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Duisburg
Kluges Streiten über Leben und Tod

Duisburg: Kluges Streiten über Leben und Tod
Anne und Nikolaus Schneider diskutierten miteinander und dem Publikum über Krankheit als Grenzerfahrung und Sterbehilfe. FOTO: andreas probst
Duisburg. Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, und seine Frau Anne Schneider waren gestern Nachmittag Gäste beim Ethiktag des Sanaklinikums in Wedau. Von Peter Klucken

Frage, die gestern Nachmittag Pastorin Dorothee König an Anne Schneider richtete, war mehr als eine Floskel: "Wie geht es Ihnen?" Die Antwort kam, ohne zu zögern: "Viel besser als im vergangenen Jahr. Ich hätte mir damals nicht vorstellen können, dass es mir heute wieder so gut gehen könnte." Und später fügte sie noch hinzu: "Seit Mai habe ich das Gefühl, dass ein schneller Tod nicht ansteht."

Anne Schneider und ihr Ehemann Nikolaus Schneider, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland und langjähriger Präses der Rheinischen Kirche, waren Gäste beim Ethiktag des Sanaklinikums in Wedau. Eingeladen waren sie, um über nichts Geringeres als Leben und Tod zu sprechen - und zu streiten. In verschiedenen Interviews hat das Ehepaar Schneider keinen Hehl daraus gemacht, dass sie bei den letzten Dingen nicht immer einer Meinung sind. Anne Schneider scheut sich nicht, in der Öffentlichkeit auch über Persönliches zu sprechen. So sagte sie gestern beispielsweise: "Jetzt macht mir Streiten wieder Spaß; es gab aber auch Zeiten, da wollte ich nur gestreichelt werden."

Im vergangenen Jahr musste Anne Schneider die Diagnose verkraften, dass sie an einem aggressiven Brustkrebs leidet. Nach der Diagnose legte Nikolaus Schneider "auf geordnete Weise" seine Ämter nieder, eine Entscheidung, die er auch jetzt noch richtig findet. Sie habe, so berichtete Anne Schneider, zunächst mit sich gerungen, ob sie die Therapien über sich ergehen lassen soll. Vor zehn Jahren starb die Tochter der Schneiders im Alter von 22 Jahren an Leukämie; die Therapien zuvor seien furchtbar gewesen. Sie, Anne Schneider, habe sich aber überzeugen lassen, dass die Nebenwirkungen der Chemotherapie heute viel besser gemildert werden können. Und jetzt könne sie sagen, dass die Ärzte sie mit dieser Voraussage nicht getäuscht hätten.

Womit ein wichtiges Stichwort angerissen wurde: "Vertrauen". Ohne Vertrauen könne man das Leben nicht bestehen, so das Credo des Ehepaars. Gemeint ist das Vertrauen zu Menschen und für sie als religiöses Paar letztlich auch das Vertrauen zu Gott.

Pastorin Dorothee König kam als gut vorbereitete Moderatorin bald zu den Grenzfragen: Anne Schneider plädiert für die Möglichkeit eines selbst bestimmten Todes. Sie nannte als Vorbild die Schweiz, wo ein "assistierter Suizid" rechtlich erlaubt ist. Nach ihrem Verständnis pfusche man Gott mit einer solchen Auffassung nicht ins Handwerk. Nikolaus Schneider ist hingegen der Auffassung, dass der Mensch das Tor zum Tod nicht selber öffnen solle. Er betonte allerdings, dass man alles tun müsse, um die letzte Lebensphase würdig zu gestalten. Und irgendwann müssten auch Ärzte wissen, "wann das Sterben dran ist". Er sieht die Gefahr, dass Schwerkranke beim Aufweichen der Normen in den Tod gedrängt würden.

Quelle: RP
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