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Duisburg
Konzert unter der Bettdecke des Häwelmanns

Duisburg. Das dürfte das erste und einzige Familienkonzert gewesen sein, bei dem die ganze Bühne im Großen Saal im Theater mit einer weißen Bettdecke bedeckt war, auch die Musiker. "Der kleine Häwelmann" nach dem gleichnamigen Kunstmärchen von Theodor Storm (1849) war komponiert von dem 1980 in Duisburg geborenen, schon recht renommierten Hauke Berheide sowie produziert und inszeniert vom bewährten Theater Kontra-Punkt. Das wollte keine Oper sein und kein Konzert, sondern "Musik für die Augen und Theater für die Ohren". Von Ingo Hoddick

Dem kleinen Häwelmann (niederdeutsch: Nervensäge) ist sein Gitterbett zu eng. Er will die Welt erforschen und bekommt nie genug, will in die nächtliche Stadt hinaus in seinem kleinen Rollbett, in den Wald und bis in den Nachthimmel. Der Mond wird sein Gefährte, und alle Sterne des Himmels lächeln ihm zu. Selbst die Naturgesetze beugen sich, und das Segel seiens Wagens füllt sich mit seinem eigenen kleinen Atem. Da wird er übermütig - und überschreitet seine Grenze. Die Geschichte spannt einen Bogen zwischen kindlichem Forschergeist, Neugier und Entdecken wollen, dem Ich und seinem Selbstbewusstsein in der Welt, und der gierigen Grenzüberschreitung, dem "Mond über die Nase fahren". Hier scheitert das Ich in seinem Ungestüm und wird rüde in die Wirklichkeit, ins Meer zurückgeworfen. Aber für jedes "Hinfallen" wünschen wir uns und vor allem den Kindern eine helfende Hand, die uns wieder aufrichtet und von neuem mutig macht.

Berheides Musik dazu ist nächtlich-surreal, ebenso bildhaft wie sparsam gesetzt, oft nervös treibend. Die Schauspielerin Annette Bieker, die Sängerin Angela Froeme, der Erzähler Alexander Steindorf, der Regisseur Frank Schulz, der Ausstatter Jan Kocman und nicht zuletzt die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Jesko Sirvend gaben hier ihr Bestes, mit viel Herzblut. Herrlich etwa, wie der kleine Häwelmann mit seiner feuerroten Mähne in seinem Bett am Anfang noch lebendig am Bühnenrand steht, schließlich als Puppe immer kleiner und am Ende auf einer Stange nach oben gehalten wird.

Im nächsten und für diese Saison letzten Familienkonzert am Sonntag, 31. Mai, um 15 Uhr, im Großen Saal im Theater, bringen die von Bernhard Quast einstudierte Junge Chorakademie Duisburg und die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Francesco Savignano "Mareike spinnt!" von Philipp Matthias Kaufmann.

Karten gibt es unter Telefon 0203 28362100.

Quelle: RP
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