| 00.00 Uhr

Duisburg
Konzertformat im "Wohnzimmer"

Duisburg. Deutlich mehr junge Menschen als sonst füllten das Opernfoyer im Theater bei der Premiere des neuen Konzertformats der Duisburger Philharmoniker namens "O-Ton - Klassik meets Poetry Slam". Das war das komplett selbstständige Abschluss-Projekt der 20 Jahre jungen Franziska Schoch, die zur Zeit ihr Freiwilliges Soziales Jahr bei den Philharmonikern absolviert. Kompliment! Von Ingo Hoddick

Das Opernfoyer hatte "Wohnzimmeratmosphäre", das heißt die Tische standen locker verteilt, darauf Knabberzeug und daran zum Teil antike Stühle. Man konnte sich Getränke holen, nach der Pause auch im selben Raum. Das Mercator-Ensemble aus dem Dunstkreis der Duisburger Philharmoniker, ein Streichquartett mit Kontrabass statt Violoncello, spielte je zwei Werke aus sechs Epochen der Musikgeschichte. Die frischen Aufführungen der pfiffigen Arrangements, von der "Hornpipe" von Georg Friedrich Händel bis zu "Yellow" von Coldplay, kamen auch hier sehr gut an. Womöglich noch mehr bejubelt wurden freilich die drei jungen, aber schon recht erfolgreichen Slammer, die ihre Texte jeweils zwischen den beiden Stücken einer Epoche vortrugen. So brach der Sprachphilosoph Jason Bartsch eine Lanze dafür, sowohl alte als auch neue Begriffe zu verwenden, und kam zu einer geradezu kabarettistischen Formulierung: "Kein Mensch verwendet heutzutage noch Faxgeräte, außer Anwälte. Ok, das sind auch die Leute, die behaupten, Oscar Pistorius habe viermal in Notwehr auf die Badezimmertür geschossen." Und Sandra Da Vina bekannte, sie bestelle sich "schwarzes Mineralwasser, weil ich finde, dass ,Cola' so klingt wie ein kaputter Koalabär" und sie habe "besoffen, traurig und aggressiv schon mit 17 Männern Schluss gemacht, mit denen ich gar nicht zusammen war".

Das Ganze war ein gelungener Abend, der in ähnlicher Weise unbedingt wiederholt werden sollte. Man hätte sich allerdings eine etwas geschicktere Moderation gewünscht, die mehr über Musikepochen sagt als die Feststellung, dass "Bachs Songs (!) nie in Vergessenheit" gerieten.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Duisburg: Konzertformat im "Wohnzimmer"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.