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Duisburg
Kopf und Herz angesprochen

Duisburg: Kopf und Herz angesprochen
Francine Mayran mit einem von ihr gemalten Bild Willy Brandts in der Salvatorkirche. Wolfgang Braun (rechts) von der Vereinigung "Gegen Vergessen - Für Demokratie" würdigt ihre Ausstellung. FOTO: Reichwein
Duisburg. Die im Januar in der Salvatorkirche gezeigte Gedenkausstellung "Die Shoa und ihr Schatten" wird für Unterrichtszwecke aufbereitet und im September in erweiterter Form noch einmal im Ruhrorter Gemeindehaus gezeigt. Von Wolfgang Braun

Im Januar wurde in der Salvatorkirche eine Ausstellung der Straßburger Künstlerin Francine Mayran im Rahmen einer Woche des Gedenkens präsentiert. Titel und Thema: "Erinnern und Begreifen". Der Mensch des Menschen Wolf? - Die Shoa und ihr Schatten". Die Veranstaltergemeinschaft sah sich mit einem so nicht erwarteten Erfolg konfrontiert. An der Auftaktveranstaltung, einem Gottesdienst der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Duisburg, gefolgt von einer klassischen Vernissage, nahmen zahlreiche Besucher teil. Dieser Tag soll nicht vergessen werden: Die packende Predigt von Pfarrer Winterberg im Gottesdienst und die lehrreiche und fesselnde Ansprache von Frau Mayran in der Eröffnung werden demnächst - auch für Unterrichtszwecke - veröffentlicht.

Eingeleitet wurde der zweite Teil mit einem Grußwort von Bürgermeister Erkan Kocalar, der erklärte, seines Erachtens habe sich die Republik Türkei den Vorgängen im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges endlich ernsthaft und unzweideutig zu stellen. Das kurze Konzert des Chors "Ahava" der Jüdischen Gemeinde mit der Botschaft "Shalom" schloss die Veranstaltung. Zur Verdeutlichung ist eine abgedroschene Redewendung zu bemühen: Anders - als so häufig im Rahmen der Gedenkroutine - war es gelungen, bei den Anwesenden Kopf wie Herz, Verstand und Gemüt anzusprechen!

Daher folgende Hinweise, für alle, die sich einen Eindruck machen wollen: Frau Mayran hat auf ihrer dreisprachigen Website (http://www.fmayran.com / französisch, englisch, deutsch) eine aussagekräftige Fotogalerie zur Duisburger Ausstellung eingestellt. Diese dokumentiert nicht nur die Ausstellung und die Eröffnungsveranstaltung, sondern wirft auch einen weiten Blick auf die dezentrale Duisburger Gedenkkultur. So findet sich eingangs der Gedenk- und Grabstein für Rabbi Manasse Neumark und Martha Neumark und im unteren Bereich unter anderem eine Abbildung des von dem israelischen Künstler Naftali Bezem, geboren 1924 in Essen, gestalteten Gedenkfenster sowie Fotos der Gedenkkapelle an der Junkernstraße, errichtet auf dem Boden der alten Duisburg Synagoge.

Einen Blick nach vorn richtete Frau Mayran schon während der Eröffnungsveranstaltung, indem sie dem Publikum mitteilte, sie arbeite an einem Porträt Martin Niemöllers, dessen bekanntes Gedicht "Als die Nazis die Kommunisten holten" sie am Ende ihrer Ansprache auf Deutsch vortrug. Sie erklärte auch, dass sie Dietrich Bonhoeffer und Rabbi Manasse Neumark - letzteren auf Ansprache von Pfarrer Winterberg - malen werde. Ein Problem löste sich dann in den vergangenen Wochen weitgehend in Wohlgefallen auf: Die Veranstalter waren recht häufig wegen des kurzen Ausstellungszeitraumes angesprochen worden. Mit dem Interesse und dem Erfolg hatte eigentlich niemand gerechnet. Deshalb soll in Duisburg abermals eine Station auf dem "Europäischen Weg der Erinnerung" von Francine Mayran eingerichtet werden. Und zwar werden vom 18. September bis 3. Oktober ihre Bilder und Gemälde im Ruhrorter Gemeindehaus zu besichtigen sein. Diese Ausstellung ist Bestandteil der Aktivitäten zum 300. Jubiläum des Duisburger Hafens und findet zugleich Eingang in die Jüdischen Kulturwochen in Duisburg.

In den kommenden Wochen wird auch das kleine, eilig erstellte Begleitheft zur letzten Ausstellung überarbeitet und ergänzt. Dann ist es auch als Unterrichtsmaterial verwendbar. Allen porträtierten Personen ist ein QR-Code, der zu einem deutschsprachigen Text führt, zugeordnet.

Auf diesem Wege lassen sich dann vor, während und nach einem Ausstellungsbesuch die Werdegänge nachlesen, werden über die biografischen Details Schicksale und Leistungen der unterschiedlichen Personen nachvollziehbar; seien es Juden, Armenier, Sinti, Tutsi ..., seien es Opfer, Rechtschaffene, Widerständler. Ein kompakter Geschichts- und Politikunterricht.

Damit wird die Mahnung von Max Mannheimer (Überlebender der Shoa und Ehrenmitglied von Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.), dessen Porträt erstmals in Duisburg gezeigt wurde, aufgegriffen: "Die Menschen haben aus Auschwitz nur sehr wenig gelernt." Die so bezeichnete Aufgabe wurde auf der Schlusstafel der Ausstellung benannt: "Lernen und handeln! Lernen und lehren!"

Der Autor dieses Artikels ist Sprecher der Vereinigung "Gegen Vergessen - Für Demokratie".

Quelle: RP
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