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Duisburg
Kliniken kämpfen gegen die Krätze

Wie sieht Krätze aus?
Wie sieht Krätze aus? FOTO: Shutterstock.com/ Mykola Samoilenko
Duisburg. Über 200 Fälle von Krätze sind in Duisburg derzeit bekannt. Die Krankenhäuser und das Gesundheitsamt reagieren auf den Erreger und leiten Maßnahmen ein, die die Verbreitung der hoch ansteckenden Krankheit verhindern. Von Jan Luhrenberg

Die Duisburger Kliniken und das Gesundheitsamt haben in diesem Jahr bereits über 200 Fälle von Krätze registriert. Auch im vergangenen Jahr waren ähnlich viele Personen von den Milben betroffen, die sich in die Haut bohren und dort hausen. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 waren lediglich 44 Fälle bekannt. Die Zahlen sind allerdings nur die Spitze eines Eisberges. Oft wird die Krankheit nicht diagnostiziert. Zudem werden nicht alle Fälle dem Gesundheitsamt gemeldet.

Für Dr. Dieter Weber, Leiter der städtischen Einrichtung, ist das aber kein Grund, die Alarmglocken zu schlagen: "Die Krankheit ist eigentlich immer da. Es kann also nicht die Rede davon sein, dass sie wieder ausgebrochen ist." Durch die Flüchtlingszuwanderung seien einige Fälle aufgetreten. Darüber hinaus würden Urlauber die kleinen Tierchen aus fremden Ländern mitbringen.

In Pflegeheimen sei der Ausbruch der Krankheit am problematischsten, da die Erreger durch Pflegepersonal in die Haushalte getragen werden und ältere Menschen keine Hautreaktionen zeigen, so dass sie vor einer Behandlung mit mehreren tausend Milben befallen seien. Weber betont: "Die Krätze ist eine hochansteckende Krankheit." Sie einzudämmen sei eine Herausforderung. Besonders wichtig sei es, die Meldewege zum Gesundheitsamt einzuhalten, damit Maßnahmen getroffen werden können und sich die Krankheit nicht ausbreitet. Das gilt nicht nur für Krankenhäuser, sondern auch für andere Einrichtungen wie Pflegeheime oder Kitas. "Wir beraten diese Stellen, damit die Infektionskette abreißt", sagt Weber. An Kliniken stellt das Gesundheitsamt keine direkten Forderungen: "Sie sind in der Behandlung eigenständig", sagt der Leiter des Amts. "Wir kontrollieren aber regelmäßig die Hygiene in den Krankenhäusern, die notwendig ist, um die Krankheit zu bekämpfen." Zudem müssten alle nötigen Medikamente vorrätig sein. In den Kliniken selbst breite sich der Erreger so gut wie gar nicht aus, berichtet Weber. Das liege daran, dass dort der direkte Hautkontakt vermieden wird.

Die Kliniken stellen sich zurzeit auf die Krankheit ein, obwohl sie sehr wenige Patienten stationär aufnehmen. "Im Johanniter-Krankenhaus Rheinhausen sind bislang keine Fälle von Krätze bekannt", sagt Sandra Kalkmann von der Pressestelle. Ähnliches berichtet Ute Kozber: "Ein Anstieg bei den Patienten ist in den Sana Kliniken bisher nicht zu verzeichnen", sagt die Pressesprecherin. In allen Krankenhäusern gelten zur Behandlung der Krätzemilben besondere Hygienevorschriften, die in einem für alle Mitarbeiter verfügbaren Plan einsehbar sind. "Die Standardhygienemaßnahmen sind Kittel, Handschuhe, Haube und Mundschutz", sagt Kozber. "Ebenso ist sorgfältiges Händewaschen mit anschließender Händedesinfektion wichtig." "Darüber hinaus werden Kleidung, Bettwäsche und Handtücher täglich gewechselt, in gesonderten Beuteln gesammelt und speziell gereinigt", ergänzt Kathrin Gießelmann, Pressesprecherin des Helios Klinikum. "Zusätzlich erfolgt eine aufwendige Desinfektion aller Flächen im Zimmer."

Bereits im Verdachtsfall beginnen alle Kliniken damit, bei Patienten eine Diagnose zu stellen und die Therapie einzuleiten. "Bei Bedarf gehört auch eine Isolierung im Einzelzimmer dazu", berichtet Gießelmann. Unter anderem die Sana Kliniken orientieren sich an den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts. "Falls ein Patient stationär aufgenommen werden soll, wird eine mikrobiologische Untersuchung eingeleitet", berichtet Kozber. Doch nicht nur der Patient wird von den Ärzten in den Blick genommen. "Es ist darauf zu achten, dass sämtliche Kontaktpersonen, die mit diesem Patienten ungeschützt in Kontakt gekommen sind, behandelt werden", erklärt Patrick Pöhler vom Malteser Krankenhaus Rhein-Ruhr. Dazu gehören zum Beispiel Eltern und Geschwister. Die Krankenhäuser stehen bei der Eindämmung von Krätze allerdings nicht im Fokus, da eine private Behandlung mit Salben oder Tabletten in den eigenen vier Wänden möglich ist. Die Wirkstoffe blockieren den Stoffwechsel der Milben und töten sie in der Regel innerhalb von 8 bis 24 Stunden ab. "Betroffene können selbst dafür sorgen, dass sich der Erreger nicht schnell ausbreitet", erklärt Weber. Es helfe auch, Wäsche zu reinigen oder in Plastiksäcke zu verstauen.

Quelle: RP
 
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