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Duisburg
Kindheitserinnerungen an den Buden-Besuch

Duisburg: Kindheitserinnerungen an den Buden-Besuch
Conny's Trinkhalle. FOTO: Christoph Reichwein (crei)
Duisburg. "Einmal bunte Tüte, bitte" - die RP-Redaktion erinnert sich an die ersten Büdchen-Besuche und viele süße Leckereien. Eine Runde Nostalgie. 

Mike Michel, Redakteur: 50 Pfennig. Wahnsinn. Mein Ziel ist nur rund 100 Meter entfernt: "Die Bude", wie wir sie nannten. Die Papiertüten sind spitz, und sie liegen direkt vorne an. Und die mufflige Alte hat zwar viel Geduld mit mir, angesichts des großen Geldbetrages wird es ihr aber bald zu viel. Ich lasse mich nicht entmutigen, zeige auf die vielen bauchigen Gläser und ordere: "Für fünf Pfennig Brausebonbons, für fünf Pfennig Gummibärchen, eine Lakritzschnecke. Wie viel Geld habe ich dann noch?" Sie seufzt. Ich bestelle einfach weiter. "Die Bude": Ein Paradies für den Fünfjährigen in seiner kurzen Lederhose mit den Hirschhornknöpfen ...

Hildegard Chudobba, Redaktionsleiterin: Süßigkeiten gab es zu Hause selten. Als meine Tante mir zum Geburtstag einen Fünf-Mark-Schein schenkte, pilgerte ich mit meiner Freundin sofort zu unserem Büdchen und wir ließen uns dort etliche weiße Papier-Spitztüten füllen mit allem, was uns bis dato nur aus den Gläsern im Regal angelacht hatte: Veilchenpastillen, Schaumerdbeeren, Brausebonbons, Gummibärchen und Lakritzschnecken zum Beispiel. Endlich konnte ich mir auch eine Packung Zigaretten leisten, keine echten, aber echt-aussehende mit Schokoladeninnenleben. Meine Mutter war von diesem Einkauf keineswegs begeistert, aber tolerant genug, um festzustellen, dass ich mein Geld ausgeben könne für alles, was mit wichtig ist. Die Betonung liegt auf wichtig. Auch im Nachhinein muss ich sagen: Gesund war diese Menge an Süßkram mit Sicherheit nicht, aber wichtig, um zu wissen, dass es ein wunderbares Gefühl ist, mal nicht auf jeden Pfennig achten zu müssen.

Vera Düngen, Marketing: Ich habe mir das erste Mal vor etwa 53 Jahren im Büdchen Süßigkeiten gekauft: Zwei Knöterich bekam man für einen Pfennig. Wenn ich zehn Pfennig von Oma und Opa hatte, war ich ganz stolz auf meine zwanzig Stück. Mit Freundinnen habe ich zusammen Puppentheater gespielt, um Geld zu sammeln. Das haben wir dann immer im Büdchen umgesetzt, etwa in Lakritze - daraus haben wir Lakritzwasser gemacht. Es war auch wichtig für mich, weil ich so schon früh den Umgang mit Geld gelernt habe. Später hat meine Mutter das Büdchen dann übernommen. Das war viel Arbeit: 16 Stunden pro Tag, an sieben Tagen in der Woche. Im Laufe der Zeit hat sie das Sortiment erweitert und es gab auch Knackwürste und Brötchen. Ich fand es toll, immer als Erste die Zeitschriften durchzublättern. Das Büdchen gibt es heute noch.

Quelle: RP
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