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Duisburg
Konzertsaal als sensibles Instrument

Duisburg. Mit dem jüngsten, zweiten Philharmonischen Konzert kehrten die Duisburger Philharmoniker unter GMD Giordano Bellincampi allmählich wieder in die Akustik der wiedereröffneten Philharmonie Mercatorhalle zurück. Von Ingo Hoddick

Das Programm im jüngsten, zweiten Philharmonischen Konzert in der gut gefüllten Philharmonie Mercatorhalle war bestens geeignet, die Duisburger Philharmoniker nach den Jahren in der trockenen Akustik der Ausweichspielstätte im Theater am Marientor (TaM) wieder an den Nachhall und die sonstigen Eigenheiten, kurz: an das sensible Instrument des wiedereröffneten Konzertsaals zu gewöhnen. Denn auf dem Programm standen drei klassisch-romantische Werke in entsprechend kleiner Besetzung, die fast kammermusikalisches Hinhören erfordern. Dem entsprach auch die geänderte Sitzordnung mit den Bratschen vorne rechts, die dadurch besonders klangvoll hervortraten.

Zum Aufwärmen brachte Generalmusikdirektor Giordano Bellincampi die teils leidenschaftliche, teils zögernde Ouvertüre zu "Medea" ("Médée", 1797), der bekanntesten Oper von Luigi Cherubini. Dann kam eines der längsten und gewichtigsten Werke von demjenigen Komponisten, der Cherubini als "den ersten unter den Zeitgenossen" gerühmt hatte, nämlich das gleichfalls heroische und fast sinfonische, aber nicht dramatische Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 Es-Dur op. 73 (1809/10) von Ludwig van Beethoven. Die kanadische Starpianistin Angela Hewitt, Jahrgang 1958, gelangte hier erst nach und nach in die Stilistik und Rhetorik dieser Musik. Ihre schwankenden und nicht immer ganz überzeugenden Tempi erschwerten eine klare Verzahnung mit dem Orchester. Was eigentlich ihre künstlerischen Tugenden sind, konnte sie viel besser in ihrer Zugabe demonstrieren, der frisch und wahrhaft virtuos hingelegten Nr. 28 aus den "Goldberg-Variationen" von Johann Sebastian Bach, in der sich die beiden Spielhände mehrfach flink kreuzen. Dass der Abend eine Steigerung in drei Stufen hatte, zeigte sich vollends im zweiten Teil. Mit der heiteren Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 "Italienische" (1830-33) von Felix Mendelssohn waren wir alle praktisch angekommen. Artikulation und Phrasierung wirkten nun zwanglos dem Raumklang angepasst. Dabei war die Aufführung nicht nur diszipliniert, sondern auch mitreißend temperamentvoll. Interessant und durchaus schlüssig übrigens, dass der aus Italien stammende Dirigent die vier Sätze zügig aufeinander folgen ließ, obwohl Mendelssohn die Idee einer pausenlosen Sinfonie nur in anderen Gattungsbeiträgen ausdrücklich vorschreibt.

Quelle: RP
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