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Duisburg
Komponistinnen und Schlichtes von Reger

Duisburg. Weil Organistin und Sopranistin absagen mussten, sprangen zwei Dortmunder Organisten ein. Von Ingo Hoddick

Das jüngste, fünfte der 22. Sommerlichen Orgelkonzerte in der evangelischen Friedenskirche Hamborn, Duisburger Straße 174, jeden Mittwoch in den Sommerferien, konnte nicht wie geplant stattfinden. Auf dem Programm sollten ausschließlich Werke von Komponistinnen aus fünf Jahrhunderten stehen, doch sowohl die Organistin als dann auch die Sopranistin mussten wegen Krankheit absagen. Zwei Dortmunder Organisten retteten den Abend und machten ihn zu einem großen Ereignis.

Manfred Schwendner, seit gut einem Jahr Kantor der evangelischen Stadtkirche St. Marien, hatte auch das vierte Sommerliche Orgelkonzert bestritten (die RP berichtete) und spielte nun sieben vorzügliche Werke von fünf Komponistinnen, zwei deutschen und drei französischen, davon drei der ursprünglich vorgesehenen Stücke. Das neobarocke Präludium und Fuge d-Moll op. 16 Nr. 3 hatte Clara Schumann (1819-1896, die Gattin von Robert Schumann) für Klavier komponiert, doch auch die Bearbeitung für Orgel von Joachim Dorfmüller klingt gut. Die große französische Orgelromantik war vertreten durch drei Beiträge von Cécile Chaminade (1857-1944), besonderen Eindruck machte hier der "Cortège nuptial" (Hochzeits-Zug) aus "La nef sacré" op. 171, einem ihrer letzten Werke.

Tief empfunden wirkte das Adagio es-Moll op. 65 von Mel Bonis (1858-1937), die eigentlich Mélanie hieß, doch mit einem weiblichen Vornamen ließen sich Kompositionen damals nicht verkaufen. Fanny Hensel (1805-1847, die ältere Schwester von Felix Mendelssohn) schrieb das prächtige Präludium F-Dur für ihre eigene Hochzeit. Germaine Tailleferre (1892-1983) aus der losen Komponistenvereinigung "Groupe des Six" rundete das Bild mit ihrem neoklassizistischen "Nocturne" (1977). Schwendner spielte das alles mit feiner Artikulation, Phrasierung und Registrierung.

Als Rahmen gab es zwei relativ schlichte und kurze Werke von dem sonst für seine Komplexität geradezu berüchtigten und vor 100 Jahren gestorbenen Max Reger. Klaus Eldert Müller, Kantor der Dortmunder Reinoldikirche und längst geradezu Stammgast in der Friedenskirche (die RP berichtete auch hierüber) passte Introduktion und Passacaglia d-Moll sowie die nicht ganz ernst gemeinte Introduktion, Variationen und Fuge über "God save the Queen" geschickt den gerade mal 22 klingenden Registern der Eule-Orgel an.

In nächsten, sechsten und somit letzten Sommerlichen Orgelkonzert am Mittwoch, 17. August, um 20 Uhr, bringt Hye-Kyoung Kang, seit fünf Jahren Kantorin der Lutherkirche Duissern, als "Italienische Begegnung" Werke von Felix Mendelssohn, Johann Gottfried Walther (nach Antonio Vivaldi), Girolamo Frescobaldi und Johann Sebastian Bach. Der Eintritt kostet sechs Euro. Anschließend gibt es einen Umtrunk im Kirchgarten, bei schlechtem Wetter in der Sakristei.

Quelle: RP
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