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Duisburg
Klare Kante "Concertante"

Duisburg. Die Folkwang-Klavierklasse von Prof. Henri Sigfridsson gab wieder einen fulminanten Abend. Von Ingo Hoddick

Wenn die Klavierklasse von Prof. Henri Sigfridsson am Campus Duisburger der Folkwang-Universität der Künste einen Abend gibt, dann kann man sich immer auf ein fulminantes Konzert einstellen. Zu hören gibt es dann erstklassige Spieltechnik, klare Kante im Klang und unaufdringliche, wenn auch mitunter rhetorisch nicht sehr prägnante Aufführungen.

Jetzt war es im Kleinen Konzertsaal an der Düsseldorfer Straße 19 wieder einmal so weit. Sieben besonders begabte junge Damen präsentierten sechs Werke von fünf großen Komponisten. Für einige der Studentinnen war es der letzte Auftritt mit dieser Klasse, denn wie es der Professor selbst trocken kommentierte, "die sind dann weg". Neu bei Sigfridsson ist aber Nanako Kulita, hier kurzfristig eingesprungen mit einer polierten Darstellung der eigenwilligen, aber dankbaren Sonate Nr. 29 A-Dur op. 101 von Ludwig van Beethoven, die vor jetzt 200 Jahren entstand.

Inna Firsova erforschte erfolgreich die existenziellen Tiefen in der Suite "Le tombeau de Couperin", die Maurice Ravel einigen im Ersten Weltkrieg gefallenen Kameraden gewidmet hatte. Leider war die junge Pianistin im entscheidenden Moment den extremen spieltechnischen Anforderungen nicht gewachsen - auch, weil sie weitgehend zu schnelle Tempi gewählt hatte.

Doyeon Kim landete mit der kurzen und heiteren Beethoven-Sonate Nr. 24 Fis-Dur op. 78 einen Volltreffer, und Maya Yamauchi erfreute mit der "Goyesca" Nr. 2 "Coloquio en la reja" von dem vor 100 Jahren im Ersten Weltkrieg gestorbenen Enrique Granados (auf der Rückfahrt von der sensationellen New Yorker Uraufführung seiner - aus dem gleichnamigen Klavierzyklus entwickelten - Oper "Goyescas" wurde sein Schiff torpediert, er ertrank bei dem vergeblichen Versuch, seine Frau zu retten). Überraschend gut passte in diese Reihe die Sonate Nr. 4 Fis-Dur op. 30 von Alexander Skrjabin mit Aya Shimobayashi.

Eigentlich der abschließende Höhepunkt war die Rhapsodie über ein Thema von Paganini op. 43 von Sergej Rachmaninow. Sara Matsuu und Mayuko Hara (am zweiten Klavier als Orchester) brannten auch ein Feuerwerk kraftvoller Virtuosität ab - allerdings so grobschlächtig und undifferenziert, dass es allenfalls wie ein erstes Durchspielen klang. Der eindrucksvollen Wirkung tat das keinen Abbruch.

Quelle: RP
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