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Duisburg
Klavier-Festival: Integration durch Bartóks Welt

Duisburg. Fünf Schulen sind am inklusiven Pädagogik-Projekt beteiligt. Bei der Premiere war die Gebläsehalle ausverkauft. Von Ingo Hoddick

Auch in diesem Jahr setzt das Klavier-Festival Ruhr sein 2008 begonnenes inklusives Education-Projekt in Marxloh fort. Beteiligt sind daran inzwischen fünf Schulen: die Grundschulen Sandstraße und Henriettenstraße, das Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium und die Herbert-Grillo-Gesamtschule, außerdem die Buchholzer Waldschule, das ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt "Geistige Entwicklung" im Duisburger Süden.

Seit Herbst 2015 beschäftigten sich fast 400 Grundschüler, Förderschüler, Gesamtschüler und Gymnasiasten bereits im zweiten Jahr mit der Musik und Gedankenwelt des großen ungarischen Komponisten und Volksliedsammlers Béla Bartók (1881-1945), für den die Begegnung mit Musik aus unterschiedlichen Kulturen, vor allem aus Südosteuropa einschließlich der Türkei, eine zentrale Triebkraft seines Schaffens war. Dies erscheint besonders passend, da inzwischen die meisten Kinder und Jugendlichen in Marxloh ihre Wurzeln in dieser Region haben. Unter der Leitung der Tanzpädagogin Petra Jebavy erfanden die Schüler Bewegungsfolgen und Choreographien zu Bartóks Musik. Dieser körperliche Zugang zu einem bis dahin unbekannten Kosmos förderte sowohl ihre musikalische Wahrnehmungsfähigkeit als auch ihre schöpferische Fantasie.

Vertieft wurde dieses Verständnis mit den Mitteln der so genannten "relativen Solmisation". Dieser Ansatz, der in die ungarische Musikpädagogik von Bartóks Freund Zoltán Kodály eingeführt wurde, macht es möglich, die Tonbeziehungen, die einer Melodie zugrunde liegen, über Tonsilben (Do, Re, Mi und so weiter) und damit gekoppelte Handgesten als musikalische Qualitäten zu erfahren. Außerdem ließen sich die Schüler von Bartóks Werken zu eigenen Musikstücken anregen. Ausverkauft war die Gebläsehalle im Landschaftspark Nord jetzt bei der ersten Präsentation "Begegnungen und Übergänge: In Bartóks Welt 1". Sieben Klassen tanzten, sangen und spielten, vor allem zu Bartóks "Acht Improvisationen über ungarische Bauernlieder" op. 20 (1920). Am Klavier saß wieder der junge, aber längst hochvirtuose Pianist Fabian Müller.

Fortsetzung folgt am 1. Juli, um 17.30 Uhr, in der Gebläsehalle, mit "Begegnungen und Übergänge: In Bartóks Welt 2". Im Mittelpunkt steht dann die Klavierfassung von Bartóks Tanz-Suite: In diesem 1923 uraufgeführten Werk durchmischt der Komponist bewusst unterschiedliche Volksmusikstile und setzt so ein eindruckvolles musikalisches Zeichen gegen einen übersteigerten Nationalismus und für kulturelle Vielfalt. (Karten und Informationen gibt es unter www.klavierfestival.de im Internet.)

Quelle: RP
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