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Duisburg
Kein Bewegungsspielraum in Duisburg

Duisburg: Kein Bewegungsspielraum in Duisburg
Ein Blick ins Stadttheater. Schon wieder wird über den Fortbestand der Opernehe verhandelt. FOTO: hans-jörg michel
Duisburg. Die Opernehe wurde 2013 erst nach einer dramatischen Hängepartie verlängert. Die RP hat Einsicht in die Akten genommen und herausgefunden, was damals hinter den Kulissen geschah. Die SPD steht zur Opernehe, aber... Von Arne Lieb und Peter Klucken

Bis zum Sommer müssen Düsseldorf und Duisburg über die Fortsetzung der Opernehe verhandeln (die RP berichtete am Dienstag). Erst vor zwei Jahren wurde über die Kultur-Partnerschaft verhandelt, die schließlich verlängert wurde. Damals ging es dramatischer zu, als bislang in der Öffentlichkeit bekannt war. Die RP hat nach dem Informationsfreiheitsgesetz Einsicht in die Akten im Düsseldorfer Kulturdezernat genommen - und mehr darüber erfahren, was damals hinter den Kulissen lief.

Bereits im August 2011 forderte der damalige Duisburger Kulturdezernent Karl Janssen die Opernspitze auf, zwei Szenarien "ernsthaft zu prüfen": Eine Senkung des Duisburger Zuschusses von damals elf Millionen Euro pro Jahr um 2,5 Millionen Euro - und den Ausstieg der Duisburger. Man müsse klären, welche Folgen es hätte, wenn die Duisburger Politik so entscheidet. "Wir werden nicht verhindern können, dass Politik und Finanzaufsicht Antworten auf diese Frage erwarten", schreibt Janssen. In der Oper beginnt eine Zeit des Rechnens - und der Appelle an die Politik. Unter Leitung des damaligen kaufmännischen Direktors Jochen Grote werden alle Szenarien geprüft. Die Schlussfolgerungen der Opernleitung lassen keine Fragen offen: Es wird an die Substanz gehen.

Im Mai 2012 bringt der Duisburger Kulturdezernent Janssen öffentlich den Ausstieg der Duisburger aus der Oper ins Gespräch. Das führt zu einem Protest, der im Duisburger Kulturleben ohne Beispiel ist: Mehr als 50 000 Menschen unterschreiben eine Petition für den Erhalt der Oper in Duisburg; im Theater gibt es einen Solidaritäts-Abend mit großem Andrang und einer viel beachtete Solidaritätsbekundung von Duisburgs Weltklassegeiger Frank-Peter Zimmermann. Aus ganz Deutschland wird Protest laut.

Am 25. Juni 2012 entscheidet der Duisburger Stadtrat nach langen Debatten doch, die Opernehe beizubehalten - unter zwei Bedingungen: Der Zuschuss wird um eine Million Euro gekürzt und Duisburg beteiligt sich weiter nicht an Tarifsteigerungen. Zudem wird der Vertrag nur um drei statt bisher fünf Jahre verlängert - weshalb schon wieder Verhandlungen anstehen. Düsseldorf erklärt sich bereit, den Zuschuss pro Spielzeit bis 2017 von 24,3 auf 26,3 Millionen Euro zu steigern und damit 72 Prozent der Tarifsteigerungen auszugleichen. Den Rest muss die Oper sparen. Als Ausgleich sinkt die Zahl der Aufführungen in Duisburg von 100 auf 80 pro Spielzeit.

Es wird - gegen den Widerstand des Operngeschäftsführers - eine Unternehmensberatung beauftragt, um Sparpotenziale zu ermitteln. Das Gutachten kostet 100 000 Euro. Jetzt, zwei Jahre später, soll das Gutachten der Beratungsfirma "Actori" noch einmal ausgewertet werden. Insbesondere weitere Tarifsteigerungen gelten als Herausforderung. Eine Gesprächsnotiz nach einem Spitzengespräch zwischen Elbers und Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) lautet: "Tarife problematisch" und "kein Bewegungsspielraum in Duisburg".

Gestern erklärten in Duisburg der Kulturausschussvorsitzende Udo Vohl (SPD) und der kulturpolitische Sprecher Oliver Hallscheidt der SPD: "Die Oper ist ein Teil unserer Stadt. Die Opernehe mit Düsseldorf (...) gilt als vorbildliche Partnerschaft". Sie ermögliche vergleichsweise günstig ein hohes Maß an Qualität der Produktionen, die auch außerhalb von Duisburg und Düsseldorf große Anerkennung finden. Aber: Aufgrund der finanziellen Situation der Stadt Duisburg müssten "in den aktuell laufenden Verhandlungen Optimierungen vereinbart werden". Diese dürften nicht zu Lasten der künstlerischen Qualität gehen. Es dürfe auch keine weiteren Veranstaltungsreduzierungen geben. Grundlage dafür sei das Gutachten der Berater-Firma Actori und dessen Weiterentwicklung. "Wir sind aber zuversichtlich, dass die Deutsche Oper am Rhein weiter Erfolgsgeschichte schreiben kann", so die beiden SPD-Kulturpolitiker.

Quelle: RP
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