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Duisburg
Kostenlose Ernte nach digitaler Karte

Duisburg: Kostenlose Ernte nach digitaler Karte
Rast am Wegesrand - Verpflegung inklusive: Wie hier am Reiserweg kann man sich gerne mal bedienen. FOTO: Eva Adler
Duisburg. Auf der Internetseite mundraub.org werden Interessierte schnell fündig: Brombeeren oder Holunder sind oft am Wegesrand zu finden und laden zur Ernte ein. Von Julia Schindler

Herrenlos Obst- und Nussbäume, Sträucher und Wildkräuter laden ein zur kostenlosen Ernte. Die Fundstellen werden auf einer digitaler Karte veröffentlicht. "Jedes Jahr sind wir an einem Samstag mit der ganzen Familie an dem Wäldchen am Heidberg in Mündelheim Brombeeren sammeln gegangen", erzählt Isabelle Nünninghof und betont: "Das war Familientradition."

Jeden Winter wurden die selbst gepflückten Früchte dann als Gelee "auf Mutters leckerem Weißbrot genossen". "Das sind schöne Kindheitserinnerungen", denkt die gebürtige Mündelheimerin an die alten Tage zurück. Tage, die das ausgeglichen haben, was der naturverbundenen Veganerin fehlte: "Wir hatten keinen eigenen Garten und bis auf unsere Wandertouren im Urlaub war es unsere einzige Aktivität mit den Eltern in der Natur." Neben Brombeeren erntete die Familie auch Holunder. Den fanden sie an der Rheinaue zwischen Mündelheim und Ehingen. "Der Saft, den wir daraus verarbeitet haben, hat mir über die ein oder andere Erkältung hinweg geholfen", schmunzelt Nünninghof. Heute gibt sie gerne die Fundstellen der öffentlichen Leckereien preis. Früher war das anders: "Die Orte wurden zwischen den Bewohnern im Dorf recht geheim gehalten - besonders weil der Holunder damals ein ziemlicher Hype war", erinnert sie sich zurück und kann sich das Lachen nicht verkneifen. Ein paar Jahre später hat sie erkannt, dass es Spaß macht und gleichzeitig Sinn ergibt, die Geheimnisse zu teilen: "Die Geschenke der Natur dürfen nicht einfach vergeudet werden." Warum also nicht nutzen und teilen, fragte sich Nünninghof und wurde aktiv - auf mundraub.org.

Die Internetseite bietet die Möglichkeit auf einer digitalen Stadtkarte öffentliche Obstbäume- und Sträucher zu markieren und somit jedem zur kostenlosen Ernte zur Verfügung zu stellen. Wer nur ernten möchte, kann ohne sich auf der Website zu registrieren, direkt raus in die Natur fahren. Wer seine Fundstellen teilen möchte, muss sich hingegen anmelden und somit versichern, nach den Mundräuber-Grundgesetzen zu handeln. "Wir treten für den Erhalt vergessener Obstbäume im öffentlichen Raum ein", beschreibt Andie Arndt, Medienpädagogin und Projektassistentin von "Mundraub", das Projekt und schiebt nach: "Wir wollen dafür sorgen, dass kein Obst mehr ungenutzt am Baum verrottet." Das Portal legt dabei den Fokus auf regionale, stadtnahe Ernährung vor dem Hintergrund der Lebensmittelverschwendung.

Für Nünninghof ein ganz wichtiger Punkt: "Wenn wir Lebensmittel für alle Menschen dieser Welt sichern wollen, dann müssen wir alle uns zur Verfügung stehenden Ressourcen nutzen."

Selbst Geerntetes und Verarbeitetes schmeckt auch nicht nur viel besser, sondern es entsteht auch noch ein ganz persönlicher Bezug zur Nahrung. "Wir verlieren nämlich immer mehr Wissen über die Natur, woher unser Essen stammt und wie man es selber anbauen und verarbeiten kann", betont Isabelle Nünninghof.

Quelle: RP
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