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Duisburg
Kirschbaum und junge Stimmen

Duisburg: Kirschbaum und junge Stimmen
Das Serenadenkonzert in der Abtei Hamborn konnte endlich mal wieder im Freien stattfinden - in stimmungsvoller Atmosphäre. FOTO: zoltan leskovar
Duisburg. Mit dem zweiten Serenadenkonzert im Kreuzgang der Abtei Hamborn und dem Semesterabschlusskonzert der Liedklasse an der Folkwang-Universität der Künste ging die Duisburger Konzertsaison 2015/16 jetzt zu Ende. Von Ingo Hoddick

Seit dem vergangenen Wochenende ist die Duisburger Konzertsaison 2015/16 auch schon wieder Geschichte. Zwei eher kleine, aber wirklich feine Konzerte setzten recht gut besuchte Schlusspunkte. Der erste Abend war das zweite Serenadenkonzert dieses Jahres. Diese Reihe findet 2016 ausschließlich in der Abtei Hamborn statt. Diesmal trat der glückliche und allzu seltene Fall ein, dass das Konzert nicht wegen drohenden oder bereits fallenden Regens in die Abteikirche verlegt werden musste, sondern im Kreuzgang unter dem immer weiter wachsenden Kirschbaum und neben dem dezent plätschernden und künstlerisch gestalteten Brunnen ablaufen konnte. Zum besonderen Reiz gehört es dort, dass immer wieder zwitschernde Vögel mit der Musik konkurrieren.

Der Kreuzgang passte diesmal besonders gut, denn auf dem Programm standen Werke für Bläser, deren konturenscharfer, köperhafter Klang unter freiem Himmel besonders klar zum Tragen kommt. Es spielten Mitglieder der Duisburger Philharmoniker, nämlich Christoph Schneider und Andreas Reinhard (Klarinette), Jens-Hinrich Thomsen und László Kerekes (Fagott) sowie David Barreda Tena und Waltraud Prinz (Horn).

Der erste Klarinettist ist der neue, frisch gebackene erste Soloklarinettist des Orchesters. Es begann - nicht wie vorgesehen - mit dem Sextett Es-Dur von Joseph Haydn polnischem Lieblings-Schüler Franciszek Lessel, sondern mit der Bläsersinfonie Es-Dur des Bach-Sohnes Johann Christian. Umso stärker war dann der Kontrast zwischen dieser gefälligen und oberstimmenbetonten Musik und dem ambitioniert polyphonen und dennoch ausgeglichen heiteren Sextett Es-Dur op. 71 von Ludwig van Beethoven.

Sehr stimmig für ein Serenadenkonzert wirkte auch die Harmoniemusik (Suite) zu der Oper "La clemenza di Tito" ("Titus") KV 621 von Wolfgang Amadeus Mozart im Arrangement von Andreas Tarkmann, der schon vielfach mit den Duisburger Philharmonikern zusammengearbeitet hat (die RP berichtete). Etwas kräftigere Akzente setzten die sechs philharmonischen Bläser in jener Serenade, die der Ungar Mátyás Seiber 1925 noch als Student bei Zoltán Kodály schrieb. Béla Bartók soll damals wutentbrannt die Jury eines Kompositions-Wettbewerbs verlassen haben, weil Seibers Serenade dort nicht den ersten Preis erhielt.

Der zweite Abend war das Semesterabschlusskonzert der Liedklasse von Prof. Xaver Poncette an der Folkwang-Universität der Künste. Im Kleinen Konzertsaal präsentierten sich 14 junge Stimmen, am Klavier begleitet von sieben vorzüglichen Pianisten. Taejung Kim (Tenor) und Tamara Elizbarashvili (Klavier) beeindruckten mit sechs Liedern aus dem Zyklus "Dichterliebe" op. 48 von Robert Schumann. Als glänzende Soubrette der Zukunft empfahl sich Narae Joung mit sechs der "Walzergesänge" von Alexander von Zemlinsky (Klavier: Chu-Ling Liu). Die bewegendsten Klänge in diesem Konzert kamen von der Mezzosopranistin Boshana Milkov, zunächst mit drei Liedern von Hugo Wolf (Klavier: SangHo Lee), später mit zwei russischen Liedern aus op. 21 von Sergej Rachmaninow im kongenialen Duo mit der Pianistin Tamara Elizbarashvili. Die Sopranistin Marije van den Ende traf sehr schön den Witz in drei Liedern aus "Des Knaben Wunderhorn" von Gustav Mahler (Klavier: Miao Yu).

Quelle: RP
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