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Serie Backstage
Konzertveranstalter aus Leidenschaft

Serie Backstage: Konzertveranstalter aus Leidenschaft
Sascha Bertoncin arbeitet bei einem IT-Unternehmen in Essen, organisiert Konzerte und ist auch selbst als Musiker aktiv.
Duisburg. Sascha Bertoncin organisiert das Programm im "djäzz". Der IT-Fachmann macht das allerdings nicht als professioneller Veranstalter, sondern nimmt "djäzz"-Besitzer Ercan Ulucan die Arbeit in diesem Punkt ab. Von Alfons Winterseel

Duisburg ist in punkto Musik oder Comedy zwar nicht mit Städten wie Köln oder Berlin vergleichbar, doch gibt es in der Stadt während der Woche und besonders an Wochenenden viele Konzerte, Partys oder Comedy-Abende, die gute Unterhaltung versprechen. Hinter all dem stecken Menschen, die sich mit viel Herzblut, großem Enthusiasmus und nicht selten mit einem eigenen finanziellen Risiko dafür engagieren. Die Rheinische Post stellt einige von ihnen in der Serie "Backstage" in loser Reihenfolge vor.

Sascha Bertoncin ist im übertragenen Sinn ein "Kellerkind", denn Veranstaltungen, die er organisiert finden in Regel im Keller an der Börsenstraße in der Stadtmitte statt: Im "djäzz". Der heute 44-jährige macht das allerdings nicht als professioneller Veranstalter, sondern nimmt "djäzz"-Besitzer Ercan Ulucan die Arbeit in diesem Punkt ab, denn er kennt sich aus in der Szene. Erste Erfahrungen und Kontakte zu Bands knüpfte er, nachdem fürs Studium von Bocholt ins Ruhrgebiet gekommen war.

Damals gab es noch die "Fabrik" an der Grabenstraße in Neudorf als - mehr oder weniger - freies Kulturzentrum. Er begann Konzerte zu organisieren, hörte einige Zeit später vom "djäzz" und nahm Kontakt auf. "Das ist jetzt so 14 oder 15 Jahre her und die Programmplanung ist mein Hobby geblieben. Wir kommen hier meist ohne eine Agentur aus. Hier spielen oft Bands aus der Punkszene Hamburgs oder aus den Niederlanden, Bands aus der Region nutzen das "djäzz", um Release-Konzerte zu veranstalten und ihre neueste CD-Produktion zu präsentieren. "Meine Aufgabe beschränkt sich in der Regel auf die Koordinierung der Termine", erklärt Sascha Bertoncin.

Wie viele Veranstaltungen er im Jahr so macht? "Genau weiß ich das gar nicht. Irgendwas so zwischen 100 und 150", schätzt er. Dazu zählen auch die Partys. Vom Publikum geliebt, von der Nachbarn gefürchtet, von der Verwaltung eine Zeit lang restriktiv verboten. "Mittlerweile dürfen wir wieder drei Partys im Monat machen."

Dann geht es bis in die frühen Morgenstunden. Nicht die Partys an sich waren vor Jahren das Problem, sondern meist die lautstarke Kommunikation auf der Straße mitten in der Nacht. Und das damals an jedem Wochenende. "Wir hoffen, dass sich das nun ein Stück entspannt hat."

Viele Gäste setzten sich für den Erhalt des "djäzz" alter Art ein, gingen dafür auf die Straße. "Die Solidarität war super", erinnert sich der 44-Jährige. Über die Jahre wurde Sascha Bertoncin gleichsam zum Beobachter der Musikszene: "Man kann im Laufe der Zeit bei den immer wieder stattfindenden Sessions mitkriegen, wie sich einzelne Musiker entwickelten." Im Gedächtnis wird ihm auch bleiben, dass im "djäzz" ein geheim gehaltenes Konzert der "Sleaford Mods" stattgefunden hat, als die Formation in England schon als "Band der Stunde" gehandelt wurde.

Wenn er fürs "djäzz" keine Konzerte organisiert, ist Sascha Bertoncin an seinem Arbeitsplatz bei einem IT-Unternehmen in Essen. Oder er ist selbst als Musiker unterwegs und spielt "nichtkommerzielle zeitgenössische elektronische Musik".

Infos unter www.djaezz.de

Quelle: RP
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