wenn nicht, dann schauen Sie auf die Auflösung hier.

Den genauen Gründungstag im Jahr 1716 zu benennen, ist nicht möglich. Denn Pläne und Ideen und erste Anläufe gab es schon vorher, als weitblickende Beamte im Duisburger Rathaus die Entscheidung trafen, am Rhein einen großen Hafen zu bauen - für die boomende Stahlindustrie. Schon damals lebten hier viele Familien vom Fischfang auf dem Rhein und zunehmend auch als Reeder und Schiffseigner. Denn an den im Ruhrgebiet gefundenen Diamanten hatte die ganze Welt Interesse ...

Rund um den alten Ruhrorter Stadtkern entstanden in der Folge immer mehr Hafenbecken, wuchsen repräsentative Kontor-Häuser und Reeder-Villen aus dem Boden, zum Beispiel das Stammhaus des heutigen Haniel-Konzerns. Im Altstadtkern ist an vielen Stellen bis heute zu sehen, dass die kleine Stadt am Rhein mal sehr wohlhabend gewesen sein muss.

So viel Reichtum und Erfolg machen neidisch: Duisburg lag damals nicht direkt am Rhein, weil der Fluss immer wieder sein Bett verlegt hatte, wollte aber am wirtschaftlichen Aufschwung der Nachbargemeinde unbedingt Teil haben 1832 wurde ein Kanal in Betrieb genomen, der bis in den Innenhafen führte, der sich bekanntlich zum Kaffeelager des Ruhrgebietes entwickelte, bevor er in den 90er Jahren so umgebaut wurde, wie er sich heute zeigt. Es dauerte rund 200 Jahre, bis die beiden Häfen in Ruhrort und Duisburg in der gemeinsamen Gesellschaft "Duisburg-Ruhrorter Häfen" verschmolzen. 1905 war nicht nur das Jahr, in dem diese Fusion erfolgte, sondern gleichzeitig wurde Ruhrort von Duisburg eingemeindet, was ebenso für die Stadt Meiderich galt, in der sich das Hafengebiet gleichfalls längst ausgebreitet hatte. Ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt war die Anbindung des Hafens an den Main-Donau-Kanal und die Gründung einer Aktiengesellschaft, an der der Staat Preußen mit zwei und die Stadt Duisburg mit einem Drittel beteiligt waren. Heute liegen die Anteile komplett bei der EU. Schon 1926 wurden in Duisburg mehr Güter umgeschlagen, als in jedem anderen deutschen Binnenhafen.

Wesentlichen Anteil daran hatte die boomende Stahlindustrie, die sich an der Duisburger Rheinfront angesiedelt hatte sowie die vielen Zechen im Ruhrgebiet und in unserer Stadt. Alte Ansichten zeigen, wie die Schiffe in den Hafenbecken dicht nebeneinanderliegen, beladen mit Erzen und Kohle, so genanntes Stückgut. Auf dem Rhein sah es aus wie auf einer dicht befahrenen Autobahn. Wurde anfangs getreidelt, die Schiffe also von Land aus über den Strom gezogen, so revolutionierte die Dampfschifffahrt die gesamte Branche und sorgte für einen nicht enden wollenden Boom. Enorme Warenmengen wurden in Duisburg gelöscht, was meist mit einem mehrtägigen Aufenthalt verbunden war. Für die Schiffer war dies Gelegenheit für Landgänge - um neue Warenlieferungen auszuhandeln, sich mit Berufskollegen auszutauschen oder in einer der zahlreichen Ruhroter Kneipen ein Bierchen zu trinken. Naja, und auch, um andere Bedürfnisse zu befriedigen: Nicht ohne Grund trug eines der traditionsreichsten und bundesweit bekanntesten Bordelle der Stadt den Namen "Goldener Anker"...

Mit dem Amtsantritt von Erich Staake, dem heutigen Hafenchef, begann eine Neuausrichtung, die von seinen Vorgängern fast verschlafen worden wäre. Während in Emmerich schon der erste Kran zur Entladung von Containern stand, wurde hier bis Ende der 1990er Jahre noch auf Stückgut gesetzt. Vom ersten Tag an richtete Staake die Geschäfte für die Zukunft aus, erkannte, dass Partnerschaften mit den beiden größten Seehäfen Antwerpen und Rotterdam für Duisburg überlebenswichtig sein werden und dass die Warenströme für und aus Fernost hier am Rhein optimal "verteilt" werden können - trimodal, vom Schiff auf den Lkw und/ oder auf die Schiene und umgekehrt.

Um Platz für neue Bahnanlagen und Lagerhallen zu schaffen, grub sich der Hafen im wahrsten Sinne des Wortes selbst das Wasser ab. Etliche Hafenbecken wurden zugekippt. Und auf dem neuen Land entstanden Distributionszentren für weltweit agierende Speditionsunternehmen. Auf dem ehemaligen Kruppgelände in Rheinhausen wuchs zum Beispiel Logport I in den Himmel. Dort, wo früher MHD produzierte, legte die 100-prozentige Hafentochter duisport den Grundstein für einen zweiten großen Logistikstandort, dem weitere folgten.

Regelmäßig pendeln inzwischen Züge zwischen China und Duisburg, bringen Güter aus Ostasien hierher und europäische Güter ins Reich der Mitte. Ob Mineralwasser, Tierfutter, Großmaschinen oder elektronische Kleinstteile, ob Autoteile bzw. komplette Autos oder Konsumartikel aller Art - wenn auf jedem Teil, das über den Duisburger Hafen vertrieben wird, ein entsprechendes Hinweisschild stehen würde, dann könnte jeder wohl tagtäglich sehen, dass das Traditionsunternehmen ein "global player" ist.

Quelle: RP
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