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Duisburg
Kritik an Informationspolitik der Stadt

Duisburg: Kritik an Informationspolitik der Stadt
Die Brücke über den Vinckekanal - hier ein Bild von den Bauarbeiten - ist fertig. Bald geht es ein paar Meter weiter mit neuen Arbeiten los. FOTO: Probst
Duisburg. Die DVG hofft, dass die Autofahrer andere Routen wählen als über die teilgesperrte Karl-Lehr-Brücke. CDU-Verkehrsexperte Thomas Susen hält das Vorgehen der Stadt für inakzeptabel. Von Hildegard Chudobba

Der Duisburger Hafen hätte sich eine andere Lösung gewünscht, die DVG ist besorgt und die CDU hält die Pläne, die Karl-Lehr-Brücke bis auf je eine Fahrspur für Autos und Straßenbahnen zu sperren, für einen großen Fehler. Ab morgen ist bekanntlich der Verkehr auf dem Brückenzug zwischen Ruhrort und Kaßlerfeld stark eingeschränkt, weil die Bauwerke über die Ruhr und den Hafenkanal marode sind. "Nicht nur eine Herausforderung für alle Verkehrsteilnehmer in diesem Bereich, sondern auch für die Duisburger Verkehrsgesellschaft AG (DVG) - denn die Straßenbahnen der Linie 901 überqueren den Brückenzug ebenfalls", so die Duisburger Verkehrgesellschaft.

Sie will nun die Verkehrssituation "intensiv beobachten" und mit der Stadt Duisburg abstimmen, "welche Maßnahmen zur Verminderung der Beeinträchtigungen im Straßenbahnverkehr getroffen werden können". Die Sperrung hatte die Stadt in der vorigen Woche kurzfristig angekündigt. Bei der Überprüfung der Brücke waren Schäden festgestellt worden, die diesen Schritt erforderlich machten, hatte sie erklärt. Offenbar sind diese Schäden so gravierend, dass die Brücke bei normaler Belastung nicht bis zum geplanten Neubau in vier Jahren durchgehalten hätte.

Thomas Susen, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion, moniert insbesondere die nicht-erfolgte Vorab-Information der betroffenen Unternehmen. "Da erfahren die unmittelbaren Anlieger von der Teilsperrung der für sie existenziellen Verkehrsader erst knapp eine Woche vorher aus der Zeitung. So geht es einfach nicht."

Beim Hafenfest am vergangenen Freitag war die anstehende Brückensperrung auch Thema bei den Gästen auf dem Schiff von duisport. Dort war zu hören, dass die Hafengesellschaft wie andere auch kurzfristig über die Maßnahme informiert worden war und eindringlich darum gebeten hatte, von der Sperrung Abstand zu nehmen und eine andere Lösung zu suchen. Schon beim Neubau des ersten Brückenabschnitts hatte es monatelang in Ruhrort mehr oder minder großes Verkehrschaos gegeben, und das, obwohl damals eine Behelfsbrücke für Entlastung sorgte. Das Technische Dezernat unter dem Beigeordneten Tum hätte in der Pflicht gestanden, vorher den Kontakt zu den Firmen zu suchen, sagt Thomas Susen, der beim Hafengeburtstag mit an Bord des duisport-Schiffes war. Die jetzige Vorgehensweise sei inakzeptabel und könne nur als absolutes Informationsdesaster bezeichnet werden. "Dass die Brücke altersbedingt technisch angeschlagen ist, weiß man seit langem. Warum hat Herr Tum daher nicht längst Dispositionen getroffen, um die notwendige Teilsperrung verkehrstechnisch abzufedern?", fragt Susen. Beispielsweise hätte er den Einsatz einer Behelfsbrücke - ähnlich der beim Neubau des ersten Abschnitts des Karl-Lehr-Brückenzugs eingesetzten - vorbereiten können. Mit einer solchen Alternativlösung wäre es jetzt möglich, die Straßenbahn weiter auf der alten Brücke verkehren zu lassen und den Individualverkehr über die Behelfsbrücke zu leiten, hatte bereits Susens Duisburger Fraktionskollege Frank Heidenreich, CDU-Fraktionschef im VRR, vorgeschlagen.

Mit dieser Lösung "ließe sich mit Sicherheit das allergrößte Verkehrschaos in den kommenden vier Jahren abwenden und folglich die Belastung für die anliegenden Unternehmen im Hafen möglichst gering halten", ist auch Susen überzeugt. Die Stadt will wie berichtet nicht nur Spuren auf der Brücke sperren, sondern den Verkehr nur noch mit Tempo 30 darüber fahren lassen. Da Bahnen, im Gegensatz zum Autoverkehr nicht ausweichen können, liegt die Hoffnung der DVG darauf, "dass die anderen Verkehrsteilnehmer auf andere Strecken ausweichen".

Dass es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen kommen wird, kann jeder Ortskundige nachvollziehen. Die Verbindung zwischen der Innenstadt und Ruhrort (sowie Homberg, Laar, Beeck) ist stark frequentiert und nimmt neben dem Individual- und dem Straßenbahnverkehr auch den Lieferverkehr zum Hafen auf. Kommt es auf der nun nur noch je einspurigen Brücke zu Störungen - zum Beispiel durch einen mehr oder minder schweren Unfall - sind Staus garantiert.

Quelle: RP
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