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Duisburg
Konzert mit starken und leuchtenden Farben

Duisburg: Konzert mit starken und leuchtenden Farben
Der 1986 geborene Finne Ville Matvejeff sprang als Dirigent ein. Zuvor war er in Duisburg schon als anwesender Komponist zu erleben. FOTO: Tuuka Jörventausta
Duisburg. Im für die Saison 2014/15 letzten Philharmonischen Konzert erklangen besonders meisterhaft instrumentierte Orchesterwerke, mit dankbaren Aufgaben für die Duisburger Philharmoniker. Von Ingo Hoddick

Auf den zweiten Blick erschloss sich der tiefere Sinn des Programms im zwölften und somit für die Saison 2014/15 letzten Philharmonischen Konzerts im Theater am Marientor (TaM). Die drei Werke wurden immer jünger und komplexer, mit immer mehr Bläsern und Schlagwerk, auf zwei Kompositionen des Franzosen Maurice Ravel folgte eine von Witold Lutoslawski, der, wie damals viele polnische Komponisten, in Frankreich studieren wollte, was der Zweite Weltkrieg verhinderte. Auf Ravels sensibel kolorierte Märchen-Suite "Ma mère l'oye" ("Mutter Gans", 1908-11) folgte sein Konzert für Klavier und Orchester G-Dur (1929-31), teils neoklassizistisch-folkloristisch, teils jazzig, und das beliebteste Orchesterwerk von Lutoslawski, das neoklassizistisch-folkloristische Konzert für Orchester (1950-54).

Vor allem aber sind diese drei Werke nicht nur recht kurzweilig, sondern auch besonders meisterhaft instrumentiert, also mit nicht nur dankbaren, sondern auch kniffligen Aufgaben für die Duisburger Philharmoniker. Als Dirigent eingesprungen für Marc Soustrot (und dieser wiederum für Michael Boder) war der 1986 geborene Finne Ville Matvejeff, der hier im Februar im siebten Philharmonischen Konzert als anwesender Komponist zu erleben gewesen war (die RP berichtete).

Vor der handwerklichen Leistung, dieses anspruchsvolle Programm unfallfrei über die Bühne zu bringen, kann man nur den Hut ziehen. Freilich wirkte bei Ravel Manches dann doch hektischer, flacher und unschärfer, als es eigentlich komponiert ist.

Solist am Klavier war der 1984 in Moskau geborene Boris Giltburg, der von Kindheit an in Israel lebt. Ein Virtuose im besten Sinne des Wortes, den extreme spieltechnische Schwierigkeiten erst so richtig anfeuern. Schade nur, dass er bei dem solistischen Beginn des langsamen Mittelsatzes noch nervös unruhig wirkte. Die gelassene Ruhe übernahm er erst von dem später einsetzenden Orchester, vor allem vom solistischen Englischhorn. Dass Giltburg sich für die Begeisterung des Publikums mit je einer Zugabe von Franz Liszt und Sergej Rachmaninow bedankte, wobei er erst so richtig zur Geltung kam, kommentierte ein Besucher so: "Der hat auch kein Zuhause".

Jedenfalls fühlten sich sowohl der Dirigent als auch die Philharmoniker hörbar erst nach der Pause gänzlich in ihrem Element, bei den leuchtenden und starken Orchesterfarben in Lutoslawskis Konzert. Hier kommt keiner an der abwechslungsreichen Deutlichkeit vorbei, hier zeigt sich, wer wirklich etwas kann, so wie das Orchester unserer Stadt. Das war fast so kongenial wie vor gut fünf Jahren beim Philharmonischen Konzert in der Mercatorhalle unter der Leitung des polnischen Altmeisters Antoni Wit.

Quelle: RP
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